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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schüler werden zu Waldarbeitern
Zwischenüberschrift:
Carolinum kultiviert Schulwald in Belm – "Ich bin bislang auch nur selten ein Bussard gewesen"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück/ Belm. Einen eigenen Garten haben einige Schulen, einen eigenen Wald nur wenige. Das Carolinum gehört zu den Begünstigten, in Belm nutzt die Schule zwei Hektar mit altem und neuem Baumbestand. Kurz vor den Ferien wurden nun einige Schüler an zwei Projekttagen zu Waldarbeitern.
Wenn man einen Haufen Gymnasiasten schon zwei Tage zu körperlicher Arbeit vergattert, ist Humor sicher nicht das schlechteste Mittel, um die Kinder bei Laune zu halten. " Das weiß ich nicht, ich bin bislang auch nur selten ein Bussard gewesen", antwortet Lehrer Bernd Tebrügge auf die Frage, ob sich ein Bussard auf der gerade von ihm zugesägten Jule wohlfühle. Jule nennt man eine Sitzgelegenheit für Greifvögel. Der Bussard kann von hier aus zur Mäusejagd starten und richtet dabei keinen Schaden an. Das wäre anders, würde er sich auf Ästen eines der 8000 jungen Bäume niederlassen, die Schüler und Lehrer des Carolinums hier vor zwei Jahren eingesetzt haben.
Die zwei Hektar am Power Weg gehören dem bischöflichen Stuhl, der dem Caro die Fläche für 30 Jahre in Obhut gegeben hat. Weitere Institutionen wie die DBU und die Naturschutzstiftung des Landkreises unterstützen das grüne Klassenzimmer. Nach heutiger Rechtslage darf der Schulwald nur unter besonderen Umständen abgeholzt werden, sodass das Caro über Jahrzehnte Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten kann.
Um den Wald für die Schüler attraktiv zu machen, arbeitet die Schule eng mit der Biologiedidaktik der Universität Osnabrück zusammen. Nach dem Vorbild einer Untersuchung auf Rügen hat die Studentin Mareike Manthey einen Fragebogen entwickelt, mit dem die Schüler an den beiden Projekttagen in Zweiergruppen durch den Wald gehen und vermerken, welche Orte ihnen dort gefallen und welche nicht. " Wir wissen, dass Menschen in der Landschaft zum Beispiel Orte bevorzugen, an denen Wasser ist", sagt Mareike Manthey. Alle Theorien über Landschaftspräferenzen seien allerdings auf Erwachsene zugeschnitten. Mit der Untersuchung, die Grundlage ihrer Bachelor-Arbeit ist, will die Studentin auch überprüfen, ob und inwieweit sich die Vorlieben und Abneigungen der Jugendlichen von denen der Erwachsenen unterscheiden. Ein wesentlicher Unterschied in der Wahrnehmung sei schon bekannt: " Jugendliche haben eher ein Auge für Details, während Erwachsene stärker auf größere Strukturen achten."
Ganz praktisch soll aus den Ergebnissen der Untersuchung ein Waldlehrpfad entstehen, auf dem die Schüler die Entwicklung der Bäume verfolgen können.
Damit sich die Flora auch wie gewünscht entwickelt, müssen die Schüler an den beiden Projekttagen ordentlich arbeiten. Die drei Neuntklässlerinnen Laura Lopez, Lisa Windhorn und Aysu Bulat sind gerade damit beschäftigt, Unkraut zu rupfen. Großen Spaß macht ihnen das nicht trotzdem erschließt sich ihnen der Sinn ihrer Arbeit. " Der Schulwald ist an sich eine gute Sache, man muss nur mehr dafür tun", sagt Laura Lopez. Die drei Mädchen gehören zu den Schülern, die vor zwei Jahren den Wald angepflanzt haben. Danach allerdings habe der Wald in ihrem Schülerleben keine Rolle mehr gespielt. " Man müsste hier regelmäßiger etwas machen", sagt Aysu Bulat.
Lehrer Sven Schwichtenberg sieht das ähnlich: " Wir arbeiten daran, den Schulwald konkreter in den Unterricht einzubinden." Ein Problem sei die große Entfernung, knapp neun Kilometer liegt der Wald vom Carolinum entfernt. " Aber das ist ja ganz normal. Welche Schule hat schon einen angrenzenden Wald, den sie nutzen kann?"
Schwichtenbergs Kollege Bernd Tebrügge sagt, in Zukunft sollten noch mehr Studenten der Universität Bachelorarbeiten über den Schulwald schreiben. " Und dann könnten einige Schüler eine Facharbeit auf das Thema draufsatteln."
Eine genaue Vorstellung davon, wie sie ihre zwei Hek tar Wald nutzen wollen, haben die verantwortlichen Lehrer am Carolinum schon. Einstweilen bleibt zu hoffen, dass sich der undurchsichtige Bussard auf seinen frisch zugesägten Ansitzplätzen wohlfühlt und so viele Mäuse wie möglich fängt, damit die jungen Bäume in Ruhe wachsen können.

Schüler des Gymnasiums Carolinum arbeiten im Caro-Wald am Power Weg in Belm.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Hendrik Steinkuhl


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