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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Nabu will Uhus sich selbst überlassen
 
Nabu will Uhus sich selbst überlassen
Zwischenüberschrift:
Kritik an der Betreuungsstation in Hellern – "Arbeit ist nicht transparent"
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Uhus aus der Osnabrücker Innenstadt ziehen Kreise. In den aufgeflammten Streit um künstliche Brutstätten an Kirchen und die Versorgung der wilden Greifvögel durch Menschen haben sich jetzt auch der örtliche Naturschutzbund (Nabu) und die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen mit Sitz in Bad Münstereifel (NRW) eingeschaltet.

Der Nabu Osnabrück warnt davor, zu stark in natürliche Abläufe einzugreifen, sollte einmal ein Uhu für längere Zeit und vermeintlich hilflos auf der Erde hocken. Dazu war es zuletzt mehrfach im Umfeld der Katharinenkirche gekommen, wo sich ein Nistkasten im Turm befindet.

" Selbst wenn sie krank und verletzt wären, sollte man die Tiere in den meisten Fällen sich selbst überlassen", sagt Nabu-Vorsitzender Andreas Peters. " Das klingt hart und ist unpopulär. Aber so ist das Leben. Wenn da mal ein Uhu umkommt, ist das ein völlig natürlicher Vorgang." Menschen müssten sich freimachen von dem Bedürfnis, um jeden Preis zu helfen – " zumal nach unserem Eindruck auch völlig gesunde Tiere eingesammelt werden".

Auslöser der neuerlichen Diskussion um den richtigen Umgang mit den streng geschützten Großeulen waren Äußerungen von Wolfgang Herkt. Der Betreiber einer staatlich anerkannten Vogelbetreuungsstation in Hellern hatte Ende Juni anlässlich eines Besuchs des Stadtvorstands geargwöhnt, die vormals am Dom nistenden Uhus seien von dort vertrieben worden eine Behauptung, der die pikierten Domküster heftig widersprachen.

Herkt stellte fest, dass die Greifvögel, anstatt sich weiter an diesem " idealen Standort" in Ruhe vermehren zu können, an eine Stelle hätten ausweichen müssen, wo ihnen die enge Bebauung eine Aufzucht erschwere. Mit der Folge, dass er immer häufiger Uhus an sich nehmen müsse, die noch nicht ganz flügge nach ihren alterstypischen Sprüngen in die Tiefe mehr oder weniger versehrt und unterernährt am Fuße des Kirchturms strandeten.

Genau damit hat der Nabu Osnabrück ein Problem. Vorsitzender Peters bemängelt " fehlende Transparenz" in der Arbeit des öffentlichen Vogelretters, der sich angeblich " standhaft weigert, Auskunft zu geben" etwa über die Art der Versorgung und den Verbleib der von ihm eingesammelten Uhus. Der promovierte Nabu-Vogelkundler Gerhard Kooiker formuliert sein Misstrauen gegenüber dem Vogel-Autodidakten Herkt, im Hauptberuf Textilunternehmer, in einer einzigen Frage: " Wer kontrolliert Wolfgang Herkt?" Während Herkt eine Nachfrage unserer Zeitung zunächst unbeantwortet lässt, erklären Stadt und Land dazu Folgendes: Die Zuständigkeiten bei der Kontrolle der Betreuungsstation in Hellern sind auf verschiedene Behörden verteilt. Die Einhaltung der Artenschutzvorschriften gemäß Bundesnaturschutzgesetz obliegt der unteren Naturschutzbehörde in diesem Fall der Stadt Osnabrück. Um Belange des Tierschutzes kümmert sich das Veterinäramt des Landkreises Osnabrück. Und die sachgemäße Verwendung von Zuschüssen, die auch Wolfgang Herkt für seine Arbeit erhält, überwacht der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Doch zurück zum Nabu: Peters und Kooiker halten es für falsch, sich in den natürlichen Lauf der Dinge einzumischen. Insbesondere den Uhus tue man keinen Gefallen, wenn man sie aus ihrer selbst gewählten Umgebung entferne. " Dem Uhu geht es gut in der Stadt, sonst wäre er nicht hier", erklärt Peters. Sie in Obhut zu nehmen, warum auch immer, sei ein " grundsätzlicher Fehler". Binnen weniger Wochen gehe ihr Jagdtrieb verloren, und die zuvor wilden Vögel seien für den Rest ihres Lebens auf Menschen geprägt Wiederauswilderung praktisch unmöglich. Besser sei es, so die Nabu-Experten, nachweislich hilflose Uhus " im Adoptivverfahren" in fremde Nester zu setzen. Dann könnten sich Artgenossen um sie kümmern, sagt Kooiker.

Eine ganz ähnliche Meinung vertritt die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen. Der Verein mit Sitz in Bad Münstereifel war durch unsere Berichterstattung auf die fortgesetzte Diskussion um die Osnabrücker Uhus aufmerksam geworden. Geschäftsführer Wilhelm Breuer nennt es in einem gemeinsamen Brief an das Bistum Osnabrück und die Redaktion problematisch, dass " Uhus in Artenschutzstationen gelangen und aus dem Familienverband herausgelöst werden".

Für ihn liegt die Lösung auf der Hand: Die Öffnung des ursprünglich für Wanderfalken gedachten, aber von den Uhus in Beschlag genommenen Nistkastens an der Katharinenkirche sollte so verkleinert werden, dass die größten aller Eulen nicht mehr hindurchpassen. Die Uhus würden dann umso eher in den gleichsam als " ideal" angesehenen Kreuzgang des Doms zurückkehren. Breuer hat diesen Vorschlag bereits der Stadt Osnabrück unterbreitet, die ihn mit dem Nabu-Kreisverband und der Kirchengemeinde St. Katharinen beraten will.

Osnabrück. Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt es ab, vermeintlich hilflose Uhus in menschliche Obhut zu nehmen. Das sei ein unzulässiger Eingriff in die Natur, sagt der Osnabrücker Kreisverbands-Vorsitzende Andreas Peters. Damit übt er zugleich harsche Kritik an der Arbeit der staatlich anerkannten Betreuungsstation in Hellern.
Autor:
Sebastian Stricker


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