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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Sind die Höhlen bald Geschichte?
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Bima macht Druck: Bundesbehörde will Hohlräume im Gertrudenberg so schnell wie möglich verfüllen
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Originaltext:
Osnabrück. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) macht Druck: Weil Gefahr im Verzug sei, will sie die Gertrudenberger Höhlen möglichst bald mit einer Betonschlämme verfüllen. Damit würde ein über 700 Jahre altes Kulturdenkmal unwiederbringlich zerstört. Weitere Untersuchungen, wie sie die Landesdenkmalbehörde und die Stadt fordern, lehnt die Bima ab.

Sagenumwoben ist das Gertrudenberger Loch, das im ausgehenden Mittelalter als unterirdischer Steinbruch angelegt wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente das weitverzweigte Gangsystem als Bunker bei Bombenangriffen. Weil der Bund die Rechtsnachfolge für das Deutsche Reich angetreten hat, liegt die Verantwortung für die Höhlen jetzt bei der Bima in Erfurt. Und es ist kein Geheimnis, dass sich die Behörde dieser Aufgabe am liebsten entledigen möchte.

Die Bima hält das Gangsystem für einsturzgefährdet und drängt auf eine schnelle Verfüllung. Dabei beruft sich die Bundesbehörde auf das baufachliche Gutachten eines bergtechnischen Sachverständigen aus der Oberfinanzdirektion Münster. Nach einem Ortstermin im Dezember 2012 warnte der Fachmann eindringlich, in der Höhle bestehe Lebensgefahr. Steine könnten sich von der Decke lösen, möglicherweise drohe sogar ein Tagesbruch ein Bergschaden, der sich bis an die Erdoberfläche fortsetzt.

Alles Unsinn, sagt Wilfried Kley, der Vorsitzende des Vereins Gertrudenberger Höhlen. Der Mann verkenne die Zusammenhänge. Kompetente Bergbauingenieure zweifelten das Gutachten an. 700 Jahre lang habe sich der Gertrudenberger Fels als standfest erwiesen, und da ran habe sich auch in letzter Zeit nichts geändert.

Schon immer sei es zu kleineren Abplatzungen an den Decken gekommen, aber die könnten auch vorbeugend mit der Brechstange entfernt werden. Der Verein möchte die Höhlen für Besucher öffnen und zeigt sich auch bereit, die Verantwortung für das Gangsystem zu übernehmen. Das verbleibende Risiko will er mit einer Haftpflichtversicherung abdecken.

Doch im gegenwärtigen Tauziehen geht es nicht um die touristische Erschließung. Die Bima will die Hohlräume unter dem Gertrudenberg konsequent zuschütten. Inzwischen wurde das Staatliche Baumanagement Osnabrück-Emsland angewiesen, die Kosten für diese großräumige Aufgabe zu ermitteln. Das hat dessen Leiterin Cristina Bierschenk gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Sie fügte jedoch hinzu, dass die Gelder dafür noch nicht zur Verfügung stünden.

Zuvor muss ein Einvernehmen hergestellt werden mit der Stadt Osnabrück und der Landesdenkmalbehörde, die dem niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst untersteht. Beide Behörden fordern von der Bima weitere Untersuchungen, weil das baufachliche Gutachten viele Fragen zur Standsicherheit des gesamten Stollensystems nicht beantworte. Doch das lehnt die Bima mit dem Hinweis auf " eindeutige Erkenntnisse" ab, wie Pressesprecher Thorsten Grützner am Mittwoch erklärte. Wegen der Gefährdungslage habe der Bund " aufgrund seiner rechtlichen Verpflichtung aus dem allgemeinen Kriegsfolgengesetz und im Einvernehmen mit den Grundstückseigentümern das Genehmigungsverfahren zur Gefahrenbeseitigung eingeleitet".

Wenn die Stadt Osnabrück als Denkmalbehörde ihre Zustimmung verweigert, könnte der Bund ihr die Verantwortung für das Höhlensystem übertragen. Dieses Risiko wollten die Kommunalpolitiker aber bislang nicht eingehen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.

Bildtext:
Kopf einziehen: Wilfried Kley (links) bezweifelt, dass die Gertrudenberger Höhlen einstürzen können.Foto:

Foto:
Andreas Stoltenberg
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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