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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Vitischanze in der Zange des Verkehrs
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vitischanze in der Zange des Verkehrs

Die Schanze aus dem Jahre 1572 bleibt erhalten - Die Stützmauer an der Hase wird neu errichtet - 3 Meter Grünstreifen zwischen Bürgersteig und Barenturm

Wenn gebuddelt wird, bleiben die Leute stehen und schauen zu. Das ist seit jeher in Osnabrück so gewesen. Aber noch nie haben Umbauarbeiten in der Stadt so viele Menschen zum Stehenbleiben und - zum Diskutieren veranlaßt, wie augenblicklich die an der Vitischanze. In überraschender Weise zeigt sich hier, wie tief doch dies altersgraue Befestigungswerk sowohl als Anlage wie als stadtgeschichtlicher Zeuge in den Menschen der Stadt verwurzelt und wie umstritten dementsprechend die hier im Gange befindlichen Umgestaltungsarbeiten sind, die für den Verkehr Raum schaffen sollen. Bei den vielfachen Gesprächen, die einander sonst völlig fremde Menschen im gemeinsamen Interesse an der Erhaltung der Vitischanze Tag für Tag führen, taucht immer wieder die Kernfrage auf: " Gewiß muß für den Verkehr etwas getan werden .....
Aber darf man seinetwegen selbst ein so wertvolles und unersetzliches Kulturdenkmal wie die Vitischanze, die doch ein Wahrzeichen der Stadt ist, einfach beschneiden und in seiner bisherigen Schanzengestalt quasi einebnen, wie es doch im Augenblick den Anschein hat?" Damit trifft die Bürgerschaft von sich aus die wesentliche Kernfrage des Problems der Verkehrserneuerung. In der nachstehenden Darstellung nimmt die Stadtverwaltung zu dieser Frage Stellung und gibt nähere Auskunft über die künftige Gestaltung der Vitischanze und über die vorbereitenden Überlegungen, die zu dieser Planung geführt haben.

Die Stadtverwaltung teilt mit:

" Im Zuge der Verwirklichung des unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufgestellten Verkehrsplanes von Professor Dr. Schlums wird nunmehr, nachdem sich der Bau-, der Verkehrs- und der Kulturausschuß damit befaßt und der Rat der Stadt den Beschluß gefaßt hat, den Platz am Hasetor vom Städtischen Tiefbauamt in einem 1. Bauabschnitt umgestaltet.
Bei diesen Baumaßnahmen wird trotz sorgfältigster Überlegungen die Bastion der Vitischanze einer Veränderung unterzogen werden müssen. Am 2. Dezember 1957 war aus diesem Grunde eine Ortsbesichtigung angesetzt, an der auch die zuständigen Stellen der Denkmalspflege teilnahmen. Bei den vorsichtig in Angriff genommenen Arbeiten wurden bereits die Befestigungsgürtel aus den Jahren 1635 und 1572, die unter dem Erdreich lagen, freigelegt. Im Jahre 1938 errichtete man, wie den älteren Osnabrückern bekannt ist, in Anlehnung an die Befestigung von 1635 die uns bekannte neue Mauer. Durch die sehr dringend notwendigen Verkehrsverbesserungen wird die Beseitigung dieser neuen Mauer notwendig.

Die Überlegungen an Ort und Stelle ergaben nun die Richtlinien für die weiteren Arbeiten. Danach wird im Zuge der erforderlichen Erbreiterung der Straße und der Zurückverlegung des Gehweges in Richtung Vitischanze die Befestigung aus dem Jahre 1572, also die wertvollere Bastion der Vitischanze, verwendet und dem Beschauer wieder sichtbar gemacht. Es ist sehr beruhigend, daß die erforderlichen Verkehrsverbesserungen die alte Bastion der Vitischanze nicht vernichten, sondern vielmehr durch Beseitigung der neuen Mauer wieder ans Tageslicht bringen werden.

Die Befestigung von 1572 paßt in die verkehrlichen Erfordernisse der Neuzeit. Ferner wird bei der Durchführung der Arbeiten der mit einem Gewölbe überdeckte Wehrgang längs der Hase, der, ehemals über die alte Brücke führend, die Vitischanze erreichte, belassen und die sehr stark beschädigte Stützmauer, die im Hasebett begründet ist, restauriert, was für die gesamte Anlage eine große Verbesserung bedeutet. Die Schießscharten in der Stützmauer werden ebenfalls wiederhergestellt. Die im Laufe der Zeit eingefügten Kunststeine werden dabei beseitigt und durch Natursteine ersetzt. Der erwähnte Wehrgang wurde durch das Höherziehen des mittleren Brückenbogens unterbrochen, so daß die Verbindung mit der Vitischanze leider nicht wiederherzustellen ist.

Die Erbreiterung der Brücke über die Hase im Zuge des Walles wird so vorgenommen, daß zwischen Bürgersteig unbd dem alten Barenturm ein Grünstreifen von ca. 3 Metern verbleibt. Die Böschung, die den alten Wehrturm aus dem Hasebett herauswachsen läßt, bleibt bestehen.

In der untenstehenden Skizze sind diese Überlegungen zeichnerisch wiedergegeben. Die erforderlichen Maßnahmen für die Verkehrsverbesserungen am Hasetor wurden außer mit den zuständigen Ausschüssen des Rates auch an Hand der Pläne mit dem kulturellen Arbeitskreis unter dem Vorsitz von Staatsarchivdirektor Dr. Wrede eingehend besprochen. Sie fanden auch die Zustimmung des Arbeitskreises. Von denkmalspflegerischer Seite kann gesagt werden, daß die notwendigen Verkehrsverbesserungen Zeugen der Vergangenheit wieder in das rechte Licht stellen.
Wir haben die Erwartung, daß die Vitischanze mit ihrem Vorgelände nach Beendigung der Arbeiten ein Anziehungspunkt für die Osnabrücker Bevölkerung sein wird, aber nicht weniger auch für die Fremden, die unsere schöne Stadt besuchen. Bedauerlich ist, daß trotz eifrigster Bemühungen der Bürgerschaft und des Rates der Stadt noch keine Mittel und Wege gefunden werden, auch die Gebäude der Vitischanze wiederherzustellen.

Im Zuge der Verkehrsverbesserungen und mit Rücksicht auf die Feierlichkeiten am Lyra-Denkmal, der eine große Anzahl der Osnabrücker Bevölkerung beiwohnt, muß das Lyra-Denkmal abgetragen werden. In Verbindung mit den Ausschüssen des Rates und nach eingehender Fühlungsnahme mit zuständigen Herren und dem kulturellen Arbeitskreis wird das Lyra-Denkmal im Rasenteppich am Fuße des Herrenteichswalls wiedererrichtet.

Den Hintergrund des Denkmals wird am neuen Standplatz der ......
Aufklärung nach vollendeter Tatsache

Es erscheint im Hinblick auf die geplanten weiteren Angriffe auf die geschichtlich gewachsene Gestalt der Stadt notwendig, auf den " freundlichen" Charakter dieser Darstellung hinzuweisen, der die Freilegung der Befestigung von 1572 besonders herausstellt, während der Verlust des bisherigen schönen Gesamtbildes der Vitischanze geflissentlich übergangen wird. Es ist immerhin nicht wenig, was man dem Verkehr opfert: Ein Streifen bis zu 7 Meter Breite wird der Straße zugeschlagen!
Für die Bürgerschaft ist jedoch im Blick auf zukünftige Fälle noch wesentlicher, daß man den richtigen Weg in " umgekehrter" Reihenfolge gegangen ist: Die Öffentlichkeit erfuhr von der Verkehrsplanung am Hasetor erst nach einer Pressebesprechung, in der im wesentlichen die bautechnischen Pläne zur Verbreiterung der Straßen und Brücken bekanntgegeben, der Angriff auf das Stadtbild aber nur auf Fragen der Pressevertreter hin beschrieben wurde. Schon am folgenden Tage nahmen die Arbeiten mit der Umlegung der Postkabel ihren Anfang ....... Was die " denkmalspflegerische Seite" der Angelegenheit betrifft, so konnte sich unseres Wissens der zuständige Landeskonservator in Hannover erst als " Bremse" einschalten, nachdem er auf die schon in Gange befindlichen Abräumungsarbeiten an der Vitischanze von privater Seite unterrichtet worden war.
Man hatte ihn also nicht vorher zugezogen!

Die Darstellung der Verwaltung aber gibt der Öffentlichkeit erst Aufklärung, während die Räumer schon dabei sind, die Erdmassen zu verschieben und sich ein Bild darbietet, als hätten auf der Vitischanze einige Panzer gekurvt! Erst vollendete Tatsachen schaffen und dann der Bürgerschaft erklären, warum man es tut? Das ist der Weg in umgekehrter Reihenfolge! Das ist ein Weg, den man in Zukunft bei der Lösung ähnlicher Probleme nicht gehen darf!


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