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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Freifall-WC überwacht den Wochenmarkt
Zwischenüberschrift:
Ledenhof um 1960
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 50 Jahren war der Wochenmarkt noch einfacher. Verkaufswagen mit integrierter Kühltheke gab es nicht. Die mit Zelttuch überspannten simplen Verkaufstische machten sich noch keine Mühe, optisch anzusprechen. Oder sie fehlten ganz, wie bei dem Landmann links im Bild, der mit Zigarrenstummel im Mund seine Kartoffeln und Möhren ohne irgendwelches Schickimicki direkt aus der Kiste verkauft.

Der Wochenmarkt auf dem Ledenhof hat eine hundertjährige Tradition. Zuvor fand der Verkauf von frischen Landprodukten auf dem Neumarkt statt. Doch dort vertrug er sich nicht mehr gut mit dem zunehmenden Verkehr. 1913 beschloss der Magistrat den Umzug auf den Ledenhof, zuerst nur versuchsweise, und ab 1914 dann dauerhaft. Nach dem Krieg wurde die Tradition sehr bald wieder aufgenommen. Wobei der Ledenhof eine ebene asphaltierte Fläche war, die direkt bis an das mittelalterliche Steinwerk he ranreichte und als Parkplatz diente, wenn nicht gerade Wochenmarkt war.

In den 1970er-Jahren begann Osnabrück, den ruhenden Verkehr in Tiefgaragen und Parkhäuser zu verbannen und öffentliche Plätze zu " möblieren" und ansprechender zu gestalten. Von 1975 bis 1977 wurde der Ledenhof nach einem Entwurf des Städteplaners Professor Helge Bofinger umgemodelt. Oberhalb einer dreistöckigen Tiefgarage mit 640 Stellplätzen sollten Blumenrabatten, Sitzecken und Wasserbecken eine " Ruheoase im Großstadtgetümmel" schaffen. Das Konzept mit seinen mehrfach abgestuften und damit keineswegs barrierefreien Pflasterebenen gilt heute als gescheitert. Die Osnabrücker nahmen den Platz nicht an.

Schon vor vielen Jahren wurden die Wasserspiele wegen des immensen Instandhaltungsaufwands abgestellt, und auch ansonsten verwahrloste der Platz zusehends. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht, da der Platz dem Urheberrecht des Architekten unterliegt und größere Veränderungen seiner Zustimmung bedürften die Bofinger nicht ohne Weiteres erteilen möchte.

Doch zurück zum Wochenmarkt: Durch die Umgestaltung des Platzes ging seinerzeit der größte Teil des Ledenhofs für die Budengassen verloren. Dadurch verschob sich der Marktschwerpunkt in Richtung Katharinenkirche. Dort, wo auf dem historischen Bild die Kartoffeln verwogen wurden, ist jetzt die Spindel-Rampe der Tiefgaragen-Einfahrt.

Imposanter Hintergrund des Wochenmarkttreibens ist damals wie heute das als Lagerhaus errichtete mittelalterliche Steinwerk des Ledenhofs. Es ist das einzige in Osnabrück mit prestigeträchtigen sieben Geschossen. Sicherlich sollte es zu seiner Entstehungszeit im 14. Jahrhundert von Reichtum und Einfluss seines Bauherren, des Weinhändlers Johann Leden, künden. Der hier sichtbare Holzkasten an der Westfassade gilt als Osnabrücks älteste Toilettenanlage, " mit Luftspülung", wie Stadtführer Carsten Niemeyer auf seinen Rundgängen immer gern betont. Der Bauherr des angrenzenden Wohngebäudes, der dritte Heinrich von Leden, ließ das auch als " Heimlichkeit" bezeichnete Plumpsklosett im 15. Jahrhundert anbauen.

" Ledenhof" bezeichnet heute zweierlei. Nämlich sowohl den Platz wie auch den Stadtsitz der alten Kaufmanns- und Bürgermeisterfamilie von Leden. Steinwerk, Palas und Treppenturm des ursprünglich noch größeren Ensembles blieben wie durch ein Wunder im Bombenkrieg stehen. Sie gehören heute der Stadt, die sie passend zum Beinamen " Friedensstadt" seit 2002 an die Deutsche Stiftung Friedensforschung vermietet und den Renaissancesaal als Veranstaltungsort nutzt.

Bildtexte:

Das Steinwerk gab vor 50 Jahren genau wie heute die imposante Kulisse für den Wochenmarkt ab. Die Verkaufsstände machten seinerzeit allerdings einen eher provisorischen Eindruck.
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Die Tiefgarageneinfahrt und üppig wuchernde Wildkräuter nehmen heute diesen Teil des Ledenhofs ein.

Fotos:
Archiv Stadt Osnabrück/ Erdtmann, aus: Matthias Rickling, Osnabrück 1949 bis 1979, Sutton-Verlag, 2013

Joachim Dierks


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