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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Umsteigen am Rißmüllerplatz
Zwischenüberschrift:
Straßenbahn und Obus: Alles schon mal da gewesen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Da lacht das Herz von Freunden des ÖPNV: Gleich drei verschiedene Träger des öffentlichen Personennahverkehrs geben sich auf dem Rißmüllerplatz ein Stelldichein. Ob gestellt oder nicht, mag dahingestellt sein. Tatsache ist, dass Straßenbahn, Diesel-Bus und elektrisch betriebener Oberleitungsbus (Obus) über einige Jahre Zeitgenossen auf Osnabrücks Straßen waren. Der Rißmüllerplatz besaß ein Alleinstellungsmerkmal: Nur hier konnte man mit etwas Glück alle drei Verkehrsmittel simultan antreffen.

Denn Osnabrücks frühe und lange Zeit einzige Obus-Linie, " die Fünf", verkehrte von 1949 bis 1968 zwischen Eversburg/ Atter und dem Rißmüllerplatz. Da die " angeleinten" Fahrzeuge auf dem Rißmüllerplatz schlecht wenden konnten, bogen sie nach links in die Hasemauer ein, kehrten hinter dem Bürgergehorsam in die Gegenrichtung um und fuhren über den Hasetorwall wieder in die Natruper Straße. " Rißmüllerplatz umsteigen!", hieß es für die Eversburger und Atteraner, die weiter in die Innenstadt oder zum Hauptbahnhof wollten. Sie wechselten hier von " dem Elektrischen" (Obus) in " die Elektrische" (Straßenbahn). Selbst wenn man zum Umsteigen mal den großen Platz überqueren musste, stellte das kein allzu großes Problem dar. Der Verkehr war um 1956 noch so überschaubar, dass die Querung ohne Ampelanlage gelang.

Die rechte Bildhälfte wird beherrscht von der Dominikanerkirche mit der dahinterliegenden Klosterkaserne. Die neue Dachfläche zeigt, dass der im Krieg ausgebrannte Gebäudekomplex baulich gesichert wurde. Die noch leeren Fensterhöhlen hingegen besagen, dass die Stadt um 1956 noch nicht so recht weiß, was sie damit machen soll. Lange Zeit bewahrte sie hier Theaterkulissen auf. 1965 begann die Restauration des Innenraums, 1970 wurde die ehemalige Kirche als städtische Ausstellungs- und Festhalle eröffnet und 1991 ihrer heutigen Bestimmung als Kunsthalle übergeben seit einigen Monaten unter dem neuen Namen " Kunsthalle Osnabrück".

Die zeitliche Einordnung des Fotos " um 1956" kann deshalb gewagt werden, weil der Dieselbus vorne rechts bereits ein OS-Kennzeichen trägt, wie es am 1. Juli 1956 eingeführt wurde, der Opel Rekord auf der Kreuzung hingegen noch das alte schwarzgrundige BN-Schild (Britische Zone Niedersachsen) aus der Besatzungszeit. Das Foto ist Bestandteil eines Albums, das allen Mitgliedern des Stadtwerke-Ausschusses zum Abschluss ihrer Amtszeit in der Wahlperiode 1952 bis 1956 überreicht wurde. " Was wir beschlossen! Was wir bauten!", heißt es da etwas pathetisch als Einleitung zu einer Bilderfolge, die die wichtigen Infrastrukturinvestitionen jener Jahre widerspiegelt.

Was die Ratsherren unter anderem beschlossen, war die Abschaffung der Straßenbahn. Viele turbulente Ausschuss- und Ratssitzungen waren dem schließlich am 25. März 1958 fast einstimmig gefassten Votum vorausgegangen. Wie kaum ein anderes Thema zuvor hatte es Politik und Bürgerschaft in Wallung gebracht. Die Gegner der Straßenbahn führten ins Feld, dass die gegenseitigen Behinderungen zwischen Straßenbahn und wachsendem Autoverkehr nicht mehr hinnehmbar seien. Die " Erbkrankheit" der Osnabrücker Straßenbahn, dass sie ganz überwiegend keinen eigenen Gleiskörper zur Verfügung habe, sondern ihn sich mit Autos, Mopeds und Radfahrern teilen müsse, lasse sich in den engen Altstadtstraßen nicht kurieren. Auf der anderen Seite mochten sich viele Osnabrücker von der ihnen ans Herz gewachsenen " Elektrischen" nicht trennen, weil sie eben fast jeden Punkt in der City leicht erreichbar machte. Vereinzelt hörte man auch schon Umweltargumente.

Nach 54 Jahren endete 1960 das Straßenbahn-Zeitalter in Osnabrück. Mittlerweile ist die gleiche Anzahl von Jahren ohne Straßenbahn ins Land gegangen. Ob sie in modernem Gewande wiederkommt, ist Gegenstand der politischen Diskussion. Auch der Obus hat wieder eine Lobby. Und das, obwohl Osnabrücks Erfahrungen mit ihm im Rückblick eher negativ beurteilt werden. Zu störanfällig, zu unflexibel, zu hohe Investitionen bei Streckenerweiterungen, hieß es. Nur neun Jahre nach dem Beschluss zur flächendeckenden Einführung begann man 1968, Masten und Leitungen wieder abzubauen.

Bildtexte:
Hübsche Grünanlagen setzen den Rißmüllerplatz heute in einen gefälligen Rahmen.
Damals alltäglich, heute ein Hingucker: ÖPNV-Gewusel auf dem Rißmüllerplatz um 1956. Der Blick geht aus der inzwischen abgerissenen Altstädter Volksschule hinüber zu Hasemauer und Hasetorwall. Links der mittelalterliche Festungsturm Bürgergehorsam, rechts die Dominikanerkirche.

Fotos:
Joachim Dierks/ Archiv Stadtwerke Osnabrück
Autor:
Joachim Dierks


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