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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
1914 ist Inklusion noch kein Thema
Zwischenüberschrift:
Gründung von Förderklassen – Tod von Bischof Voß – Pappeln fallen für die Straßenbahn
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bischof Dr. Hubertus Voß ist tot. Am 3. März 1914 schloss er um 6.35 Uhr im Marienhospital für immer die Augen. Der 69. Oberhirte des Bistums Osnabrück war einer Blutvergiftung erlegen. Wie das " Osnabrücker Tageblatt" meldet, hatte sich der Bischof am rechten Bein eine kleine Wunde zugezogen, die er jedoch nicht weiter beachtete und mit der er auch zur Bischofskonferenz nach Köln fuhr.

Nach seiner Rückkehr bemerkte er eine Schwellung des Beins und vermutete selbst eine Lymphdrüsenentzündung. Da war die Sepsis bereits so weit fortgeschritten, dass die ärztliche Kunst nichts mehr vermochte. Zwei Tage später verstarb " der hohe Patient" im 73. Lebensjahr und im 15. Jahr seines Episkopats. In einer ersten Würdigung heißt es: " Mit Eifer und Erfolg stellte er sich namentlich in den Dienst des katholischen sozialen Vereinswesens und der Mäßigkeitssache."

An den folgenden Tagen ist die Leiche des Bischofs im Wartezimmer des Bischöflichen Palais aufgebahrt, angetan mit Messgewand, Mitra, Bischofsstab und Ring. Viele Tausend Osnabrücker nehmen Abschied, darunter auch zahlreiche Nichtkatholiken. Es herrscht so starker Andrang, dass die Gläubigen bis zu einer halben Stunde warten müssen. " Das Antlitz des Toten zeigte im Sarge noch dieselbe Milde und Güte wie im Leben", schreibt das " Tageblatt".

Dritte Straßenbahnlinie

Die städtischen Kollegien beschließen den Baubeginn einer dritten Straßenbahnlinie Neumarkt–Arndtplatz mit der Verlängerungsoption nach Schinkel, dem baldigen neuen Stadtteil Osnabrücks. Am " Martinitor", der Kreuzung Wall/ Neuer Graben/ Martinistraße, soll die Schienenverlegung beginnen, weil hier auch Kanalbauarbeiten anstehen. Dafür müssen die Bäume zwischen Wall und Arndtplatz niedergelegt werden. Leider sei es unumgänglich, erklärt die Zeitung ihren Lesern, dass auch die in den Wallanlagen am Martinitore stehenden beiden großen Pappelbäume fallen. Wegen des fünf Monate später hereinbrechenden Weltkriegs sollte sich die Inbetriebnahme der " gelben" Straßenbahnlinie allerdings noch bis 1925 verzögern.

Der " Verein zur Wahrnehmung berechtigter Interessen für Eversburg" hält bei Gastwirt Klatte unter Leitung seines Vorsitzenden, des Lehrers Schwenke, die Jahresversammlung ab. Der schlechte Zustand der Straßen im Stadtteil wird heftig beklagt. Pastor Buchholtz macht die " ungünstige Vertragsgestaltung" zwischen dem Georgsmarienverein als dem Eigentümer des Piesbergs, zugleich Träger der Straßenbaulast, und der Stadt verantwortlich. " Der Piesberg hat in Eversburg seine Arbeiter wohnen, diese verdienen ihm den Überschuss. Er muss daher gezwungen werden, mal etwas Ordentliches zu tun und von dem Material, das er selbst produziert, auch für die Straßen in Eversburg etwas in ausreichendem Maße hergeben", fordert Buchholtz.

Förderklassen

Der Inklusionsgedanke ist vor 100 Jahren noch unbekannt: In den größeren Volksschulen soll jetzt eine Differenzierung erfolgen. " Schüler, die nicht fähig sind, dem normalen Lehrgange der Klasse zu folgen, die ein Hindernis im Fortschritt der anderen Schüler sind, werden ausgeschieden. Die Schwachbefähigten, die zweimal den Lehrgang der Unterklasse erfolglos durchgemacht haben, weist man den Hilfsschulen zu." Sogenannte Förderklassen sollen eingerichtet werden für Schüler, die nach einem halbjährigen Unterricht " infolge schlechter Veranlagung" voraussichtlich zurückbleiben. Sprachheilkurse werden " für Stotterer und Stammler" vorgesehen. Lungenkranke Kinder suche man in Waldschulen, bei denen der Unterricht im Freien stattfinde, zu bessern.

Frauen-Jobs

Ostern 1914 verlassen 324 Mädchen die hiesigen evangelischen Bürger- und Volksschulen. In der Zeitung wird über ihre Berufswünsche berichtet: 145 verbleiben vorläufig im Elternhaus, 95 nehmen einen Dienst in einem fremden Haushalte an, 6 werden " Stundenmädchen" (womit nichts Unsittliches gemeint ist, sondern die stundenweise Hilfe in einem fremden Haushalt). 4 werden Kindergärtnerin, 23 lernen in einem kaufmännischen Betrieb Verkäuferin oder Buchhalterin, 46 widmen sich der weiblichen Handarbeit als Näherin, Schneiderin, Stickerin oder Putzmacherin, eine erlernt die Zahntechnik, eine geht in den Staatsdienst und drei wollen Fabrikarbeiterin werden. Der Redakteur resümiert, dass folglich mehr als drei Viertel der Mädchen im eigenen oder fremden Haushalt lernen werden. Das sei von hoher Wichtigkeit " für den späteren Hausfrauenberuf, dem natürlichen jedes Mädchens".

" Erhaltet das Erbe Eurer Väter!", mahnt das " Tageblatt". Es sei eine alltägliche Erscheinung, dass Händler das Land bereisten, um Antiquitäten anzukaufen. Kein Dorf, keine Einöde sei so abgelegen, dass nicht Kaufliebhaber sich dort einfänden und den Leuten Althergebrachtes abschwätzten. Nicht einmal Flurdenkmäler wie Steinkreuze, Martersäulen und Feldkapellen seien sicher vor der Gewinnsucht. " Wir vertrauen auf die Bevölkerung, dass sie zu stolz ist, um solche Erinnerungen aus Großvaters und Ahnenzeiten ohne Not wegzugeben", meint die Zeitung.

Bildtexte:
Abschied von zwei Pappeln auf der Wallkreuzung. Sie stehen der Durchfahrt von der Martinistraße auf den Neuen Graben im Wege. Im Zuge von Kanalbau und der Verlegung der Straßenbahngleise müssen sie im Frühjahr 1914 weichen. Fotograf Rudolf Lichtenberg hat sie für die Nachwelt verewigt.

Foto:
Aus Rolf Spilker, " Lichtenberg Bilder einer Stadt", Bramsche, 1996.

Bischof Hubertus Voß (1841–1914). Foto: Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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