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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hier war die Neustadt zu Ende
Zwischenüberschrift:
Hotel-Baustelle an der Osnabrückhalle: Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert freigelegt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadtarchäologen werden nicht arbeitslos. Seit wenigen Tagen haben sie eine neue " Baustelle": den Baugrund für das Kongresshotel neben der Osnabrückhalle. Nachdem die Baufirma Alt-Pflaster, Vegetation und die obere Bodenschicht abgetragen hatte, um ein Bauplanum für die folgenden Fundamentarbeiten herzustellen, stieß sie auf altes Bruchstein-Mauerwerk. Es entpuppte sich als ein Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

" Laut Bodengutachten hatten wir nur mit jeder Menge Bauschutt aus den Enttrümmerungen nach dem letzten Krieg zu rechnen", sagt Projektleiter Thomas Westphal von der Baufirma MBN, " aber nicht mit archäologisch bedeutsamen Zeugnissen." Wie es das Gesetz vorschreibt, verständigte er die Stadt- und Kreis-Archäologie. Fachdienstleiter Bodo Zehm rückte mit seinem Grabungstechniker Wolfgang Remme an. Nach einem Abgleich mit bestehenden Kartierungen war ihnen schnell klar, dass die Tiefbauer auf den Hauptverlauf der neustädtischen Stadtmauer aus dem frühen 14. Jahrhundert gestoßen waren.

" So eine markante, intakte und gut erhaltene Mauer hatten wir hier nicht erwartet", sagt Zehm, " nach bisherigen Erkenntnissen war die Befestigung nach der Wüste zu etwas nachlässiger gehandhabt worden, da man über das Sumpfgelände kaum mit einem Angriff rechnete." Nun zeige sich hier aber das Fundament einer durchaus wehrhaften Mauer, die zudem nachträglich an verschiedenen Stellen durch Pfeilervorlagen ertüchtigt wurde. Diese Verstärkungsarbeiten, ebenfalls mit gelblichem Westerberger Bruchstein und dem bis heute erstaunlich festen Kalkmörtel ausgeführt, datiert der Stadtarchäologe auf die Dekade 1460 bis 1470.

Zehm verweist auf eine Karte, die als wissenschaftliche Grundlage für das 1998 geschaffene Stadtmodell von 1648 diente für die 350-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens hatte die städtische Kartografie eine sehr detaillierte Grundkarte gefertigt. Darauf ist westlich der Mauer ein rondellartiger Vorbau zu erkennen. " Schade, da kommen wir nicht dran, der liegt unter dem Asphalt des Schlosswalls", bedauert Zehm, " wenn wir das Rondell ergraben könnten, bekämen wir sicherlich neue Aufschlüsse über die Baugeschichte dieser Bastion und des benachbarten Martini-Tores."

Aber auch mit den jetzt eröffneten Einblicken in das " Stadtarchiv unter unseren Füßen" sind die Archäologen hochzufrieden. " Wir haben hier ungestörte Bereiche, die uns einiges über die Geländebeschaffenheit sagen. Das war nicht alles nur Sumpf, wie man immer glaubte, hier läuft ein ziemlich hoher Sandrücken her", zeigt Remme am Geländeschnitt. Grabungshelfer Simon Haupt und Isabelle Bendig verweisen stolz auf den Schädel eines Hausschweins, den sie ergraben haben. Simon Haupt hat dazu auch eine Vermutung: " In Kriegszeiten waren Hausschlachtungen verboten. Wer es dennoch tat, war gut beraten, verräterische Reste tief zu verbuddeln."

Alles sehr interessant, findet auch Projektleiter Thomas Westphal. Was für ihn aber noch wichtiger ist: Eine Behinderung des Baufortschritts ist nicht zu erwarten. MBN baut hier für die Arcona-Gruppe ein Kongresshotel für zwölf Millionen Euro, das Mitte 2015 übergabefertig sein muss. Westphal hat sich mit den Archäologen auf ein Zeitfenster verständigt, in dem sie ungestört buddeln können. Und auch danach, wenn wieder seine Bagger eingreifen, werden die Wissenschaftler immer mal wieder einen Blick zwischendurch in die Baugruben werfen können. Weiter in Richtung des Gewerkschaftshauses ist mit Fundamenten der Schlossgarten-Gaststätte und des bis Kriegsende hier stehenden " Großen Clubs" zu rechnen. " Aber das sind Bauten der Neuzeit, die sind gut dokumentiert", meint Zehm, " die sind längst nicht so interessant für uns wie die mittelalterlichen".

Bildtext:
An der Ecke Schlosswall/ Neuer Graben graben sich die Archäologen derzeit in die Stadtgeschichte.

Foto:
Gerd Westdörp
Autor:
Joachim Dierks


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