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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einheits-Hefte für Schüler beider Konfessionen
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Januar 1914: Bahndämme angehoben, Gaspreise abgesenkt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Weihnachten war das Wetter noch " schlackerig" gewesen, meistens über dem Gefrierpunkt. Aber dann schneite es. In der Silvesternacht trat strenger Frost hinzu, der die Fenster " mit Eisblumen schmückte". Am Neujahrstag kamen die Rodelfreunde auf den Anhöhen vor dem Johannistor, in Schinkel, auf dem Westerberg und am Klushügel auf ihre Kosten.

Auch größeren, von Pferden gezogenen Schlitten begegnete man überall auf den Landstraßen, nicht minder ganzen Scharen von Spaziergängern, " zumal eine äußerst angenehme Temperatur und klare frische Luft zum Ergehen in der herrlichen Winterlandschaft einlud", wie das " Osnabrücker Tageblatt" berichtete. Bei solchen Temperaturen rieben sich auch die Bierbrauer die Hände. Sie machten sich Hoffnung auf eine gute Eisernte.

Insgesamt war Silvester " nicht allzu lebhaft" verlaufen, bilanzierte das " Tagesblatt". Als die Turmuhren zwölf schlugen, hätten sich in das feierliche Geläute der Glocken allerdings Pistolen- und Böllerschüsse gemischt, während sich auf den Straßen fröhliche Menschen die ersten Wünsche im neuen Jahr zuriefen. Aber allzu lange dauerte das Straßenleben nicht. Die frostigen Temperaturen ließen " den Aufenthalt hinter der dampfenden Punschbowle im warmen Zimmer angenehmer als draußen im Freien erscheinen". In manchen Restaurants und Cafés soll es recht lustig zugegangen sein. Der Reporter zog ein abgeklärtes Fazit: " Gar vieles von dem Neujahrstrubel ist Massensuggestion."

Beim Handgiftentag am 3. Januar gab Oberbürgermeister Julius Rißmüller einen Überblick über den Stand wichtiger Infrastruktur-Projekte. Die " Eisenbahnangelegenheiten" machten zwar Fortschritte, aber nach einhelliger Meinung der städtischen Gremien immer noch viel zu langsam. Die Anhebung der Bahndämme im Stadtgebiet und damit die Beseitigung der vielen höhengleichen Bahnübergänge stand seit Jahrzehnten ganz oben auf der Wunschliste. 1913 war immerhin die Unterführung Buersche Straße fertig geworden und damit das größte Verkehrshindernis zwischen Osnabrück und Schinkel beseitigt. Nun gehe es vorrangig um die Unterführung der Bramscher Straße am Hasetor, sagte Rißmüller. Sie solle im Laufe des Jahres 1914 endlich freigegeben werden. Erst dann könne die Straßenbahnlinie bis zum Hasefriedhof verlängert werden. Hoffnungen auf baldigen Baubeginn richtete der Magistrat weiterhin auf die Unterführungen " bei der Papiermühle" (heute Römereschstraße), Nonnenpfad und Schillerstraße. Der Güterbahnhof auf dem Fledder sei 1913 in Betrieb gegangen, stellte Rißmüller mit Befriedigung fest. Die Schaffung des großen Industriegeländes in direkter Nachbarschaft sei kräftig gefördert worden. Auch der Bau des Stadthafens mache gute Fortschritte. Die Fertigstellung sei 1915 zu erwarten.

Gas wird knapp

Die städtische Gasanstalt hatte ihre Kapazitätsgrenze fast erreicht. Die Stadt befürwortete eine weitere Steigerung des Gasverbrauchs für Kochzwecke am heimischen Herd, aber auch zum Ausbau der Straßenbeleuchtung. In Kürze solle die bereits beschlossene Erweiterung der Gaserzeugungsanlage in Form von Aufstellung neuer Vertikalöfen in Angriff genommen werden. Da die Gasanstalt ein Monopolbetrieb sei, müsse sie sich regelmäßig einer Überprüfung ihrer Tarife unterziehen. Im Ergebnis der letzten Überprüfung würden die Gaspreise demnächst erheblich reduziert, hieß es. Die Entwicklung beim Elektrizitätswerk wurde ebenfalls als erfreulich bezeichnet. Weitere Industriebetriebe hatten einen Anschluss bekommen. Zum kleineren Teil lieferte das städtische E-Werk den Strom, hauptsächlich aber die Überlandzentrale Ibbenbüren, " wobei gern anerkannt werden mag, dass die Lieferung aus Ibbenbüren weniger Störungen aufwies", wie Rißmüller anmerkte.

Eine kleine Randnotiz wird mit dem Kommentar " erfreulich für Papierwarenhändler, aber auch für die Schulkinder" eingeleitet: Die Schulkommission hat sich auf einheitliche Schulhefte für Schüler der evangelischen und katholischen Bürger- und Volksschulen geeinigt. Es wird bei den Schreib-, Aufsatz- und Rechenheften nicht mehr zwischen den Konfessionen unterschieden. Bis dato waren 30 verschiedene Ausführungen im Handel, demnächst sollten es nur noch sieben sein.

Das Königliche Oberversicherungsamt gab die Ortslöhne im Stadtkreis für 1914 bekannt, die als Bezugsgrößen für Lohnersatzleistungen in der Sozialversicherung herangezogen wurden. Der Tagelohn betrug für Männer über 21 Jahren 3, 60 Mark, für Frauen 2, 40 Mark. Auch in den jüngeren Altersgruppen wie " junge Leute" von 14 bis 16 Jahren oder " Kinder unter 14 Jahren" lag der Lohn für das weibliche Geschlecht um rund ein Drittel niedriger.

Die Jugend von heute

In einem Leserbrief wird empört Beschwerde über ungezogene Kinder geführt: " Schreiber dieser Zeilen ging dieser Tage in Begleitung zweier Damen über die Johannisstraße nach dem Rosenplatze und wurde von dreien solcher Jungen fortgesetzt belästigt. Die Jungen beschimpften die Passanten nicht nur, sondern wurden sogar tätlich, indem sie mit den Füßen in die Pfützen traten, sodass die umherspritzenden Tropfen die Kleider der Damen trafen. […] Wenn Kinder nicht von den Eltern dazu angehalten werden, sich andere Manieren anzugewöhnen, was soll dann aus ihnen werden? Sie geraten auf die schiefe Ebene und rollen langsam, aber sicher ihrem unvermeidlichen dunklen Verhängnis entgegen […] und fallen dem Staate zur Last. Eltern, lasst Euch deshalb sagen, haltet Eure Kinder streng im Zaum, gebt Euern Sohn bei einem tüchtigen Meister in die Lehre, damit er ein brauchbarer Mensch wird."

Bildtext:
Die " Eisenbahnangelegenheiten" machten nach dem Geschmack der Stadtverwaltung viel zu langsame Fortschritte. Blick von der Vitischanze auf die hochgelegte Bahnstrecke Löhne–Rheine und durch die neue Bahnunterführung in die Bramscher Straße (1914).

Foto:
Rudolf Lichtenberg, aus: Rolf Spilker, Lichtenberg Bilder einer Stadt, Bramsche 1996
Autor:
Joachim Dierks


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