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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit der Rasteroptik in eine neue Zeit
Zwischenüberschrift:
Neue Serie: Wie gut ist die Architektur in Osnabrück? – Start mit dem Blick auf die Stadtbibliothek
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wie gut ist die Architektur in Osnabrück? Einen Überblick gibt es das neue Handbuch " Architekturführer Osnabrück" von Hermann Kuhl und Jörg Frenzel. In einer Serie stellen wir ab heute immer mittwochs ein Gebäude aus dem Osnabrücker Stadtbild vor. Dazu gehört die Bewertung von Metropolenfaktor, Stadtbildfaktor und Wohlfühlfaktor. Heute am Start: die Stadtbibliothek.
Alt gegen Neu: Das war die heiße Architekturfrage, als in Osnabrück der Neubau der Stadtbibliothek anstand. Gerade einmal eineinhalb Jahrzehnte nach Kriegsende standen in vielen Städten noch Grundsatzentscheidungen an. Sollte alter Baubestand rekonstruiert oder gleich durch Neubauten ersetzt werden? Wie das Votum ausfiel, kann heute noch in vielen Innenstädten besichtigt werden. Münster setzte mit dem rekonstruierten Prinzipalmarkt voll auf Tradition, Kassel avancierte mit der neuen City zum Inbegriff dessen, was damals bei Planern als autogerechte Stadt hoch im Kurs stand.
Auf diesem Hintergrund ist es nur zu verständlich, dass der Neubau der Stadtbibliothek gegenüber von Rathaus und Marienkirche eine " lebhafte und umfangreiche Diskussion" ausgelöst hat, wies es in trockenem Behördendeutsch in einer Baubeschreibung der städtischen Denkmalpflege heißt. Zwischen 1959 und 1961 bekam Osnabrück ein Bibliotheksgebäude, das den Look einer von historischen Rückbezügen befreiten Moderne repräsentierte und damit voll dem Zeitgeist entsprach. Zugleich quetschen sich die Baukörper mit ihrer kühlen Rasteroptik wie neutrale Verbindungsstücke in historische Häuserzeilen. Ein städtebaulicher Sündenfall? Nicht ganz, der Bau hat auch seine positiven Seiten.
Ein Stararchitekt war übrigens nicht am Werk, als damals Raum für den öffentlichen Bücherbestand geschaffen wurde. Das Städtische Hochbauamt selbst lieferte den Entwurf. Und so wirkt auch das Ergebnis, das keine individuelle Handschrift verrät, sondern eher den Eindruck eines ästhetischen Durchschnitts vermittelt.
Dabei entstand das Ensemble in zwei Abschnitten. Zunächst wurde 1959 das klassizistische Bibliotheksgebäude, das heute das Remarque-Zentrum beherbergt, instand gesetzt. In einem zweiten Bauabschnitt folgte bis 1961 der Winkelbau entlang der Krahnstraße und des Marktes. Die beiden Flügel messen 43 und 58 Meter in der Länge. Sie treffen sich in einem rund zehn Meter hohen Kubus, der mit dem Material des hellen Sandsteins mit Rathaus und dem klassizistischen Gebäude korrespondiert, das heute das Restaurant " La Vie" beherbergt.
Sehr viel mehr Anschluss gönnt die Stadtbibliothek dem Betrachter allerdings nicht. Denn auch der Eckkubus weist große Glasflächen auf, ebenso wie der auf Stützen wie eine Brücke schwebende Baukörper, der zwischen Kubus und der historischen Häuserzeile am Markt eingepasst ist. Genau da liegt auch das bauästhetische Problem der Stadtbibliothek. Neben der Zeile der Giebelhäuser am Markt wirkt sie wie ein bestenfalls neutrales Passepartout. Besonders schlimm wirkt heute, wie das Erweiterungsgebäude an das historische Bibliotheksgebäude geradezu angeflanscht wurde. Ein geschlossenes Stadtbild sieht anders aus, gerade in seinen historischen Kernbeständen.
Allerdings hat sich im Hinblick auf die Stadtbibliothek der Konflikt zwischen Tradition und Moderne auch schon wieder erledigt. Denn das inzwischen über 50 Jahre alte Bibliotheksgebäude repräsentiert inzwischen selbst einen historischen Stand der Architektur. Wer will, darf zwischen den Stützen, die Teile des Baukörpers tragen, wehmütig an ein verblichenes Gestern denken. Richtig nostalgisch wird jedem zumute, der auf die Ladenzeile schaut, die in den Baukörper eingelassen ist. Genau das ist auch als praktischer Aspekt der Stadtbibliothek zu schätzen. Sie hat den Marktplatz zur Seite hin geöffnet. Ein Gebäude als Durchlass auch keine schlechte Lesart für Architektur.

Bildtexte:
Klare Kante: Mit hellem Sandstein nimmt der Eck-Kubus der Stadtbibliothek das Material der umliegenden historischen Gebäude auf.

Praktisch oder trist? Die Passage unter der Bibliothek verströmt den kühlen Charme der Sechziger.

Quadratisch praktisch: Die Kassettenoptik prägt die Schauseite am Markt.

Fotos:
Jörn Martens

Autor:
Stefan Lüddemann


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