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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als die Kutscher zur Nachhilfe mussten
Zwischenüberschrift:
Dezember 1913: Hasen, Postschiffe, Wetterregeln
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Eine Fahrschule für Fuhrleute und Kutscher soll im Dezember 1913 in Osnabrück eingerichtet werden. Zur Finanzierung stehen die " Fuhrherren" bereit, aber auch " alle Erwerbsstände, die auf den Fuhrwerksbetrieb angewiesen sind", wie Brauereibesitzer, Bauunternehmer und Fabrikanten. Sogar der Magistrat verspricht, sich zu beteiligen.

Die Anregung kommt vom Osnabrücker Tierschutzverein. Sie verdient " wärmste Förderung", meint das " Osnabrücker Tageblatt", " sind doch die Fuhrleute nicht selten gezwungen, ihr wertvolles Pferdematerial Leuten anzuvertrauen, die nicht recht damit umzugehen verstehen".

Unkenntnis und Gleichgültigkeit Bosheit sei selten im Spiel führten nicht nur zu Tierquälereien, sondern auch zu Verkehrsstörungen. Falsche Beschirrung zum Beispiel sei mitunter die Ursache für Unruhe und Störrigkeit der Pferde, und schon manches Unglück sei dadurch hervorgerufen worden. Weiterhin sei unzweckmäßige Lastverteilung auf den Fuhrwerken oft " Anlass unnützer Pferdequälerei".

Jeder Kutscher-Kursus solle zehn bis zwölf Wochen dauern, mit praktischen Übungen an den Sonntagen, wenn die Fuhrwerke entbehrt werden könnten. An zwei Abenden pro Woche werde in Theorie unterwiesen. Eine Kommission des Fahrschulvereins werde die Prüfung abnehmen. Im Erfolgsfalle bekämen die Fuhrleute einen " Fahr-Schein" ausgehändigt.

Betrug: Vor der Strafkammer des Landgerichts wird ein Betrugsfall zulasten der Osnabrücker Bank verhandelt. Der Angeklagte R. ist früher vier Jahre Gärtner in Diensten des Fabrikanten Schoeller gewesen. Dann hat er sich selbstständig gemacht, jedoch mit wenig Erfolg, sodass er " in Schulden geriet". Als ihm Zwangsversteigerung droht, beschließt er, seine Kenntnis der Schoeller′schen Verhältnisse zu einem Betrug auszunutzen. Von der öffentlichen Fernsprechstelle am Hauptbahnhof aus ruft er die Bank an, ahmt die Stimme seines früheren Dienstherrn nach und erklärt, er müsse schleunigst verreisen und könne deshalb nicht selbst zur Bank kommen. Man möge ihm doch bitte sofort 1500 Mark zu einem Schlachterladen schicken, der günstig auf dem Wege liege. Sein Chauffeur werde vorbeikommen und das Geld abholen.

Nach anfänglichen Bedenken lässt sich die Bank auf die ungewöhnliche Form der Übergabe ein und schickt das Geld in einem Umschlag in den bezeichneten Laden. Kurze Zeit später erscheint der Angeklagte und lässt sich das Geld aushändigen. Doch noch am selben Tage wird der Betrug entdeckt, und man kommt dem " Defraudanten" auf die Spur. Das Gericht verurteilt den geständigen und bislang unbescholtenen Mann zu sechs Monaten Gefängnis.

Wetter: Der Dezember ist gut für viele Wetterregeln. Das " Tageblatt" zitiert einige, weist aber auch darauf hin, dass sie wohl keiner statistischen Überprüfung standhalten dürften: " Im Dezember Schnee und Frost, das verheißt viel Korn und Most." Oder: " Dezember mild mit Regen bringt uns wenig Segen", " Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee". Gerne geglaubt wurde: " Wenn die Christnacht hell und klar, folgt ein höchst gesegnet Jahr."

Hasenfleisch: Julius Cantor, Hasestraße 29, wirbt vor Weihnachten mit extra billigem Hasenfleisch: " Ich bekomme in diesen Tagen die Strecke der Treibjagd Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg und verschiedener anderer Jagden. Es werden im ganzen ca. 1000 Hasen werden." Die sieben bis neun Pfund schweren, abgezogenen Tiere kosten pro Stück nur 3, 60 Mark.

Frauen: Die Stadthalle lädt zu einem " Damenvortrag" ein. Frau Rode-Hohenfels werde zum Thema " Was Frauen wissen müssen" sprechen. Zum Inhalt schreibt das " Tageblatt": " Viele Fragen im Leben, welche die Gesundheitspflege, Schönheitspflege und das Eheleben betreffen, verschließt die Frau in ihrem Herzen. Der Vortrag der Rednerin bringt vielen Frauen einen Lichtstrahl in ihr Leben; denn mit großem Eifer geht Frau Rode-Hohenfels auf alles ein und belehrt in einwandfreier Weise."

Post in die Neue Welt: Luftpostbeförderung für Briefe nach Übersee gibt es vor 100 Jahren noch nicht. Wer Verwandte und Freunde in den USA rechtzeitig zum Fest grüßen will, muss sich beeilen. Die Zeitung druckt eine Liste der Schiffsabfahrten, mit denen die Zustellung noch gelingen kann: Lloyd-Dampfer " Kaiser Wilhelm II." ab Bremen am 2. Dezember, Schnelldampfer " Bremen" ab Bremen am 6. Dezember, " Amerika" ab Hamburg, 11. Dezember, " Postschluss nach Ankunft der Frühzüge". In Sonderfällen ist auch noch eine zuschlagspflichtige Übergabe an das bereits ausgelaufene Schiff über ein Lotsenboot möglich.

Beleidigung: Wegen Beleidigung des Vorstandes der Handwerkskammer, in Sonderheit ihres Vorsitzenden Schornsteinfeger-Obermeister Gaesche aus Quakenbrück, hat sich vor dem Schöffengericht der Schneidermeister Lülfesmann aus Quakenbrück zu verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im Gespräch mit Prüflingen nach der Abnahme der Meisterprüfung im Kammergebäude gesagt zu haben, der Kammervorstand berichte auf Anfragen der Regierung immer nur im Sinne der Regierung, denn die Hauptsache sei ja, dass der Vorsitzende seinen Orden bekomme. Der Schneidermeister bestreitet. Er habe gesagt, die Entsendung tüchtiger und energischer Männer in die Gremien der Innungen und der Kammer, die der Regierung auch einmal Paroli böten, sei viel wichtiger für das Handwerk, als wenn der Vorsitzende einen Orden bekomme. Das Gericht glaubt seiner Darstellung und spricht ihn frei.

Bildtext:
Nicht alle Fuhrleute hatten eine glückliche Hand mit Ihren Pferden. Deshalb sollte eine Fahrschule eingerichtet werden. Das Foto aus dem Jahr 1911 zeigt die Kreuzung von Buerscher, Hamburger und Schinkelstraße vor der Verschwenkung Buerschen Straße für die Bahnunterführung.
Foto:
Rudolf Lichtenberg, aus: Bildarchiv Alt-Osnabrück, Bd. 3 Hrsg. Wido Spratte, Wenner 1997

Villa Schoeller an der Edinghäuser Straße 5, Gartenansicht aus dem Jahr 1915. Das Foto eines unbekannten Fotografen ist dem Bildarchiv Alt-Osnabrück, Band 2, Hrsg. Wido Spratte, Wenner 1997, entnommen.
Autor:
Joachim Dierks


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