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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Lichterglanz und Autoverkehr
Zwischenüberschrift:
Die Große Straße im Advent um 1970
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Entspanntes Advents-Shopping sieht anders aus. Nicht wegen des Dezember-Nieselwetters, denn das scheint, wie wir nur zu gut wissen, Osnabrück zu allen Zeiten abonniert zu haben. Aber vor 43 Jahren flutete noch Autoverkehr durch die Große Straße. Fußgänger, die die andere Straßenseite erreichen wollten, taten gut daran, dafür den Zebrastreifen zu nutzen.

Das Foto muss zwischen 1967 und 1973 entstanden sein. Diese Eingrenzung ergibt sich daraus, dass die Hausfassade Große Straße 17–19 auf der linken Seite bereits die Beschriftung " Neue Osnabrücker Zeitung" trägt. Die Geburtsstunde der NOZ schlug am 2. Oktober 1967, als sie aus der Fusion von " Osnabrücker Tageblatt" und " Neuer Tagespost" hervorging. Andererseits gibt das Bild den Zustand vor dem 4. Oktober 1973 wieder, denn an diesem Tag wurde die Große Straße als Fußgängerzone eingeweiht. Einzelhandels-Historiker werden das Aufnahmedatum noch weiter eingrenzen können, wenn sie herausfinden, wann (von links) Huthaus Bosse, Sanitätshaus Berk, Schuhhaus Runnebaum, Unos-Passage und Bekleidungshaus Müller-Wipperfürth zeitgleich existierten.

Anzahl und Leuchtstärke der Glühbirnen sind ein Anzeichen dafür, dass die erste Energiekrise noch in weiter Ferne lag. Die überkam Deutschland bekanntlich im Herbst 1973 und bescherte den Autofahrern vier Sonntage mit Fahrverbot. Stadt und Werbegemeinschaften beschränkten sich freiwillig und schalteten die Weihnachtsbeleuchtung auf Sparflamme.

Zunächst ein Karrenweg

Die Große Straße gab es schon, als in Osnabrück noch kein einziges Haus stand. Zuerst war sie nur ein schlechter Karrenweg durch die sumpfigen Haseauen. Zur Zeit Karls des Großen entwickelte sie sich zu einer Nord-Süd-Handelsverbindung. Mit dem Größerwerden der Siedlung blieb sie jahrhundertelang eine bescheidene Ackerbürgergasse, die seit 1633 den heutigen Namen trägt. Doch erst um 1900 kam sie groß heraus und machte als Flaniermeile mit prächtigen Auslagen in großen Schaufenstern ihrem Namen Ehre.

Die Weiterentwicklung von Verkehrs- und Einkaufskonzepten für die Innenstädte führte 1973 zur Einrichtung der ersten Osnabrücker Fußgängerzone in dem 710 Meter langen Abschnitt der Großen Straße zwischen Neumarkt und Nikolaiort. Viele Einzelhändler waren zunächst dagegen, weil sie sich Sorgen um ihre Erreichbarkeit machten. Wie wir heute wissen, waren diese Sorgen unbegründet. Wohl niemand würde sich Kfz-Verkehr in der Großen Straße zurückwünschen, wie ihn die Aufnahme aus der Zeit um 1970 zeigt.

Am 1. Oktober 1884 erschien die erste Ausgabe des " Osnabrücker Tageblatts". " Redaction und Expedition" waren in gemieteten Räumen an der Möserstraße 8. Fünf Jahre später errichteten der Verleger Gustav Elstermann und der Buchhändler Adolf Meinders einen neuen Standort für Verlag und Redaktion an der Großen Straße 17–19, genau dort, wo auch das auf diesen Fotos abgebildete fünfgeschossige Haus, Nummer drei in der Gebäudeabfolge, steht.

Der erste Gebäudekomplex sank im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. 1951 legte der damals 81-jährige Hermann Elstermann den Grundstein für Bau Nummer zwei, ein repräsentatives Bauwerk mit Sandsteinfassade und klassischem Erker über dem Mitteleingang. Es hatte nur den Nachteil, dass es mit seinen beiden Geschossen zu wenig Platz bot für Hauptgeschäftsstelle, Redaktion, Anzeigenabteilung und Verwaltung ei nes rasant wachsenden Verlagshauses. 1964/ 65 wurde der gesamte " Tageblatt"- Komplex zwischen Großer Straße und Möserstraße umfassend erweitert und umgestaltet. Zwischen den Betriebsgebäuden I und II überspannte nun eine mehrgeschossige " Luftbrücke" die Hase. In dem Zuge bekam das Haus Große Straße 17–19 eine neue Fassade und wuchs um drei Geschosse in die Höhe.

Nach dem Zusammengehen mit dem Druckhaus Fromm und der Geburt des gemeinsamen Kindes " Neue Osnabrücker Zeitung" 1967 lief die Produktion zunächst auf zwei getrennten Rotationen in der Innenstadt, bis 1986 das neue Druckzentrum vor den Toren der Stadt an der Weißen Breite den Betrieb aufnahm.

Der M+ E-Stammsitz an der Großen Straße aber ist bis heute Anlaufstation für Leser und Kunden der Neuen OZ geblieben, wo sie Familienanzeigen aufgeben, Verlagsprodukte erwerben und Veranstaltungstickets kaufen können.

Bildtexte:
Das Nieselwetter im Advent kennen wir, aber ansonsten hat die Große Straße samt Autoverkehr um 1970 nicht mehr viel mit der heutigen Fußgängerzone zu tun.

Foto: Erdtmann/ Archiv des Presseamtes der Stadt Osnabrück; veröffentlicht in: Matthias Rickling, Osnabrück 1949–1979, Sutton-Verlag, 2013

Von der Einmündung der Straße Jürgensort geht der Blick in Richtung Neumarkt.

Fotos:
Klaus Lindemann
Autor:
Joachim Dierks


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