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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Grüne Lunge der Großstadt
Zwischenüberschrift:
Augustenburger Platz 1952 und Gustav-Heinemann-Platz 2013
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Bild vom Augustenburger Platz mit dem ersten Schnee im November 1952 strahlt so viel Alltäglichkeit und Normalität aus, dass es dadurch wieder interessant wirkt. Dabei hat sich eigentlich nicht sehr viel in den 61 Jahren geändert. Der Straßenverlauf ist nicht anders als heute, nur vom Gehweg wurden später Streifen abgeknapst, um dem " ruhenden Verkehr" Platz zu schaffen.

Man muss genauer hinschauen, um Veränderungen aufzuspüren. Duhmes Gaststätte " Zur Augustenburg", das Eckhaus zur Uhlandstraße am rechten Bildrand, ist verschwunden. Das Toilettenhäuschen ist etwas in die Breite gegangen. Damals waren mehr Fußgänger als Radfahrer unterwegs - heute sind die " Fahrradstraßen" ein ausgesprochenes Eldorado für Radler. Aber die umgebende Bebauung steht wie eh und je.

Was wir heute als normal und fast schon langweilig empfinden, war es damals nicht. Nur wenige Wohnviertel in Osnabrück hatten den Bombenkrieg so schadlos überstanden wie das Katharinenviertel. " Normal" wäre eine Aneinanderreihung von Trümmergrundstücken gewesen, wie in der Südstadt oder in Schinkel, wo erst vereinzelt mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Die Weststadt war deutlich besser davongekommen als andere Wohnbezirke, die dichter an Bahnlinien oder Industriegelände lagen.

Der Zeitungsbericht vom 14. November 1952, den das Foto illustrierte, lobte die Neugestaltung der Grünanlagen auf dem Augustenburger Platz. Die Stadtgärtner waren gerade fertig geworden mit den Ligustereinfassungen der Rasenflächen. Hinter dem Rasen hatten sie eine " Abteilung verschiedenartigster Sträucher" gepflanzt, darunter Flieder, Goldwinde und Forsythie. Der Autor hob hervor: " Die Lungen der Großstadt, unsere Grünflächen, sind umso wichtiger, je mehr Staub durch die Straßen wirbelt. Und gerade in dieser Beziehung gehört Osnabrück durch seine ausgedehnten Ruinenfelder leider zu den benachteiligten Städten im Bundesgebiet."

Zuvor muss der Platz deutlich weniger ordentlich ausgesehen haben. 1943 hatte man hier mit Betonfertigteilen einen öffentlichen Deckungsgraben angelegt, der bis zu 200 Menschen Schutz vor Bombensplittern bot. Zwischen 1946 und 1948 war der Augustenburger Platz einer der größten Schwarzmärkte Osnabrücks. Vor der Währungsreform gab es Lebensmittel und viele Dinge des täglichen Bedarfs nur auf Bezugsschein. Lebensmittel wurden auch deshalb knapper, weil viele Menschen in Erwartung des " neuen Geldes" horteten. Die alte Reichsmark hatte weitgehend ihre Funktion als Zahlungsmittel verloren, der illegale Tauschhandel florierte. Selbst gezogener Tabak und heimlich destillierter Kartoffelschnaps waren eine gängige und wertbeständige Währung.

Deutsche und britische Polizei versuchten immer wieder mit Razzien, das Geschehen einzudämmen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Auch das Fällen vieler Bäume half nicht. In Augenzeugenberichten heißt es, dass nicht nur die Polizei, sondern auch die Schwarzhändler dadurch eine bessere Übersicht gewonnen hätten, sie könnten die Ordnungskräfte eher herannahen sehen. Ein Schwerpunkt war die Kreuzung Uhlandstraße/ Katharinenstraße. " Hier wird man nicht so leicht überrascht, von hier aus kann man gut verschwinden, wenn dicke Luft aufzieht", meinte ein alter " Augustenburger". Bei der Großrazzia am 8. April 1948 riegelte die Polizei sämtliche Nebenstraßen ab. 261 Männer und 139 Frauen wurden aufgegriffen und mit Lastwagen und " Grünen Minnas" zur Kriminalpolizei ins Stadthaus an der Natruper Straße (heute Berufsschule) befördert. Über vier Stunden zogen sich die Leibesvisitationen hin. An " Schleichhandelswaren" wurden beschlagnahmt: vier Pfund Kaffee, fünf Pfund Speck, 1000 Zigaretten, elf Paar Strümpfe, zwei Bügeleisen, 50 Kämme, 40 Stück Seife, sechs Hüfthalter, ein Seidenkleid, zwölf Knäuel Garn, Vollmilchmarken und 13 000 Reichsmark in bar.

Vier Jahre später hatten die Stadtgärtner den " neuen" Augustenburger Platz schön wieder hergerichtet, sodass nichts mehr an seine zwielichtige Vergangenheit erinnerte. Noch " sauberer" wurde sein Image, als er in Gustav-Heinemann-Platz umbenannt wurde. Der dritte deutsche Bundespräsident ging als " Bürgerpräsident" von untadeligem Ruf in die Geschichte ein. Bereits sechs Wochen nach seinem Tod am 7. Juli 1976 entschied der Stadtrat die Umbenennung. Der ursprüngliche Namensgeber Ernst August II. (1674 1728), Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Bischof von Osnabrück, dürfte sich nicht beschweren, denn sein Name ist ja weiterhin in der Augustenburger und der Auguststraße präsent. Er hatte in der Nähe des Platzes mit dem Bau eines Schlosses, der Augustenburg, begonnen, konnte es aber wegen Geldmangels nicht vollenden. Nach seinem Tode kaufte die Stadt die Bauruine und ließ sie abreißen. Zunächst war hier der erste Friedhof außerhalb der Stadtmauern geplant, später projektierte man die Flächen vor dem Heger Tor und dem Martini-Tor für die Wohnbebauung.

Bildtexte:
Der Augustenburger Platz füllt das Dreieck im Zusammenlauf von Katharinenstraße (links) und Augustenburger Straße (rechts) aus. Er war im November 1952 gerade neu gestaltet worden.

In Gustav-Heinemann-Platz wurde die Fläche nach dem Tod des früheren Bundespräsidenten umbenannt.

Fotos:
Archiv NOZ/ Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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