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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bewahrer des Alten, Förderer des Neuen
Zwischenüberschrift:
Der Friedrich-Lehmann-Platz im Stadtteil Kalkhügel erinnert an den Stadtbaurat und Stifter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt verdankt ihm das Theater am Domhof, das Ratsgymnasium, das Lyzeum, mehrere Mittelschulen, den Schlachthof und den Stadthafen wenn nicht als Entwerfer, dann doch zumindest als " Projektmanager". In der Riege der Stadtbauräte, die Osnabrücks Weg zur Großstadt baulich geprägt haben, spielt er eine wohl ebenso bedeutende Rolle wie seine Vorgänger Wilhelm Richard (Amtszeit 1843 bis 1870) und Emil Hackländer (Amtszeit 1870 bis 1896). Friedrich Lehmann war von 1896 bis 1933 Osnabrücks tonangebender Baumeister.
Als er nach 92 Lebensjahren am 11. Oktober 1961 seine Augen für immer geschlossen hatte, setzte in gewisser Weise seine zweite Schaffensperiode ein. Zur nicht geringen Überraschung vieler Zeitgenossen trat bei der Testamentseröffnung ein Vermögen von 1, 3 Millionen DM zutage, das nach der Kaufkraft für Bauleistungen heute etwa dem dreifachen Zahlenwert in Euro entspräche. Der kinderlos gebliebene Mann vererbte sein gesamtes Vermögen der dazu gegründeten Senator-Friedrich-Lehmann Stiftung. Als Stiftungszweck hatte er ihr mit auf den Weg gegeben, " die Verschönerung des Stadtbildes, die Kunst und die Heimat- und Denkmalpflege zu unterstützen." Aus Stiftungsmitteln wurden unter anderem der Adelssitz Ledenhof, die Wehrgänge unter der Vitischanze und der Gesperrte Turm an der Johannismauer hergerichtet, die Knollmeyer′sche Mühle und die Nackte Mühle an der Nette instand gesetzt, aber auch Plastiken wie der " Gefesselte" an der Dominikanerkirche, der Ruwe-Brunnen im Tiergarten und die " vier Erdteile" und die " zwei Riesen" am Schloss angekauft oder restauriert. Bis in die Gegenwart hinein ist die Stiftung still und unauffällig zur Stelle, wenn Finanzierungslücken bei Denkmalsanierungen zu schließen sind, wie zuletzt etwa bei der Neubedachung der Pernickelmühle, bei " Notgrabungen" in der Marienkirche oder der Restaurierung der Wandmalereien in der Bergkirche.
Ein wirkungsvolleres Denkmal als seine Stiftung hätte Lehmann sich kaum setzen können. Demgegenüber fiel der Dank der Stadt eher etwas mickrig aus. Meinte zumindest die Lokalhistorikerin Ilsetraut Lindemann, die sich einen würdigeren Platz als die " Restfläche", die kleine Grünanlage zwischen Sutthauser, Brink- und Magdalenenstraße, für das Namenspatronat hätte vorstellen können. " Konnte nicht ein stärker im Blickfeld der Bevölkerung liegender Straßenzug nach ihm benannt werden?", fragte sie 1970.
Ähnlich äußerte sich 1981 der frühere Stadtbaurat Julius Reiling: " Der heutige sogenannte Lehmannplatz, der städtebaulich gar kein Platz ist, müsste aufgehoben werden." Stattdessen schlug er vor, den Herrenteichswall, den es ohne Lehmanns konservatorischen Einsatz nicht mehr gäbe, in " Friedrich-Lehmann-Promenade" umzubenennen. Schließlich laufe die Promenade auch auf den Haarmannsbrunnen zu, der mit Lehmanns Fürsprache und unter Lehmanns Ägide errichtet worden sei. Zur Ehrenrettung der Ratsherren, die 1968 den Friedrich-Lehmann-Platz dorthin haben wollten, wo er jetzt ist, darf man anführen, dass Lehmann einen Bezug auch zu diesem Viertel hatte: Er zeichnete die benachbarten Wohnblöcke an Sutthauser und Brinkstraße für den Gemeinnützigen Osnabrücker Bauverein.
Friedrich Lehmann kam am 28. Mai 1869 im ostpreußischen Eygarren zur Welt. Er studierte Architektur in Chemnitz, bestand die Staatsprüfung mit Auszeichnung und nahm erste Anstellungen im gerade wieder deutsch gewordenen Elsass-Lothringen an: beim Bezirkspräsidium in Metz und beim Garnisonsbauamt in Colmar. Danach wirkte er als Lehrer an den Höheren Bauschulen in Holzminden und Zerbst. 1895 kam er zunächst als Vertreter des Stadtbaurats Hackländer nach Osnabrück und übernahm im Folgejahr die Leitung der Bauverwaltung. 38 Jahre diente er der Stadt. Er sah vier Oberbürgermeister kommen und gehen: Bernhard Möllmann, Karl Westerkamp, Julius Rißmüller und Erich Gaertner.
Nach der Pensionierung 1933 fühlte er sich rüstig genug, ausgedehnte Reisen zu unternehmen, so nach Jugoslawien, Kanada, Marokko und Südafrika. Gern erzählte er im privaten Kreis in seinem Haus Bramscher Straße 4 von den Abenteuern, die er dabei zu bestehen hatte.
Nach 1945 wurde es still um ihn. Schon früh verwitwet, sah man ihn dann und wann als einsamen Spaziergänger im Bürgerpark. Er lebte bescheiden und legte keinen Wert auf Äußerlichkeiten. Manche Zeitgenossen hätten überlegt, für den armen alten Mann zu sammeln, schreibt Lindemann, damit er sich einen neuen Mantel kaufen könne. " Lehmann wusste das und lächelte still in sich hinein", schreibt sie.

Bildtexte:
Der nach Lehmann benannte Platz liegt im Stadtteil Kalkhügel.
Friedrich Lehmann (1869– 1961).

Fotos:
Joachim Dierks/ Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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