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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
E-Mobilität anno 1959
Zwischenüberschrift:
Die Steigung der Rheiner Landstraße war für die Straßenbahn eine Herausforderung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein Straßenbahnzug kommt die Steigungsstrecke der Rheiner Landstraße hochgeschnauft, möchte man fast sagen, obwohl wir ja wissen, dass der Zug elektrisch fuhr. Die heute hoch im Kurs stehende " e-mobility" war vor 54 Jahren allerdings kein Thema. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war die Entscheidung gegen die umweltfreundliche " Elektrische" längst gefallen. Damals tickten die Nahverkehrsuhren noch anders, was man daran erkennt, dass Osnabrück nach dem Umweg über das O-Bus-System ab 1968 ausschließlich auf dieselgetriebene Busse setzte.

" Die Erbkrankheit des Osnabrücker Straßenbahnwesens war, dass die Bahnen keinen eigenen Gleiskörper hatten", sagt dazu der Chronist der Osnabrücker Straßenbahn Alfred Spühr. Deshalb hätten die ständigen Konflikte mit dem zunehmenden Individualverkehr im selben Verkehrsraum keine andere Wahl gelassen, als sich vom Straßenbahnbetrieb in den engen Innenstadtstraßen zu trennen.

Nirgendwo eigener Gleiskörper? Stimmt nicht ganz. Die historische Aufnahme beweist es. Die Rheiner Landstraße hatte von der Einmündung der Mozart-straße bis zum Heger Friedhof einen so breiten Seitenraum, dass die Schienen dorthin gelegt werden konnten und keine Konflikte mit dem Autoverkehr auf der Reichs-, später Bundesstraße 65 entstanden. Und noch eine Besonderheit zeichnete diesen Streckenabschnitt aus: Er war der steilste des Osnabrücker Straßenbahnnetzes. " Wenn der ganze Zug voller fröhlicher Osnabrücker war, die sonntagnachmittags zum Tanzen ins Schweizerhaus wollten, dann musste der Fahrer viel Schwung nehmen, um hochzukommen", erinnert sich Spühr an eigene Erlebnisse. Es sei vorgekommen, dass der Zug auf halber Strecke hängen geblieben sei, wenn einer der schweren Beiwagen mit 7, 5 Tonnen Eigengewicht angehängt gewesen sei. Später bemühte man sich, auf der Linie 1 immer nur die leichteren mit 5, 7 Tonnen einzusetzen.

" Im Grunde genommen waren die Antriebswagen alle untermotorisiert", resümiert Spühr. " Zwei Motoren mit je 26 kW Leistung, also zusammen etwa 70 PS, mussten ein Leergewicht von 16 Tonnen bewegen." Noch ungünstiger war das Leistungsgewicht bei den sogenannten " Sambawagen", den Nachkriegsneuanschaffungen in modernerem Design. Die sollten vornehmlich auf Osnabrücks " Protokollstrecke", der Linie 1 (Hauptbahnhof– Altstadt–Westerberg), fahren. Denn auswärtige Besucher, die das Bahnhofsgebäude verließen, sollten den Eindruck bekommen, dass Osnabrück auch in Bezug auf seine Straßenbahnen eine moderne Großstadt ist. Für die " Sambawagen" war ein Fünf-Minuten-Takt vorgesehen. Dann, so glaubten die Verkehrsplaner der Stadtwerke, würde man das Fahrgastaufkommen ohne Anhänger bewältigen können.

Doch der Fünf-Minuten-Takt klappte nicht, die Bahnen blieben zu oft im Verkehrsgewimmel der Altstadt hängen. Man kehrte zum Siebeneinhalb-Minuten-Takt zurück. Was zur Folge hatte, dass es nun nicht mehr ohne Anhänger ging. Doch mit den schweren Anhängern neuerer Bauart ging den " Sambawagen" vor dem Schweizerhaus die Puste aus. Also mussten die älteren, eigentlich zur Ausmusterung vorgesehenen Beiwagen vom Baujahr 1911 wegen ihres geringeren Eigengewichts weiterhin Dienst tun. Das führte zu der kuriosen Situation, dass auf Osnabrücks Renommierlinie die modernsten Motorwagen die antiquiertesten Anhänger am Haken hatten.

Aber auch dabei wurden die Getriebe stark in Mitleidenschaft gezogen, wie in Alfred Spührs Buch " Die Osnabrücker Straßenbahn" nachzulesen ist. Wegen der Überbeanspruchung leierten die Zahnräder aus, sodass die Wagen schließlich laut heulend durch die Straßen fuhren. Wegen Anwohnerbeschwerden durften die " Sambawagen" in den letzten Betriebsjahren nur bis 20 Uhr verkehren.

Bildtexte:
Eine Woche vor der Betriebseinstellung der Straßenbahnlinie 1 gelang dem Straßenbahnexperten Alfred Spühr am 19. Juni 1959 diese Aufnahme eines Zuges auf der Steigungsstrecke der Rheiner Landstraße. Von rechts mündet die Ernst-Sievers-Straße ein. Im Vordergrund fädelt sich der Schienenstrang für die Ausweichstelle vor dem Schweizerhaus aus.

Heute sind an der Rheiner Landstraße/ Ecke Ernst-Sievers-Straße keine Schienen mehr. Foto:

Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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