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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Holsten-Mündruper wollen Erdkabel
Zwischenüberschrift:
Verstärkung für Bürgerinitiative gegen den Ausbau zur 380-kV-Trasse
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Georgsmarienhütte. Es ist ein regnerischer Tag, es knistert entlang der 220-Kilovolt-Freileitung, die etwa 60 Meter entfernt am Hof von Helmut Sandkühler vorbeiführt. " Ich bin drunter geboren und lebe noch, das muss man sagen", erklärt dieser. " Aber 380 Kilovolt, das ist eine andere Geschichte. Meine Nachfolger muss man bedenken und die Gefahrenlage."

Eine Gruppe Holsten-Mündruper hat sich mit ihm vor dem Hof eingefunden, um ihren Widerstand deutlich zu machen Widerstand gegen einen erneuten Ausbau als Freileitung der 1928 aufgestellten und 1982 auf 220 Kilovolt erweiterten Trasse Lüstringen–Gütersloh.

Hintergrund für die Pläne des Übertragungsnetzbetreibers Amprion ist die Energiewende und die höhere Leitungskapazität, die für den Transport von Windenergie aus dem Norden in den Süden Deutschlands benötigt wird. Eine Freileitung wäre aus Amprion-Sicht günstiger als die von den Bürgerinitiativen geforderte Erdverkabelung.

Schon während einer Info-Veranstaltung in Hilter im August war deutlich geworden: Die ein Dutzend Trassengegner im GMHütter Stadtteil schließen sich der Bürgerinitiative Borgloh, die immerhin 25 Aktive zählt, an. Sie werben außerdem für eine Informationsveranstaltung am 22. Oktober um 20 Uhr in der Gastwirtschaft Rose, zu der Grünen-Ortsverbandssprecher Johannes Bartelt einlädt. Erwartet werden auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Volker Bajus sowie Vertreter aller bisher zum Thema gegründeten Bürgerinitiativen: Wellingholzhausen, Borgholzhausen, Borgloh und Voxtrup.

" Bei der Infoveranstaltung sind wir wach geworden, das war der entscheidende Auslöser", sagt Matthias Brüggemann, mit Werner Rethschulte Triebfeder der Holsten-Mündruper Verstärkung. Er wohnt 300 Meter von der Trasse entfernt, Rethschultes Haus liegt im 200-Meter-Bereich, dem gesetzlichen Mindestabstand für Einzelhäuser. " Es ist ganz einfach: Wir sind für eine Erdverkabelung und gegen die Hochspannungsfreileitung", sagt Brüggemann. " Die Freileitung hat mehr gesundheitsgefährdende Emissionen als Erdkabel. Dann geht es um Landschaftsverschandelung bei bis zu 72 Meter hohen Masten gegenüber den jetzigen, die 33 Meter hoch sind." Von künftigen " Denkmälern" spricht Rethschulte, weil die geplanten Masten mit 48 Leiterseilen groß und gut zu sehen wären.

Auch ein Bissendorfer, Hans-Georg Niemeyer, ist zum Ortstermin gekommen aus Bissendorf haben sich sieben Aktive der Initiative angeschlossen. " Es sind von uns aus 77 Meter bis zur nächsten Leitung. Mit der jetzigen können wir leben, wir haben uns dran gewöhnt, aber die neue wäre noch dichter dran bei 380 Kilovolt müssen die Emissionen ja größer werden." Außerdem, fürchtet er, wie laut Brüggemann zwölf betroffene Grundbesitzer in Hols ten-Mündrup, dass ihre Häuser an Wert verlieren werden. " Der Strom muss fließen, das ist klar", sagt Brüggemann, " aber in der Variante, die am wenigsten Schaden zufügt." " Es gibt neue technische Möglichkeiten", sagt Trassenanlieger Uwe Huning, " die die Industrie auch einsetzt, aber hier soll eine 100 Jahre alte Technik genutzt werden."

Erdverkabelung, argumentiert Frank Vornholt von der Wellinger Bürgerinitiative, der mit dem Borgloher Initiativsprecher Andreas Halbrügge vorbeischaut, sei " deutlich effizienter" als die Freileitungen, die " 30 Prozent Strom an die Umgebung abgeben". Zwar gebe es direkt über einem Erdkabel ein stärkeres elektromagnetisches Feld als unter einer Freileitung, " die ist 40, 50 Meter hoch, das Erdkabel ja nur eineinhalb Meter unter mir", so Vornholt, zur Seite hin nehme dessen Strahlung aber sehr stark ab, " weil das Erdreich sie besser abschirmt als die Luft." Eine weitere, wenn auch nicht zweifelsfrei nachweisbare Freileitungs-Gefahr aus seiner Sicht: elektromagnetisch aufgeladene Staubpartikel, die die Krebsgefahr erhöhen könnten. " Auch in eintausend Meter Entfernung kann man da noch betroffen sein", sagt er. Wichtig sei, die Voraussetzungen im Energieleitungsausbaugesetz zu schaffen, Amprion halte sich schließlich nur an gesetzliche Grundlagen: " Wir führen einen sachlichen Dialog." Eine Lösung müsse mit allen Akteuren gefunden werden.

Bildtexte:
Noch mehr Strom, noch höher: Die Trasse in Holsten-Mündrup soll noch weiter ausgebaut werden.

Die Gegner des von der Firma Amprion geplanten Trassenausbaus trafen sich auf dem Hof Sandkühler.

Fotos:
Hermann Pentermann
Autor:
Frank Murscheid


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