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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Vorhang auf für die neue Osnabrückhalle
Zwischenüberschrift:
Bis gestern werkelten 200 Bauarbeiter – Heute ab 11 Uhr sind die Türen offen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Eine Stunde dirigiert uns Hallenchefin Sandra Gagliardi an Farbtöpfen, Kabeltrommeln, Werkzeugkisten vorbei durch die neue Halle. 200 Leute legen letzte Hand an. Es riecht nach frischer Farbe, neuem Teppich, trockenem Holz. Nach Baustelle. Am Ende, wir wollen uns verabschieden, stemmt sie die Hände in die Hüfte und hebt an zu einer eindringlichen Bitte: " Schreiben Sie bitte Osnabrückhalle! Das ist der richtige Name."

Dies ist nicht der Zeitpunkt, die Namensdebatte noch einmal aufzuwärmen. Aber Sandra Gagliardi legt großen Wert darauf, dass in allen öffentlichen Darstellungen die Osnabrückhalle Osnabrückhalle heißt. Osnabrückhalle und nicht Stadthalle. Osnabrückhalle lässt sich bundesweit als einzigartig vermarkten, Stadthallen gibt es ja überall. Der Name " frieda" wäre ihr zwar lieber gewesen, aber diese Schlacht ist geschlagen. Also bleibt es vorerst bei: Osnabrückhalle.

Und das ist deshalb wichtig, weil sich die Stadt . . ., pardon, Osnabrückhalle auf dem Markt anders positionieren will. Der Aufbruch soll sichtbar werden, das neue, verbesserte Angebot an Veranstalter, Firmen und Verbände, die hier ausstellen oder tagen wollen. Da passt die schlichte Funktionsbezeichnung jene, die hier nicht genannt werden soll nicht mehr, weil sie ein falsches, verstaubtes Image transportieren würde.

Versuchen wir also, knapp 200 Zeilen über den aktuellen Zustand von Osnabrücks wichtigster Veranstaltungshalle zu schreiben, ohne das scheinbar verpönte Wort zu benutzen, das aber jeder Osnabrücker im Munde führt, wenn er das Gebäude am Schlossgarten betreten will.

Wir betreten es am Freitagvormittag durch den Seiteneingang, denn vor dem Hauptportal wird noch das Pflaster gelegt. Steinschneider kreischen und Putzmaschinen schrabbeln. Bis Samstag, 11 Uhr, soll alles picobello sein. Keiner der erhofften 5000 Besucher soll sich schmutzige Schuhe holen und den Dreck womöglich in das schicke Foyer tragen.

Das Foyer ist endlich ein richtiges Foyer. Zur Linken erhebt sich großzügig unter der haushohen Glasfront die breite Treppe zum Europasaal. Wie eine echte Showtreppe in einem riesigen Wintergarten. Zur Rechten empfängt ein Info-Point die Besucher, wo Gäste Tickets kaufen, Tagungsteilnehmer sich anmelden oder Journalisten akkreditieren können. Das gab es in der alten Halle nicht. Dann folgen die Garderobe und am Ende die " Radeberger-Lounge". Die Struktur im Erdgeschoss ist klar, die Gäste werden sich schnell zurechtfinden. Auch das gab es früher so nicht.

Und in der Mitte stehen Säulen. Die Halle kann ihre Geschichte doch nicht ganz verleugnen. Ja, auch Sandra Gagliardi hätte gern auf die eine oder andere Stütze verzichtet, die den freien Blick durch den Empfangsbereich verhindern. Aber die Statik der Halle ließ das nicht zu, denn diese Säulen tragen den Europasaal im Obergeschoss.

Die Haupttreppe ist noch gesperrt, weil Parkettleger die letzten Plättchen legen und Kollegen die hölzernen Handläufe streichen. Deshalb nehmen wir die Backstage-Treppe. Ein Zeitensprung: Plötzlich sind wir wieder in der alten Halle mit ihren kalten Betonwänden.

Aber nur kurz. Denn oben, im Vorraum des Europasaals, zieht ein freches Grün den Blick auf sich. Die frische Farbe im Kontrast zum Weiß der Wände und Decken wiederholt sich in allen vier neuen Theken der Stadthalle. Oberkellner Paolo Aquino-Monteiro wienert die Platte noch einmal nach. " Super" findet er die neuen Bars. Sie sind hochmodern und durchdacht. Früher, als die Halle noch anders hieß, wirkten die Getränkestationen wie Gasthaus-Theken. Manchmal musste die Stadthallen-Mannschaft zusätzliche mobile Theken aufbauen und abbauen, Kühlschränke bestücken und leeren. Das ist vorbei. Das spart Kosten und Zeit. Und auch der Kongresssaal hat jetzt eine Bar, denn dieser Saal wird immer häu figer für gesellschaftliche Anlässe gebucht. " Der freie Blick auf den Schlossgarten", so sagt Sandra Gagliardi, mache diesen Saal für größere Feiern so attraktiv.

Der freie Blick zum Schloss ist dank der neuen Glasfront prinzipiell aus jeder Ecke des Obergeschosses möglich. Vorausgesetzt, die mobilen Wände sind eingeklappt. Auch sie haben ihre Farbe gewechselt von holzbraun zu strahlend weiß. Das passt zum Farbverlauf im Europasaal: Die Wände links und rechts, die zur Zeit des alten Hallennamens wie vertäfelte Wohnzimmerdecken wirkten, mutieren von Weiß über Grau zu Anthrazit. Die Bühne ist dunkelgrau, fast schwarz. 5800 Liter Farbe sind in der neuen Halle verstrichen worden. 960 Quadratmeter Parkett wurden im Europasaal neu verlegt. Lange liegt es noch nicht: Es riecht nach frischem Holz.

Was der Besucher nicht sieht: Hinter der Deckenverkleidung verbergen sich hochmoderne Technik und eine neue Showbeleuchtung. " Früher mussten die Veranstalter das Showlicht mitbringen", erklärt Sandra Gagliardi. Heute gehört die perfekte Bühnentechnik zum Service. Eine Selbstverständlichkeit für eine Halle, die sich bundesweit vermarkten und hochkarätige Veranstaltungen nach Osnabrück holen will.

Der schöne Schein endet an der Tür zum Niedersachsensaal. Wer sich nicht mehr genau erinnert, wie die alte Halle aussah, werfe einen Blick in diesen Saal. Der Plan sieht vor, dass dieser Trakt im zweiten Bauabschnitt erneuert wird. Dafür nimmt die Stadt noch einmal sechs Millionen Euro in die Hand, zusätzlich zu den 13, 5 Millionen, die die Renovierung bislang gekostet hat.

Der Rundgang endet im Foyer. Es ist der Zeitpunkt, an dem Sandra Gagliardi ihren eindringlichen Wunsch zur Sprache bringt. Wir stellen fest: In diesem Artikel ist bislang nicht ein einziges Mal der Name genannt worden, den die Hallenchefin nicht mehr hören will.

Wie war der noch gleich? Ach ja, Stadthalle.

Bildtexte:
Alt und neu: das Parkett im Europasaal.

Grün und Weiß, das sind die Farben in der Osnabrückhalle (hier in einer der vier neuen Bars).

Sandra Gagliardi, Hallenchefin, auf der Empore des Europasaals.

Stühlerücken auf neuem Parkett. Hallen-Mitarbeiter bereiteten gestern die Bestuhlung für das Eröffnungskonzert mit Roger Cicero am Sonntag vor.
Autor:
Wilfried Hinrichs/Gerd Westdörp


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