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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Café "Monopol" wird Kino-Monopol
Zwischenüberschrift:
Das Haus am Rosenplatz/Ecke Johannisstraße im Jahr 1925
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die heutige Zeitreise führt zum Rosenplatz in einer Zeit, als er noch sehr weit davon entfernt war, zum Sanierungsgebiet erklärt werden zu müssen. Das hier abgebildete Monopol-Haus Johannisstraße 135/ Ecke Rosenplatz war ein repräsentativer dreieinhalbgeschossiger Bau, der zusammen mit seinem Pendant auf der anderen Straßenseite dem von Süden kommenden Reisenden anzeigte, dass hier die Innenstadtquartiere einer Großstadt beginnen.

Immerhin drei wichtige Fernstraßen liefen an Osnabrücks Südverteiler zusammen: aus Südwesten die Sutthauser Straße, aus Süden die als " Reichsstraße 51/ 68" klassifizierte Iburger Straße und aus Südosten die Meller Straße. Lange bevor es eine Autobahn Hansalinie gab, rollte der Verkehr aus dem Ruhr gebiet in Richtung Seehäfen über dieses Pflaster.

Bei der hier festgehaltenen Szene ist die Johannisstraße rechts im Bild jedoch offensichtlich gesperrt. Ein Schupo steht breitbeinig auf dem Kopfsteinpflaster und lässt kein Fahrzeug durch. Vor dem Akzisehaus mit den neoklassizistischen Säulen hat sich eine Menschenansammlung gebildet. Irgendetwas gibt es zu bewundern oder zu bestaunen.

Eine Erklärung lieferte der inzwischen leider verstorbene Rosenplatz-Anwohner Jürgen Vonhöne, aus dessen Familienalbum das Foto stammt. " Das war im Jahr meiner Geburt, 1925, als um Johanni herum eine große Gewerbeausstellung mit Festumzug stattfand", sagte er uns im vergangenen Jahr. Der Namenstag Johannes des Täufers ist der 24. Juni. Sinnfälligerweise wählten die Kaufleute und Handwerker der Johannisstraße sich diesen Tag aus, um die Leistungsfähigkeit des Gewerbes in ihrem Quartier zu demonstrieren. Die Häuser sind mit Tannen-Girlanden und Birkenstämmchen geschmückt. Über dem Eckeingang zum Café baumelt eine übergroße Steinhäger-Flasche, während man auf dem halbrunden Kragdach über dem rechten Seiteneingang eine uniformierte Puppe entdecken kann. Was es damit auf sich hatte, ist bislang nicht bekannt. Vielleicht kann uns ein Leser hierzu noch Aufklärung geben.

Philipp Struchtrup, der Vater des bekannten Osnabrücker Kino-Pioniers Josef Struchtrup, ließ 1893 bis 1896 das Monopolhaus als Gaststätte, Hotel, Café und Wohnhaus für seine Familie und Bedienstete errichten. " Restaurateur" Struchtrup wies 1915 in einer Werbeanzeige stolz auf seine " Restaurationsräume mit sehenswerten Alt-Osnabrücker Oelgemälden" hin. Damals trug das Restaurant den Namen " Zum Johannisthor". Damit nahm Struchtrup Bezug auf die Straßenbezeichnung " Zwischen den Johannisthoren", die für diesen Abschnitt der Johannisstraße galt. Das eigentliche Johannistor 1842 abgetragen lag im Verlauf der früheren Stadtbefestigung und des heutigen Johannistorwalls. Bei der Verstärkung der Befestigungsanlagen wurde 1573 ein Außentor mit Rondell vorgelagert, das sich auf der Höhe des heutigen Rosenplatzes befand. Zwischen Rosenplatz und Johannismauer verlief die Johannisstraße folgerichtig " Zwischen den Johannis thoren".

Das Akzisehaus mit dem Säulen-Portikus, 1806 von Baumeister Georg Heinrich Hollenberg errichtet, bezieht sich ebenfalls auf das frühere Johannistor. Als die Stadt im 19. Jahrhundert entfestigt wurde und als Erstes die Tortürme verschwanden, brauchte die Stadt an den Einfallstraßen neue Gebäude, die dem Verkehr nicht mehr im Wege standen, aber weiterhin die Erhebung von Steuern (" Akzise") ermöglichten. Bis 1850 waren indirekte Steuern auf Verbrauchsgüter wie Bier, Wein, Branntwein, Mehl, Korn, Salz, Leinwand oder Eisenwaren eine der Haupteinnahmequellen der Stadt. Nach dem Beitritt Hannovers zum Zollverein (1854) sank die Bedeutung der Akzise, bis sie 1922 schließlich ganz abgeschafft wurde. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, 1925, hatte der Friseur Niendieker einen Teil des Akzisehauses gemietet, im anderen Teil war das Arbeitsamt für den Bereich Neustadt untergebracht. 1933 kaufte Struchtrup das Akzisehaus von der Stadt, ließ es abreißen und an seine Stelle einen eingeschossigen Zweckbau setzen mit einem Saal für Kabarett und Kleinkunst. Indes, die Partei verweigerte ihm die Genehmigung für diese Nutzung. Nach längeren Querelen eröffnete er 1937 darin das erste " Rosenhof"- Kino.

Der gesamte Monopol-Rosenhof-Komplex überlebte den Bombenkrieg nicht. In den 1950er-Jahren baute Apfelsaft-Fabrikant Emil Krone dort ein Mehrfamilienhaus, das nach dem Eigentümerwechsel 1990 einen unrühmlichen Niedergang bis hin zur Zwangsräumung erlebte. Inzwischen ist es teilmodernisiert und wieder bewohnt. Josef Struchtrup baute 1953 am südlichen Rosenplatz ein neues " Rosenhof"- Kino. Zusammen mit " Ritz" und " Roxy", den drei erfolgreichen " R′s", wurde er zum Kino könig von Osnabrück. Den Markt der Erstaufführungen großer neuer Filme beherrschte er fast wie ein Monopolist. Anfang der 1970er-Jahre zog Josef Struchtrup sich aus dem Kinogeschäft zurück.

Bildtext:
Das Monopol-Haus aus der Ecke von Rosenplatz (links) und die Johannisstraße (rechts) ist anlässlich einerGewerbeausstellung im Jahr 1925 festlich geschmückt.
Der fünfgeschossige Nachkriegsbau an gleicher Stelle schreibt inzwischen keine Negativ-Schlagzeilen mehr. Leider steht der große Laden im Erdgeschoss wieder leer.

Fotos:
Sammlung Middendorff/ Vonhöne, Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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