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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Immer mehr ausgesetzte Tiere im Zoo
Zwischenüberschrift:
Abnehmer für sieben wilde Kätzchen gesucht – Reptilien sind die größten Sorgenkinder
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Zoo Osnabrück sucht ein neues Zuhause für sieben wilde Katzenbabys. Die Samtpfoten sind wenige Wochen alt und stammen aus zwei Würfen. Die Muttertiere wurden offenbar im Zoo ausgesetzt wie viele andere Haustiere verbotenerweise auch.

Ausgerechnet bei den größten und ungestümsten Zoobewohnern, den Elefanten, haben es sich die niedlichen, aber ungebetenen Gäste gemütlich gemacht. Eine Tierpflegerin entdeckte den ersten Wurf Anfang Juli in einem Baum. Ein Mädchen auf Zoobesuch fand dieser Tage in einer Mauer den zweiten. Insgesamt handelt es sich wahrscheinlich um sieben Katzen. Die drei älteren sind schätzungsweise elf Wochen alt und haben ein überwiegend schwarzes Fell mit weißen Flecken. Die anderen Kätzchen wurden vermutlich Ende Juni geboren und sind getigert. Es sollen mindestens vier sein eingefangen wurde bislang erst eins.

" Wir können davon ausgehen, dass die beiden Katzenmütter im Zoo ausgesetzt wurden", sagt Zoopädagogin Sonja Tolksdorf. Bei diesen Tieren handele es sich bestimmt um Geschwister zu groß sei die Ähnlichkeit. Einmal sterilisiert, werden sie aber wohl am Schölerberg bleiben dürfen. Den Nachwuchs kann der Zoo hingegen nicht behalten. Auf dem Gelände gebe es bereits " um die acht" frei laufende Katzen, die Mäuse und Ratten jagten, schätzt Tolksdorf. Für weitere sei kein Platz, zumal die Tiere erst mit sechs Monaten pflichtgemäß kastriert werden könnten und bis dahin aufwendig betreut werden müssten. Und weil auch das Tierheim in Hellern mit 100 herrenlosen Stubentigern überbelegt ist, hofft der Zoo nun auf Privatleute mit Herz für Tiere. Zoosprecherin Lisa Josef: " Wir suchen händeringend Abnehmer für die Katzenbabys." Die Tiere seien wohlauf, der Zootierarzt habe sie entfloht, entwurmt und geimpft. Wer eins der Kätzchen unter seine Fittiche nehmen will, kann sich an den Zoo wenden: Telefon 05 41/ 9 51 05-0.

Schlange im Karton

Der wilde Katzennachwuchs ist jedoch nur ein Beispiel für die Probleme, vor die rücksichtslose Haustierbesitzer wie sorgenvolle Finder von verletzten Tieren den Zoo stellen. Denn der Tierpark, Heimat von knapp 3000 exotischen Lebewesen, wird immer wieder mit einem Tierheim oder einer Auffangstation verwechselt. Verstoßene Lieblinge oder aufgelesene Wildtiere würden regelrecht in den Zoo geschmuggelt und dann dreist ausgesetzt, sagt Zoosprecherin Josef. Mal seien es Katzen, mal Kaninchen, mal Vögel, mal Eichhörnchen. Zunehmend aber auch Reptilien: Im vergangenen Jahr hätten Zoomitarbeiter einen Karton mit einer Schlange vor dem Eingang gefunden, und vor nicht allzu langer Zeit kescherten sie einen ein Meter großen Leguan aus einer Hecke.

" Vielen Leuten wachsen diese Tiere in heimischen Terrarien über den Kopf", weiß Tobias Klumpe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Osnabrück. Würgeschlangen, irgendwann fünf Meter und länger, oder Schildkröten, die uralt werden können, seien nur einige Beispiele von pflegeintensiven Tierarten, die von überforderten Haltern beim Zoo abgeladen werden und das nicht selten heimlich. " Manche werfen ihre Schildkröten einfach bei uns ins Becken", sagt Klumpe, " und von Jahr zu Jahr werden es mehr." 30 Schildkröten stelle der Zoo offiziell zur Schau. Doch in den Gewässern auf und vor dem Gelände tummelten sich mindestens genauso viele Exemplare illegalen Ursprungs – " vielleicht sogar doppelt so viele". Die exakte Zahl sei kaum zu ermitteln, so der Biologe. Für die rechtmäßigen Zoobewohner sind die eingeschleusten Artgenossen nicht ungefährlich. Sie können Krankheiten einschleppen, die sich mangels Bestandskontrolle ungehindert ausbreiten und so die Population gefährden. " Andere werden zur Plage und verdrängen heimische Arten."

Fachhändler hilft

Der Experte appelliert deshalb an die Vernunft. Wer sich ein Tier anschaffe, trage die Verantwortung für dessen Wohlergehen, sagt Klumpe. Der Zoo sei nicht in der Lage, den privaten Haltern ihre Sorgenkinder abzunehmen. " Dafür sind wir nicht ausgelegt, weder räumlich noch personell." Klumpes Ratschlag: den Fachhändler kontaktieren, bei dem das Tier gekauft wurde. Ist er seriös, nehme er es vielleicht zurück oder helfe bei der Vermittlung.

Bildtexte:
Der Zoo Osnabrück sucht ein neues Zuhause für seine wilden Katzenbabys.

Der Zoo Osnabrück sucht ein neues Zuhause für seine wilden Katzenbabys.

Der Zoo Osnabrück sucht ein neues Zuhause für seine wilden Katzenbabys.

Fotos:
Zoo Osnabrück
Autor:
Sebastian Stricker


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