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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Dohlen-Treff auf dem Ratsgymnasium
Zwischenüberschrift:
Schlossgarten als Schlafplatz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. " Wie bei Hitchcock", finden nicht wenige Anwohner, wenn sich jeden Abend Hunderte von Dohlen krächzend auf dem Ratsgymnasium und den angrenzenden Gebäuden niederlassen. Tatsächlich wird wegen des Geflatters der schwarzen Rabenvögel manchmal sogar der Himmel etwas dunkel. Doch Angst muss keiner haben: Das massenhafte Auftreten der Vögel ist kein Zeichen ihrer Aggressivität, sondern Ausdruck des tierischen Familiensinns.

Es krächzt und flattert, wenn sich Hunderte von Dohlen immer zur Dämmerstunde auf dem Ratsgymnasium am Schlossgarten treffen. Und nicht nur dort: Auf allen hohen Gebäuden rund um den Schlosspark sitzen die Vögel Bauch an Bauch, bis sie wie auf ein Kommando entfliegen. Wohin, ist tageszeitabhängig: Am Morgen geht es gen Wüste, am Abend in die Bäume des Schlossgartens.

Dabei läuft es fast immer nach demselben Schema ab: Wenn die Sonne tiefer steht, erreicht erst ein kleinerer Schwarm die Dächer. Nach kurzer Zeit folgen dann immer mehr Vögel, fast immer in größeren Gruppen. Ähnlich einer Warteschlange sitzen sie auf dem First und Turm des Gymnasiums, krächzen und fliegen dann wie auf Kommando paarweise in die Baumkronen des Schlossgartens. Sind die Tiere erst einmal alle in den Bäumen verschwunden, hört man kaum noch einen Mucks.

Erst morgens beginnt das Gekrächze wieder, das Prozedere findet in umgekehrter Reihenfolge statt: Gruppenweise verlassen die Vögel die Bäume, treffen sich auf den Firsten und fliegen urplötzlich in Massen weg. Das führt zu Ärger unter den Anwohnern: " Mein Auto ist voller Vogelkot, und im Garten sieht es nicht besser aus", ärgert sich eine von ihnen.

Vogel des Jahres

Auch ihre Nachbarin Dorothea Schlüter ist nicht begeistert von den Schwärmen: " Das sieht hier aus wie bei Alfred Hitchcocks Film , Die Vögel′. Und dann auch noch das Gekrächze!" Früher, so die 85-Jährige, seien es noch nicht so viele Dohlen gewesen. Ornithologe Axel Degen bezweifelt jedoch, dass die Dohlen immer mehr werden: " Es gibt in Deutschland gut 100 000 brütende Paare, und der Bestand ist stabil. Noch 2012 ernannte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) das Tier zum , Vogel des Jahres′." Grund dafür: Die Brutplätze verschwinden.

Traditionell nisten die Tiere in Baumhöhlen, erklärt Degen. Da es Altholzbestände kaum noch gibt, mussten sie auf Brücken, Kirchtürme oder Schornsteine ausweichen. " Letzteres kann sehr gefährlich für die Bewohner der Häuser werden, da sie viel Nistmaterial eintragen und die Entweichung der Abgase verhindern. Dadurch kann es zu Explosionen kommen." Der Ornithologe rät daher, noch genutzte Schornsteine mit sogenannten Dohlengittern zu versperren.

Da aufgrund von Sanierungen jedoch auch andere Nistplätze für die Vögel nicht mehr zugänglich sind, hat ihr Bestand mancherorts abgenommen. Allerdings hat die Dohle im Nordwesten Deutschlands gute Karten, dort gibt es noch flächendeckend größere Bestände.
So wie in der Region Osnabrück.

Traditioneller Schlafplatz

Der Schlossgarten ist übrigens wegen seines alten Baumbestandes ein " traditioneller Schlafplatz der Vögel", erzählt Degen. Dass es dort aktuell zu einem Massenansturm wie aus einem Horrorfilm kommt, liege am Schwarmverhalten der Tiere: Zusammen schläft und isst es sich eben besser. " Das verspricht eine größere Erfolgsrate beim Auffinden von Nahrung und macht sie weniger angreifbar für ihre Feinde."

Für einige der Exemplare ist der Rasen des Schlossgartens ihr Nahrungsort. " Sie suchen nach Larven, beispielsweise von denen der Blatthornkäfer. Diese ernähren sich dort von Graswurzeln und machen so den Rasen kaputt. Daher sind die Vögel auch Nützlinge", erklärt Udo Stangier, Vogelfreund und Umweltbeauftragter der Gemeinde Wallenhorst. Ähnlich wie in Osnabrück treffen sich die Vögel dort im Wald neben der Alexanderkirche, sammeln sich und fliegen dann plötzlich alle zusammen weiter.

Intelligent und sozial

Er spricht voller Bewunderung über die Tiere: " Sie sind sehr intelligent, schicken beispielsweise eine Vorhut, um zu schauen, ob der Schlafplatz auch sicher ist. Und sie sind sozial, kümmern sich um kranke Schwarmmitglieder wie um die Jungen." Trotzdem kann er den Ärger der Anwohner über Kot und Gekrächze auch verstehen. " Früher glaubte man noch, dass man die Vögel mithilfe von getöteten und dann aufgehängten Exemplaren vergraulen könne. Aber das funktioniert nicht und ist außerdem verboten: Man darf die Tiere nicht töten. Zudem sind sie einfach viel zu klug, um massenhaft auf Giftfallen reinzufallen."

Ornithologe Degen rät den Anwohnern dagegen, " einfach das Naturschauspiel zu genießen".

Bildtext:
Immer zur Dämmerstunde treffen sich Dohlenschwärme auf dem Osnabrücker Ratsgymnasium und den angrenzenden Gebäuden.

Foto:
Corinna Berghahn
Autor:
Corinna Berghahn


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