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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Der Grenzstein in der Wüste
Zwischenüberschrift:
Eine Karte wird zum Beweismittel in einem Gerichtsprozess des Jahres 1699
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Wer sich ins Auto setzt, um von A nach B zu fahren, der programmiert heute sein Navi. Von da an leitet ihn die freundliche Stimme aus dem kleinen Gerät und sie warnt womöglich sogar vor der Fotofalle am Straßenrand. Google Maps und Satellitenfotos auf dem Handy haben den Autoatlas und die Wanderkarte überflüssig gemacht: Dank einer zentimetergenauen Vermessung der Erde und der präzisen Kunst der Kartenzeichner haben wir mittlerweile überall ein analoges oder digitales Abbild der Landschaft um uns herum zur Verfügung.

Das war nicht immer so. Historische Karten zeigen mitunter eine sehr eigenwillige Sicht auf die Welt. Dahinter konnte auch Absicht stecken, wenn es nämlich Streit um die Grenzen gab und deshalb ein Prozess angestrengt wurde. So zogen gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Martinianer Laischaft und die Neustädter vor Gericht, weil sie sich über die Aufteilung der Wüste nicht einigen konnten. Und sie legten dabei eine Karte vor, an deren Beweiskraft der Richter allerdings kein gutes Haar lassen wollte, wie Stadthistoriker Klaus Meinert herausgefunden hat.

Der Kartenzeichner zog sich zunächst einmal elegant aus der Affäre: Er dokumentierte die Situation aus der Mitte des Geländes und zeichnete unten die Stadtgrenze in Form der vorhandenen Landwehr mit dem Nordhaussteg, Wallfelders Haus (Blumenhalle) und dem Schnatstein. Oben zeichnet er dann die Silhouette der Stadt mit dem Heger Tor, St. Katharinen, der Martinipforte, dem " Kleven Thurm" (später Plümers Turm genannt), dem Kurfürstlichen Schloss und der weiteren Stadtbefestigung.

In ihrem Streit gingen die Martinianer davon aus, dass die Abgrenzungslinie ihrer Gebietsansprüche durch zwei maßgebliche Punkte festlag: Den Schnatstein in der Wüste sowie den Kleven Thurm in der Innenstadt. Die Neustädter hingegen beanspruchten im Westen den Katharinenkirchturm als Grenzmarke.

Bei der mündlichen Verhandlung nimmt der Richter jedoch eine eigene Bewertung vor. Er kritisiert gerade die subjektive Betonung des Kartenzeichners in den vielen Einzelheiten aufseiten der Martinianer Laischaft. Denn wenn die Grenze nach der Gestalt der geraden Linien gezogen würde, dann werde für die Neustädter nur sehr wenig von der Wüste übrig bleiben. Der Richter endet deshalb mit dem Satz: " Die Künstler und Dichter hatten immer die gleiche Macht, alles Denkbare, was sie wollten, zu wagen. Pauschal: Der Mahler hat durch einen ungenügenden Pinsel die Grafik der Karte verschmiert." Der Plan sei deshalb unbrauchbar.

1699 entscheidet dann der Magistrat: Er beschließt tatsächlich, den Schnatstein in der Wüste als Ausgangspunkt anzusetzen und von hier aus die Grenzlinie auf die Westecke des Katharinenkirchturmes zu ziehen.

Als die Wüste etwa ein Jahrhundert später entwässert wird, wurde auf dieser Grenzlinie 1781 der bis heute bestehende Pappelgraben angelegt. Auch der Grenzstein ist noch vorhanden. Er trägt die Initialen ML (Martinianer Laischaft) und die Jahreszahl 1699 und steht heute am westlichen Brückenfundament der Quellwiese über den Pappelgraben als ein unter Denkmalschutz stehendes Symbol der ehemaligen Grenze in der Wüste.

Ausstellung im Grünen
Historische Karten aus dem Osnabrücker Land im Großformat sind derzeit in einer Freiluft Ausstellung zwischen Bäumen und Blütenbeeten in der Baumschule Igel im Bramscher Stadtteil Engter im Osnabrücker Nordland zu sehen. Ihr Thema ist der Wandel der Kulturlandschaft und dessen Abbildung im Kartenbild.
Die Karten, von denen wir hier drei Beispiele genauer vorstellen, zeigen die landschaftliche Gestalt des Osnabrücker Landes und ihren Wandel in der frühen Neuzeit.
Anlass für die Ausstellung ist das 45-jährige Bestehen der Baumschule Igel. Die Wahl des Themas war einfach, denn Gartenbau und Geschichte verbinden sich ganz naheliegend in der Entwicklung unserer Kulturlandschaft.
Und der Ausstellungsmacher Karsten Igel ist nicht nur Gärtner und Betriebsinhaber, sondern auch landesgeschichtlich forschender, promovierter Historiker.
Zugleich erscheinen die hier gezeigten Karten auch als Faksimile, die zum Preis von 5 Euro zugunsten des Historischen Vereins von Osnabrück bei der Firma Igel Gartenkultur, Im Eikrode 10, Bramsche, sowie in der Geschäftsstelle des Historischen Vereins im Staatsarchiv in der Schlossstraße 29, Osnabrück, erworben werden können.
Geöffnet ist die Freiluft-Karten-Ausstellung bis Sonntag, 20. Oktober, täglich bis zum Sonnenuntergang. Der Eintritt ist frei.
Autor:
Frank Henrichvark


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