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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Luka: Sanfter Riese und kolossaler Killer
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Zoo verringert Gefahr durch Hands-off-Haltung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Luka, der größte Asiatische Elefant in Deutschland, ist seit seiner Ankunft Ende Juni der neue Star des Osnabrücker Zoos. Doch den grauen Riesen umgibt ein dunkles Geheimnis: Der 40 Jahre alte Zuchtbulle soll als Jungtier zwei Pfleger getötet haben. Am Schölerberg, wo Elefanten im geschützten Kontakt gehalten werden, ist man deswegen aber nicht beunruhigt.

Der schwedische Elefantenkenner Dan Köhl führt Luka auf einer Liste von " Mankillern" in Gefangenschaft lebenden Elefanten, die Menschen umgebracht haben. 169 Dickhäuter sind gegenwärtig darauf verzeichnet. Luka wird nachgesagt, Anfang der 1980er-Jahre im Zoo von Belgrad zwei Menschen zermalmt und einen dritten schwer verletzt zu haben. Beweise dafür gibt es nicht mehr, und die genauen Umstände bleiben wohl für alle Zeiten unklar. Jedoch wird der Wahrheitsgehalt des Gerüchts weder vom Osnabrücker Zoodirektor noch von anderen Elefantenexperten in Zweifel gezogen.

Luka sei " ein schönes, extrem intelligentes Tier, aber leider auch sehr gefährlich", berichtete Dan Köhl unserer Zeitung unter Berufung auf persönliche Quellen. Seines Wissens wurde der Elefant von seinen Pflegern in Belgrad misshandelt, was das Tier traumatisiert habe. Besonders " dunkelhaarige Männer" habe Luka deshalb in schlechter Erinnerung. Im Umgang mit blonden oder rothaarigen Pflegern, wie der Elefant sie später in England kennengelernt habe, sei er friedlich geblieben, so der Schwede. Eine Beobachtung, die Tobias Dornbusch von der Elefantenschutzvereinigung European Elephant Group (EEG), stützt. " Auf Frauen ist Luka viel besser zu sprechen. Das hat sich auch in Spanien gezeigt, wo er von einer Pflegerin betreut wurde."

" Testosteronbomber"

Dornbusch kennt Luka seit 1997 persönlich, hat ihn seitdem überall und immer wieder besucht und studiert. Sein Fazit: " Lässt man Luka in Ruhe, kann man mit ihm gut leben. Man darf aber nie versuchen, ihn zu dominieren. Luka hat in vielen Zoos gezeigt, dass er ein sehr gefährliches Tier ist. Er wurde auch weitergereicht, weil es Angriffe und Verletzte gab." Der Biologe führt diese Unfälle vor allem auf eine nicht artgerechte Haltung sowie einen leichtsinnigen Umgang mit dem Tier zurück.

Denn anders als im Zoo Osnabrück sei es vielerorts heute noch üblich, dass Pfleger zu den Elefanten ins Gehege gehen und sie mit der Hand berühren. " Direkter Kontakt mit so einem Elefanten ist aber ein Himmelfahrtskommando", warnt Dornbusch. Weniger im Alltag, dafür umso mehr in der " Musth". Die Musth (sprich: Mast) beschreibt bei geschlechtsreifen männlichen Elefanten eine einmal jährlich auftretende Phase besonderer sexueller Erregung, laut Dornbusch vergleichbar mit der Brunft bei Hirschen. In dieser Zeit, die Wochen, manchmal Monate dauert, seien Bullen " wie ausgewechselt und hochaggressiv". Voll mit Adrenalin und einem zigfach erhöhten Testosteronspiegel würden die Tiere ihre Pfleger nicht mehr als Freunde erkennen. Detlef Niebler, Elefantenrevierleiter im Osnabrücker Zoo, bestätigt das. " In der Musth sind Elefantenbullen auf 180 Testosteronbomber, die Ärger suchen." Luka befand sich zuletzt im Frühjahr für rund einen Monat in diesem Zustand kurz vor seiner Ankunft aus Spanien.

Am Schölerberg gehen die Elefantenpfleger der tödlichen Gefahr seit vielen Jahren von Anfang an aus dem Weg. Der Zoo Osnabrück gilt als Pionier in der Hands-off-Haltung, bei der das Gehege nie in Anwesenheit eines Elefanten betreten wird. Der geschützte Kontakt erlaubt ein Anfassen der Tiere, jedoch nur hinter Absperrungen. " Wir müssen den Respekt wahren", mahnt Zoodirektor Michael Böer. Seine Erfahrung der ersten Wochen mit Luka zeige: " Der Elefant ist durch und durch gut."

Bildtexte:
Mit Leichtigkeit hebt Luka, der neue Star im Osnabrücker Zoo, einen meterhohen Reifenstapel von einer Stange. Bei fünf Tonnen Lebendgewicht bekommt der Satz " Der will ja nur spielen" aber eine ganz andere Wucht.

Mit Tierpflegerin Ineta Bulkeviciute aus Benidorm kam Luka prima aus.

Foto:
Elvira Parton
Autor:
Sebastian Stricker


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