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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Schwein 30 000 Meter über der Erde
Zwischenüberschrift:
Sechstklässler starten Wetterballon
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein riesiger mit Helium gefüllter Luftballon, ein winziger Styropor-Satellit und ein roter Mini-Fallschirm. Das alles an einer meterlangen Nylon-Schnur befestigt so sieht es aus, wenn Sechstklässler experimentierfreudig sind. Sechs Ursulaschüler schicken aus dem eigenen Garten einen selbst gebauten Wetterballon an den Rand der Atmosphäre. An Bord sind auch eine Kamera und ein Plüsch-Schwein.

" Unser Klassen-Maskottchen Günther ist drin", sagt Linus Kappelmann (11). Er ist einer der sechs jungen Weltraum-Entdecker, die nun rund um einen bräunlich-gelben Ballon stehen und diesen mit Helium aus einer großen Flasche füllen. Immer mehr Gas strömt in den Ballon doch dann beult sich eine Seite aus. " Bei allen anderen war der rund, bei uns ist der Ballon eiernd", sagt Sarah Niemann (12). Sie plant ebenfalls seit Beginn den Start der Weltraum-Fahrt.

Viele Schaulustige sind gekommen: Freunde, Geschwister und Eltern fiebern mit, ob im Ballon auch genug Helium ist, ob alles wie geplant funktioniert. Luis Moritz (12) testet unterdessen noch einmal den GPS-Tracker. Nur mit ihm können die Ursulaschüler die Sonde am Ende auch wiederfinden. In den Mini-Satelliten haben die Sechstklässler auch eine Kamera eingebaut, um nach der Raumfahrt die Erde aus rund 30 000 Meter Höhe ansehen zu können.

Vor mehr als acht Wochen kam den Schülern die Idee für den Start des Ballons. Auf der Internet-Video-Plattform " YouTube" sahen die Jugendlichen das erste Mal solch eine Aktion. " Dann haben wir gesagt, wir wollen das auch machen", erinnert sich Luis. Mehr als 500 Euro haben sie in den vergangenen Wochen für das Projekt gesammelt; Spenden von den Eltern, aber auch harte Arbeit haben die Ballonfahrt finanziert: " Ich habe im Garten geholfen", erzählt Luis.

Im Mai bauten die Sechstklässler dann den Mini-Satelliten aus Styropor. " Auf YouTube gibt es ein Tutorial", sagt Sarahs Bruder Sascha, der ebenfalls dabei ist. Anfang Juni haben Sascha und seine Mitstreiter dann im Internet den Ballon, einen Fallschirm und alle anderen Utensilien bestellt.

Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von Luis′ Vater: " Ich habe geguckt, dass ich die richtigen Fragen stelle", erinnert sich Oliver Moritz, der normalerweise Ingenieur bei VW ist. Er hat das Helium besorgt, sich um einen passenden Termin gekümmert, einen Bulli gemietet und sich auch Sorgen gemacht: " Ich habe schon schlechte Träume gehabt: Wenn der Ballon auf der Autobahn landet . . ." Zum Glück würde aber auch die Haftpflichtversicherung zahlen, falls irgendetwas passieren sollte.

Nach den vielen Wochen der Vorbereitung war es dann endlich so weit: Der Ballon ist gefüllt, alles an der Nylon-Schnur befestigt. Die sechs Kinder halten allesamt die Konstruktion. Wind weht von der Seite, der Ballon schwankt hin und her. 12 Kinderhände lassen ihn behutsam nach oben gleiten, Stück für Stück.

Es gibt noch einen Applaus, und schon entfernt sich der Ballon er wird immer kleiner und ist bald gar nicht mehr zu sehen. " Das ist Drachensteigen 2.0", sagt Chris Thale (12). Dem kann Margret Kappelmann, die Großmutter von Linus, nur zustimmen: " Das ist schon ein Erlebnis."

Jetzt heißt es erst einmal warten, bis der Ballon in der Stratosphäre zerplatzt und dann wieder Richtung Erde sinkt. Ungefähr zweieinhalb Stunden dauert das. Mit Luis′ Vater und dem Bulli fahren die Schüler auf Schatzsuche, um ihre Sonde mit dem GPS-Tracker wiederzufinden. Nördlich von Bremen, in der 30 000-Seelen-Gemeinde Osterholz-Scharmbeck , werden sie dann fündig. 113 Kilometer von Osnabrück entfernt ist der Mini-Satellit unbeschadet auf einer Kuhwiese gelandet. " Das ist ein tolles Gefühl", sagt Luis, " vielleicht stellen wir unser Video dann auch auf You Tube."

Bildtext:
Sechstklässler der Ursulaschule starten am Oestringer Weg ihren selbst gebauten Wetterballon mit Sonde.

Vor dem Start des Wetterballons mit Sonde.

Die Sonde von innen.

Fotos:
Hermann Pentermann
Autor:
David Missal


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