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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Atommüll und kein Ende
Zwischenüberschrift:
Schon jetzt gibt es weit mehr als 100 000 Kubikmeter strahlenden Abfall - und es folgt noch deutlich mehr
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Atommüll damit verbinden die meisten Menschen zwei Bilder: gelbe Metallfässer, wie sie zu Zehntausenden im früheren Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel abgekippt worden sind. Und tonnenschwere Castor-Behälter, die begleitet von einem Großaufgebot der Polizei per Bahn und Lkw zum Zwischenlager Gorleben im Wendland transportiert werden. Im Laufe der Zeit haben sich riesige Mengen angesammelt. Und es werden trotz des Atomausstiegs noch über Jahrzehnte hinweg immer mehr.

Schon die Transportbehälter zeigen: Der Inhalt ist höchst verschiedener Art. Es gibt Wärme entwickelnden, hoch radioaktiven Atommüll (im Castor). Und es gibt Abfälle " mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung" (im Fass), auch schwach und mittelradioaktive Abfälle genannt. Diese machen 90 Prozent des gesamten strahlenden Müllvolumens aus, beinhalten aber nur 0, 1 Prozent der gesamten Radioaktivität aller in Deutschland zu lagernden Abfälle, so das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Die staatlichen Strahlenschützer ziehen in diesem Zusammenhang einen interessanten Vergleich: Ein einziger Castor mit Wärme entwickelndem Atommüll enthält demnach eine höhere Radioaktivität als die gesamten zulässigen 303 000 Kubikmeter schwach und mittelstark strahlender Abfälle, die im ehemaligen Erzbergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter eingelagert werden dürfen. Der Schacht Konrad ist als Endlager atomrechtlich genehmigt, wird aber frühestens 2019 in Betrieb gehen.

Für hoch radioaktive Abfälle ist dagegen noch nicht einmal ein geeigneter Endlagerstandort gefunden, geschweige denn eine solche Anlage genehmigt. Vorübergehend verbleibt diese gefährliche Fracht deshalb in Zwischenlagern in Gorleben und an den Standorten der Atomkraftwerke.

Woher kommt der gefährliche Stoff? Er entsteht vor allem bei der Stromerzeugung durch Kernkraftwerke. Insofern gehört indirekt jeder Verbraucher, der Atomstrom bezieht, zu den Atommüll-Verursachern. Weitere größere Mengen stammen aus der Stilllegung von Atomkraftwerken und der kerntechnischen Industrie (zum Beispiel Hersteller von Brennelementen).

Hinzu kommen elf Landessammelstellen, an denen kleine Abfallverursacher wie Universitäten und medizinische Einrichtungen ihre Abfälle gegen eine Gebühr abgeben können. " Die Menge an Abfällen aus der Medizin ist dabei zu vernachlässigen", so das BfS. " Sie beträgt weniger als 0, 5 Volumen-Prozent." Eine weitere Verursachergruppe sind die Forschungseinrichtungen. Dazu gehören unter anderem der Forschungs- und Messreaktor Braunschweig, der Forschungsreaktor München und das Forschungszentrum Jülich.

Was genau ist drin in den Fässern und Castoren? Zu den weniger stark strahlenden Abfällen in den Fässern gehören unter anderem kontaminierte Schutzanzüge und Handschuhe, außerdem ausgediente Abluftfilter, Rohre und verunreinigte Baumaterialien. Zu den hochgradig radioaktiven Abfällen in den Castoren zählen vor allem abgebrannte Brennelemente aus Kernkraftwerken.

Es ist besonders gefährliches Material. Schon ein ungeschützter Aufenthalt von wenigen Minuten in der Nähe dieser Abfälle kann tödlich sein. Zur Abschirmung der Strahlung haben die Castorbehälter deshalb neben anderen Vorrichtungen einen Mantel aus 40 Zentimeter dickem Gusseisen.

Wie viel strahlender Abfall ist bisher angefallen? Bis Ende 2011 waren es in Deutschland laut BfS insgesamt etwa 130 900 Kubikmeter schwach und mittelradioaktive Abfälle und 2000 Kubikmeter hoch radioaktive Reststoffe. Hinzu kommen 13 900 Tonnen Schwermetall in Form von bestrahlten Brennelementen. Hierin enthalten sind laut BfS abgebrannte Brennelemente aus den in Betrieb befindlichen und den stillgelegten Kernkraftwerken mit Leistungsreaktoren mit mehr als 50 Megawatt Leistung. " Nicht enthalten sind bestrahlte Brennelemente aus den abgeschalteten Reaktoren, die bis Ende 2011 noch nicht entladen waren. Das sind weitere 500 Tonnen Schwermetall", so BfS-Sprecher Florian Emrich.

Wie viel Atommüll kommt noch hinzu? Bis zum Jahr 2080, so prognostiziert das Bundesamt für Strahlenschutz, werden insgesamt etwa 300 000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung endgelagert werden. Die Gesamtmenge Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle durch die Nutzung der Kernenergie beziffern die Strahlenschützer mit 29 000 Kubikmetern. Neben abgebrannten Brennelementen aus Leistungs-, Versuchs- und Forschungsreaktoren gehören dazu auch verglaste Reststoffe aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente.

Aktuell müssen noch 26 deutsche Castoren aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield (Großbritannien) und La Hague (Frankreich) zurückgenommen werden. In welche Zwischenlager sie transportiert werden, steht noch nicht fest. Dies ist eine zentrale Frage in der aktuellen Debatte um das Endlagersuchgesetz.

Bildtext:
Sie verursachen mit Abstand den meisten Atommüll: die Kernkraftwerke, hier das AKW Isar bei Landshut in Niederbayern während einer Protestaktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace im Jahr 2009.

Foto:
dpa
Autor:
Uwe Westdörp


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