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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Bruchlandung der jungen Uhus
Zwischenüberschrift:
Eltern fütterten nicht mehr: Zwei Eulenkinder vom Katharinen-Kirchturm gerettet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Geschwächt und vollkommen unterernährt", so hat Wolfgang Herkt am Dienstagabend einen Junguhu am Ledenhof eingefangen. Passanten hatten den Vogel-Experten zu Hilfe gerufen. Ein weiterer Junguhu wurde bereits am 21. Mai in der Hakenstraße von der Feuerwehr geborgen. Damit ist klar: Das Uhu-Paar im Katharinen-Kirchturm hat in diesem Jahr sogar drei Jungvögel aufgezogen, da Ende Mai noch zwei Junge vor dem Brutkasten gesichtet wurden. Nur leider klappte es dann mit der Fütterung der halbflüggen Jungen am Boden nicht.

Für einen Laien könne es aufsehenerregend sein, wenn sich im Katharinenkirchturm ein Uhu-Paar in einem Nistkasten, der für Wanderfalken vorgesehen war, " eingenistet" hat, so Herkt. " Für einen Fachmann ist es überhaupt nicht spektakulär, dass in Osnabrück mitten im Nahrungsparadies voller verwilderter Haustauben, Ringeltauben, Kaninchen und Ratten ein Uhu-Paar sich einen solchen Niststandort ausgesucht hat", sagt Wolfgang Herkt, der auf eine rund 50-jährige Erfahrung mit Uhus zurückblicken kann.

So wurde bereits Ende Mai der erste Junguhu aus der Innenstadt von der Feuerwehr spätabends und erheblich verletzt in der Artenschutz-Betreuungsstation direkt bei Birge Herkt eingeliefert. Er muss eine Bruchlandung gemacht haben: Die Wachshautverletzung am Schnabel deutete auf eine schwere Gehirnerschütterung, Blut im Schnabel auf innere Blutungen hin. " Aus 40 Meter Höhe Brutstandort ist es für einen Junguhu in einer bebauten Innenstadt deutlich schwieriger, seinen ersten Segelflug zu absolvieren, als in der freien Landschaft", sagt Herkt. Üblicherweise werden die Uhu-Jungen, wenn sie den Horst verlassen haben und am Boden sitzen, vom Weibchen bewacht und vom Männchen Terzel genannt gefüttert. Allerdings: " Im Gegensatz zum Dom-Kreuzgang gibt es dort in der Innenstadt niemals Ruhe, sondern permanente Störungen durch Fußgänger, Radfahrer, Autos", so Herkt weiter. " Dass die Jungen an unterschiedlichen Stellen im Umfeld der Katharinenkirche zu Boden gingen, macht darüber hinaus dem Terzel die Aufgabe äußerst schwierig. Auch sind die Bewachung und der Schutz durch das Weib somit nicht gegeben."

Aus diesem Grund war auch der zweite Jung-Uhu, der jetzt am Ledenhof entdeckt wurde, völlig entkräftet. " Scharf wie eine Messerrückseite" habe er das Brustbein fühlen können, nachdem er den Vogel mit bloßen Händen habe einfangen können, " keine Muskulatur, keine Kondition", so der erfahrene Vogel-Betreuer Herkt gestern. Deshalb wurde der Ledenhof-Uhu zunächst mit Infusionen ernährt. Zusammen mit dem einige Tage älteren Geschwistertier, das dank intensiver tiermedizinischer Versorgung durch die promovierte Tierärztin Birge Herkt wieder genesen ist, lebt er nun in einer Voliere in der Station in Hellern.

Aufgrund der verschiedenen Sichtungen ist auch klar, dass das Uhu-Paar im Katharinen-Kirchturm mindestens drei Junge großgezogen hat. Der dritte Junguhu ist offenbar wohlbehalten ausgeflogen. Gestern wurde er zuletzt am Chor der Marienkirche, zwischen den Säulengittern in der Sonne sitzend, beobachtet. Es wird nun darauf ankommen, ob die Altvögel ihn versorgen, nachdem die Bindung an die beiden anderen Jungen abgerissen ist.

Drei Eier seien aber auch ein Indiz dafür, dass es sich um ein bruterfahrenes Paar und deshalb höchstwahrscheinlich um die beiden " Dom-Uhus" der Vorjahre handelt. Den Uhu-Terzel vom Dom hatten Wolfgang Herkt und seine Tochter Birge schon 2011 auf dem ersten Foto in dieser Zeitung auf Anhieb erkannt.

Das Tier war mehr als ein Jahr in der Artenschutz-Betreuungsstation in Osnabrück gesund gepflegt und im Oktober 2010 ausgewildert worden war. Und so kann es möglich sein, dass es sich bei den beiden Junguhu-Patienten in der Betreuungsstation um Nachkommen ihres ehemaligen Pfleglings handelt.

Bildtexte:
Am Ledenhof hatte Herkt den entkräfteten Uhu eingefangen. Foto:
Stiller Beobachter: Der dritte Uhu von St. Katharinen ruht sich jetzt auf dem Marienkirchturm aus.

Fotos:
Petra Hörnschemeyer/ privat
Autor:
Frank Henrichvark


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