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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Unbefriedigende Unterrichtssituation
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur aktuellen Diskussion um die Themen " Inklusion" und " inklusive Schule".
" Im Zusammenhang mit der Diskussion um das Thema Inklusion′ sollte zur besseren rechtlichen Einordnung der folgende Paragraf genauer betrachtet werden besonders im Hinblick auf den individuell betroffenen Menschen: Im § 24 der UN-Behindertenrechtskonvention lesen wir unter anderem zum Thema Bildung: Die Vertragsstaaten […] gewährleisten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel, […] Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen […]. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung sollen zwar Zugang′ haben zu einem inklusiven […] Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen, aber was bedeutet das konkret für ein Bildungssystem?!

Hierzu gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen, auf welchem Weg die oben genannten individuellen Bedürfnisse junger Menschen berücksichtigt werden können und wie sie das oben genannte inklusive Ziel der persönlichen Teilhabe erreichen können. Beispiele für den Spielraum der Auslegung des § 24 der UN-BRK finden sich sowohl in den Bundesländern als auch in anderen europäischen Staaten. Ideologische Traktate einiger Wissenschaftler und Pädagogen mit einem Alleinvertretungsanspruch auf die richtige Erkenntnis und die mangelnde Berücksichtigung individueller Bedürfnisse helfen nicht weiter, den besten Weg für die einzelnen Kinder und Jugendlichen mit einer spezifischen Behinderung (nicht der Behinderung) zu finden. Und dabei sollten selbstverständlich auch die Eltern noch ein entscheidendes Wort mitzureden haben.

Wenn aber das Wahlrecht der Eltern im neuen niedersächsischen Schulgesetz von politischer Seite wirklich ernst genommen wird, dann müssen ihnen für ihre betroffenen Kinder realistische schulische Alternativen zwischen Regelschulen und Förderschulen zur Verfügung gestellt werden auch aufgrund der oft noch unbefriedigenden Unterrichtssituation in Regelschulen, die dem individuellen Unterstützungsbedarf eines Kindes mit einer Behinderung nicht gerecht werden kann (Lehrerausbildung, Klassengrößen, fachpädagogische Ansprüche, organisatorische und räumliche Bedingungen etc.). Die Auffassung der Kultusministerin, in Sachen Inklusion nicht einfach den Hebel umlegen zu können, spiegelt trotz der vom Niedersächsischen Landtag getragenen Schulgesetznovelle mit dem Ziel der inklusiven Bildung eine vorsichtige Betrachtung der Veränderungsmöglichkeiten im Bildungsbereich wider.

Hoher Ressourcenaufwand und die Rücksicht auf vorhandene Traditionen und Strukturen werden von ihr als Gründe dafür angegeben. Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmen. Der Erhalt der Förderschulen mit den Schwerpunkten Geistige Entwicklung, Körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Sehen ist in dem Zusammenhang sehr erfreulich und entspricht nach wie vor dem Beschulungswunsch vieler Eltern.

Aufgrund meiner vielfältigen Beratungstätigkeit der Eltern von Kindern mit einer Sprachstörung ist mir aber auch bekannt, dass sich diese für ihre Kinder ebenfalls eine intensive fachpädagogische (sprachheilpädagogische) Betreuung und einen entsprechenden Unterricht mit speziellen Konzepten wünschen, die dem persönlichen Förderbedarf der Kinder entspricht.

Sehr zu bedauern ist daher, dass die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache aufgelöst werden sollen. Diese Schulen waren bisher bereits Durchgangsschulen′ mit dem Ziel der Rückführung in Regelschulen also einer ganz deutlich inklusiven Zielsetzung. Ihr entsprechen besonders die Sprachförderklassen (zum Beispiel an den Grundschulen in Bissendorf oder Gellenbeck), die bisher eine hervorragende Arbeit für die sprachgestörten Kinder geleistet haben. Für sie wäre es ein Trauerspiel, diese bewährte Form einer sukzessiv inklusiven Bildung′ mit dem Ziel der sprachlichen Teilhabe aufzugeben vor allem angesichts der Bedeutung von Sprache in Schule, Beruf und Gesellschaft. Auch eine Grundversorgung′ in den Grundschulklassen reicht bei vielen dieser Kinder nicht aus, um sie ihrer Persönlichkeit, ihren Begabungen und ihrer Kreativität (siehe UN-BRK) entsprechend sprachlich fit für ihr Leben zu machen."

Bildtext:
Ein Junge in einem Rollstuhl nimmt am Unterricht in einer Regelschule teil.

Foto:
dpa
Autor:
Jürgen Harke


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