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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bagger am Ende des Tunnels
Zwischenüberschrift:
Entkernungsarbeiten unter dem Neumarkt in spätestens zwei Wochen fertig
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vom Neumarkt aus lässt der Bagger seinen Greifarm hinab zum Tunneleingang am Kollegienwall. Mit der Schaufel packt der Fahrer den Müll, den Arbeiter mit blauen Helmen in den Treppenaufgang werfen. Fußgänger bleiben am Bauzaun stehen und beobachten, wie Stunde um Stunde ein Stück Stadtgeschichte weicht: Die Entkernungsarbeiten im Neumarkttunnel sind in vollem Gange.

Im Tunnel selbst sieht es nicht viel anders aus: Statt fröhlichem Geplauder ist ein Presslufthammer zu hören, statt Gesprächsfetzen fliegen Fliesenscherben durch die Gegend. Die Luft ist abgestanden, es riecht nach Bauarbeiten. Lampen erhellen die Bereiche, in denen gearbeitet wird, der Rest liegt dunkel und verlassen da.

Auf dem Boden häufen sich Glasscherben, Leitungen hängen von der Decke. Mittendrin das Baubüro samt Aufenthaltsraum, das die Arbeiter in einem ehemaligen Ladenlokal untergebracht haben. Von früherer Geschäftigkeit zeugt ein altes Werbeplakat des Zoos, das in der Nähe des Aufgangs zur Großen Straße in einer Glasvitrine hängt einem Bereich, der schon lange nicht mehr zugänglich war. Gegenüber dem Schaukasten erinnern Reklametafeln daran, dass dort einst türkische Speisen verkauft wurden.

Hasstiraden, Liebesschwüre, " Ich war hier"- Bekenntnisse, die mit Filzstift an die Wände geschmiert wurden, sowie Anzeichen von Vandalismus, die den Neumarkttunnel in der Vergangenheit geprägt haben bald wird davon nichts mehr zu sehen sein. " Wir sind gerade am Entkernen", sagt Lutz Vorreyer vom Fachdienst Straßenbau. Bereits zur Hälfte sei die Entkernung abgeschlossen. Damit befinde man sich im Zeitplan. " Alles im grünen Bereich" also, wie der Projektleiter erklärt. Ausstattungsgegenstände und die Verkleidung werden herausgerissen, die alten Abwasserleitungen, die den Geschäften zur Entsorgung dienten, werden entfernt. Dann kommt der Estrich raus. " Was wiederverwertet werden kann, wird wiederverwertet. Der Rest wird entsorgt", erklärt Jürgen Schmidt, Leiter des Fachdienstes Straßenbau.

Als er klein war, bekennt Schmidt, habe er neugierig verfolgt, wie der Tunnel gebaut worden sei und beobachtet, wie sich später die Menschenmengen hindurchschoben. Inzwischen ist die kindliche Sentimentalität dem kühlen Blick eines Ingenieurs gewichen. " Nachdem der Tunnel einige Jahre stillgelegt war, sieht man ihn nur als Bauwerk." Ähnlich distanziert äußert sich Kollege Vorreyer: " Die Dichtigkeit ist nicht mehr gegeben, man hätte den Tunnel aufwendig sanieren müssen."

Statt Reparatur nun Totalabriss: Bis zu zehn Arbeiter kümmern sich zurzeit um Entkernung und Mülltrennung. " In zwei Wochen sind wir komplett mit der Entkernung fertig. Dann kommt der Betonabriss", sagt Vorreyer. Gleichzeitig werden die Wasser- und Stromleitungen umgelegt. Bereits entfernt worden ist die Sitzpyramide auf dem Neumarkt vor dem Landgericht.

Am kommenden Freitag wird sich das Erscheinungsbild am Neumarkt erneut verändern. Dann verlässt Zuckerbäcker Reinhard Coppenrath seine Filiale, in der sich gegenwärtig Umzugskartons türmen. " Wir sind am Zusammenpacken", sagt er. Eine neue Bleibe habe man noch nicht gefunden. " Wir sind dabei, in der Nähe des Neumarkts ein Ladenlokal zu suchen, und sind auch in Gesprächen. Noch ist es zu keinem positiven Abschluss gekommen", erklärt der Inhaber der Konditorei.

Laut Vertrag sollen die Arbeiten am Neumarkttunnel am 4. Oktober abgeschlossen sein. Statt des Tunnels wird künftig das neue Hasehaus diesen Platz prägen.

Bildtext:
Im Café Coppenrath stehen die Zeichen auf Aufbruch: Besitztümer sind in Kartons verpackt und zur Zwischenlagerung bereit.

Einst führte die Treppe am Kollegienweall in den Neumarkttunnel. Mitlerweile versperren Schutt und Müll, den die Arbeiter aus dem Inneren holen, den Zugang. Ein Bagger befördert den Unrat in die Mulde.

Foto:

Jörn Martens
Autor:
Nadine Grunewald


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