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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Vergangenheit hat uns umgehauen"
Zwischenüberschrift:
Schulklassenführungen und Theater zum Thema Zwangsarbeit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Museum Industriekultur bietet ab sofort Führungen für Schulklassen ab der 8. Jahrgangsstufe an, um über Schicksale sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter zu informieren. Einen ganz besonderen Einblick in das Thema bietet das Stück " Steinwalzer", das am 31. Mai Vorpremiere hat.
" Die Spur aufgenommen: Sowjetische Kriegsgefangene am Piesberg in Osnabrück" heißt eine Broschüre, die Schüler der Thomas-Morus-Schule unter der Leitung ihres Lehrers Felix Trentmann 2004 erarbeitet hatten. Das Museum Industriekultur hat diese Spur jetzt wieder aufgenommen, sagte Museumspädagoge Jan Tönnies bei der Vorstellung des neuen Angebotes. Viele der 2004 gesammelten Erkenntnisse hätten vertieft werden können. Einigen Personalkarten sowjetischer Kriegsgefangener konnten Fotos zugeordnet werden.
Das Lager am Piesberg sei zwar nur eines von vielen in Osnabrück gewesen, meint Trentmann. Durch Zeitzeugen aus ortsansässigen Familien hätten die Schüler seines Wahlpflichtkurses die Verbrechen an Kriegsgefangenen aufarbeiten können. Das hinterließ bei den Neuntklässlern nachhaltigen Eindruck, wie eines von vielen Zitaten zeigt: " Filme, Bücher über die damalige Zeit sind fern es hat uns umgehauen, so direkt mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden."
Ein neu entdecktes Verzeichnis von Hilfeleistungen im Verbandszimmer des damaligen Steinbruchs beweist die besondere Verachtung und Brutalität, mit denen speziell sowjetische Kriegsgefangene behandelt wurden: Während deutsche Arbeiter wie holländische und französische Zwangsarbeiter mit Namen aufgeführt wurden, steht bei den Verletzten aus der Sowjetunion allein " Russe". Dabei waren die Namen sehr wohl bekannt, wie die erhaltenen Personalkarten belegen.
Die Aussagen der Zeitzeugen spielen auch eine wichtige Rolle in dem Stück " Steinwalzer". Ein Firmenjubiläum im Piesberger Gesellschaftshaus gerät zu einer Reise in die Vergangenheit, in die Zeit der 1940er-Jahre, erzählt Regisseurin Katrin Orth vom Musiktheater Lupe. An der Bespielung von Originalschauplätzen mit Schauspiel, Video, Installation, Chormusik und Tanztheater sind 80 Mitglieder beteiligt. Jugendliche ebenso wie Senioren oder eine russische Band mit Sängerin.
" Auslöser für das Stück war der Wunsch des Piesberger Gesellschaftshauses, einen blinden Fleck in der Geschichte des Hauses sichtbar zu machen", erläutert Orth. Das Musiktheater Lupe habe durch die Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Augustaschacht großes Interesse an dem Thema " Zwangsarbeit" entdeckt. Durch den " Steinwalzer" solle ihm eine Leichtigkeit gegeben werden, " die es verdaulich macht". Das Stück solle berühren, aber auch unterhaltsam sein.
Das Stück kann (nicht allein Schülern) den Einstieg in ein Thema erleichtern, das auch fast 70 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus entsetzt. So etwa auch die " geheime Anordnung für die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener in allen Lagern des Reiches": " Auf flüchtige Kriegsgefangene ist sofort ohne vorherigen Halt ruf zu schießen. Schreckschüsse dürfen niemals abgegeben werden."
Aufführungen: 31. 5., 1., 7., 8., 14. und 15. 6., jeweils 20 Uhr: Schulaufführungen: 6. und 13. 6., jeweils 19 Uhr. Info unter www.piesberger-gesellschaftshaus.de

Bildtexte:
" Villa Italia" umzäunt von Stacheldraht. In dem Haus hinter dem Haseschachtgebäude schliefen Kriegsgefangene.

Regisseurin Katrin Orth (rechts) bei einer Probe mit Jugendlichen. Das Theaterstück " Steinwalzer" führt an Originalschauplätze am Piesberg: vom Gesellschaftshaus in den Stollen und zum Steinbrecher. Foto:

Fotos:
Marianne Clausmeier
Autor:
Ulrike Schmidt


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