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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Kaufleute für Bau eines Busbahnhofs
Zwischenüberschrift:
Initiative "Lebendiges Osnabrück": Statt Einkaufscenter eine "neue Mitte" am Neumarkt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die centerkritischen Kaufleute haben einen Gegenentwurf zum geplanten Einkaufszentrum am Neumarkt vorgelegt. Sie schlagen den Bau einer Tiefgarage und eines zentralen Busbahnhofs vor, der von Geschäftszeilen umgeben wäre. Die Brücke über den Neumarkt sollen zwei neue Eckgebäude schlagen. Das Projekt trägt auch schon einen Namen: " Die neue Mitte".

Die Initiative " Lebendiges Osnabrück", in der sich die Gegner der geplanten Neumarkt-Arkaden verbündet haben, geht damit erstmals in die Offensive. " Wir wollen eine echte Alternative aufzeigen", sagt Franz-Josef Westerholt (Prelle-Shop). Die Initiative wolle damit dem Vorwurf begegnen, sie sperre sich nur aus eigenem geschäftlichen Interesse gegen eine Entwicklung am Neumarkt. Westerholt: " Unser Ziel ist es, die Stadt voranzubringen. So ein Einkaufszentrum würde das nach unserer Ansicht nicht." Die Kaufleute beauftragten die Architekten und Stadtplaner Thomas und Hanno Garthaus mit einer Konzeptstudie.

Die Grundidee: Busse raus. Es wird kein Center gebaut, sondern die Fläche für eine Tiefgarage mit 400 Stellplätzen und einen zentralen Busbahnhof genutzt. Die Johannisstraße wird dem Konzept zufolge vom Busverkehr befreit und bekommt die Chance, sich zu einer höherwertigen Fußgängerzone zu entwickeln. Auch der Neumarkt könnte seinen Platzcharakter ohne Busse und Haltestelle besser entfalten, so die Initiative. Es bliebe überdies mehr Platz für die Bebauung des sogenannten Bauloses 2, das ist die Fläche vor dem Neumarkt-Carré (H& M), und auf dem Grünen Brink (wo heute Bussteige sind).

Keine zusätzlichen Verkaufsflächen. Rund um den neuen Bus-Platz könnten Geschäftsgebäude entstehen. Die gesamte Verkaufsfläche würde, gemessen an den heute in dem Quartier leer stehenden Verkaufsflächen, nicht vergrößert. Die Kaufleute schließen auch eine Wiederöffnung des stillgelegten Tunnelabschnitts nicht aus.

Fußgänger gehen oben oder unten. Die Kaufleute favorisieren grundsätzlich einen vierspurigen Neumarkt. Die Straße werde nicht als Barriere wirken, so die Planer, wenn den Fußgängern eine breite und lichte Passage unter dem Neumarkt hindurch geboten werde. Die Rampen sollen der Konzeptstudie zufolge Straßenbreite haben. Die sichtbare Klammer bilden zwei Eckgebäude: ein neues Haus vor dem Neumarkt-Carré (H& M) und ein Neubau anstelle des grünen Kachelhauses. Die Menschen sollen an Schaufensterfronten entlang durch die Unterführung geleitet werden.

Wenn der Neumarkt auf zwei Spuren reduziert wird wie es die aktuelle Beschlusslage des Rates vorgibt –, wäre nach Meinung der Kaufleute auch eine oberirdische Querung denkbar. " Uns ist bewusst, dass wir nicht den öffentlichen Raum überplanen können", sagt Franz-Josef Westerholt.

Die Grundstücksfrage ist ungeklärt. Der größte Teil der für Tiefgarage und Busbahnhof benötigten Fläche ist in der Hand von Centerentwickler mfi (Essen). Einige Grundstücke, darunter auch das Parkhaus an der Seminarstraße, hat das Unternehmen erworben, auf einige Kaufoptionen. Die Entwickler haben immer wieder betont, dass sie an Osnabrück trotz der schwierigen Rahmenbedingungen festhalten wollen, weil sie hier großes Potenzial sehen. Ziel von mfi ist, das Center im Herbst 2016 zu eröffnen.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit. Das Investitionsvolumen wird von den Schöpfern der Konzeptstudie auf 60 bis 100 Millionen Euro geschätzt. Genauere Angaben seien zurzeit noch nicht möglich. Eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsberechnung hat nach Angaben der Initiative ergeben, dass sich eine Investition rechnen kann. Voraussetzung ist der Bau der Tiefgarage mit mindestens 400 Stellplätzen. Die Planer sind überzeugt, dass ein Parkangebot in dieser zentralen Lage auch mit Blick auf Stadthalle und Schloss eine ausreichende Rendite abwerfen würde. Die Stadt könnte ihre Aufwendungen durch den Erlös aus dem Verkauf der Fläche vor H& M und am Grünen Brink kompensieren. Kosten für die Erneuerung der Johannisstraße sind nicht eigens einkalkuliert, weil die Straße ohnehin erneuert werden muss.

Gespräche mit potenziellen Investoren. Die Initiative hat erste Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, die grundsätzliches Interesse signalisiert haben, wie Franz-Josef Westerholt betont: " Wir wären sonst mit dieser Idee gar nicht an die Öffentlichkeit gegangen."

Wie geht es weiter? Die Kaufleute haben in den vergangenen Tagen die Fraktionen, die Stadtwerke und die Anlieger an der Johannisstraße und Seminarstraße informiert. In der kommenden Woche wollen sie auch den Anliegern der Johannisstraße und der Neustadt ihre Pläne vorstellen. Die Initiative will erreichen, dass die Idee als Alternative zum Centerplan in der weiteren politischen Beratung verfolgt wird.

Bildtext:
In der Mitte der Busbahnhof: So sieht der Gegenentwurf der Kaufmannsinitiative zum Einkaufscenter am Neumarkt aus. Grafik:

Grapfik:
GarthausArchitekten & Stadtplaner

Kommentar:
Eine Prüfung wert

Bislang konzentrierten sich die Aktionen der Initiative darauf, mit dem Kauf von Blockadegrundstücken die Entwicklung zu hemmen oder mit mehr oder weniger nachvollziehbaren Zahlen die potenziellen Gefahren eines Centers zu belegen. Es ist völlig legitim, dass sich die Kaufleute so gegen unliebsame Konkurrenz am anderen Ende der Fußgängerzone zur Wehr setzen.

Nun gehen sie mit einem Vorschlag in die Offensive, dem natürlich der Makel anhaftet, dass er interessengesteuert ist. Ganz gewiss würde sich in der Altstadt oder an der Großen Straße kein Handschlag für die Entwicklung des Neumarktes rühren, wenn es den Druck aus der Centerbranche nicht gäbe. Das disqualifiziert die Idee aber inhaltlich nicht. Sie verdient es, genauer betrachtet zu werden. Schon damit niemand hinterher sagen kann, man habe nicht alles überprüft.

Und als Erstes ist abzuklopfen, wie weit das Interesse potenzieller Investoren tatsächlich reicht. Zu prüfen ist auch, ob das Projekt " neue Mitte" möglicherweise mit einem anderen Centerplan kompatibel ist: Der Schuhgroßhandel Hamm arbeitet weiter mit Centerentwickler ECE an der Idee, an der Hase zwischen Möserstraße und Großer Straße ein Einkaufszentrum mit Anbindung an die Fußgängerzone zu bauen.

Die Zeit läuft gegen die Center-Kritiker, denn die Arbeit am Bebauungsplan muss davon unbeeindruckt weitergehen. Es kann nicht sein, dass jede neue Idee, die kurz vor Toresschluss auf den Tisch kommt, zu weiteren Verzögerungen bei der Neumarktentwicklung führt. Das wäre eine Blockade-Politik mit anderen Mitteln.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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