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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die Oberleitung ist wieder im Trend
Zwischenüberschrift:
Osnabrück will mit dem Trolleybus neue Fahrgäste gewinnen – In Riad fährt sogar die Königsfamilie Obus
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Vor 45 Jahren verschwanden die Oberleitungen aus dem Stadtbild von Osnabrück. Jetzt gibt es ernsthafte Überlegungen, ein neues Obussystem aufzubauen. Trolleybusse sind wieder im Trend, sogar im saudi-arabischen Riad.
Nach dem Ende der Straßenbahn waren die Obusse in Osnabrück für kurze Zeit die tragende Säule des öffentlichen Nahverkehrs. Ihre sklavische Abhängigkeit von der Oberleitung wurde ihnen aber zum Verhängnis. Ging der Kontakt zum Fahrdraht mal verloren, musste mühsam wieder eingefädelt werden.
Heute geht das mit elektronischer Hilfe vollautomatisch. Und der Elektroantrieb verspricht, das mit Feinstaub und Stickoxiden belastete Stadtzentrum von Abgasen zu verschonen. Dabei soll in der City sogar auf die Oberleitung verzichtet werden.
Die Busse der neuen Generation können mehrere Kilometer im Batteriebetrieb zurücklegen und sich außerhalb der Innenstadt aufladen, wie der Nahverkehrsspezialist Uwe Kloppe betont. In seinem Gutachten schlägt er der Stadt Osnabrück den Systemwechsel mit konsequenter Busbeschleunigung vor. So soll die Zahl der Fahrgäste um 20 Prozent erhöht werden.
Drei Städte in Deutschland Solingen, Esslingen und Eberswalde sind der Oberleitung in all den Jahren treu geblieben. " Stangentaxi" werden die Trolleybusse in der Klingenstadt Solingen genannt, wo sie seit 1952 zum Straßenbild gehören. Das Obusnetz ist knapp 57 Kilometer lang.
In Solingen verlangen manche Steigungen den Bussen deutlich mehr ab als der schon recht steile Schinkelberg im gleich großen Osnabrück. Kein Problem für die Obusse, sagt Peter Hanz, Leiter der Solinger Verkehrsbetriebe. Der Elektromotor wirke direkt auf die Achse, da mache die Bergfahrt richtig Spaß.
Noch vor einem Jahrzehnt seien die Solinger Verkehrsbetriebe wegen ihrer Obusse oft belächelt worden. " Heute wird man eher beneidet", vermerkt Hanz triumphierend. Schon allein wegen der Betriebskosten, weil der Strom deutlich preiswerter sei als der Dieseltreibstoff.
Den einzigen Nachteil des Trolleybussystems sieht der Solinger Betriebsleiter in der Optik: " Oberleitungsbusse sind beliebt, die Oberleitung nicht." Dabei beeinträchtige der Anblick des allgegenwärtigen Autoblechs das Straßenbild doch viel gravierender als der Draht am Himmel. Zumal es schon Fahrleitungen gebe, die sich auf elegante Weise mit der Straßenbeleuchtung kombinieren ließen.
In den 90er-Jahren wären die Obusse in Solingen beinahe abgeschafft worden. Aus Kostengründen, wie es damals hieß. Aber der Widerstand von Bürgern und Politikern vereitelte die Demontage.
In Esslingen am Neckar drohte das Ende der Trolleybusse schon 1974, weil der nicht mehr zeitgemäße Fahrzeugpark hohe Betriebskosten verursachte. Der Obus überlebte letztlich durch ein Forschungsprojekt, zu dessen Strippenziehern der damalige Staatssekretär und spätere Forschungsminister Volker Hauff (SPD) gehörte.
So entstand der Duobus, ein Oberleitungsbus von Daimler-Benz mit großer Batterie, der sich auch außerhalb des elektrifizierten Netzes bewegen konnte. Das Experiment missglückte zwar, weil sich die riesigen Akkumulatoren als kurzlebig und wartungsintensiv erwiesen. Aber der Impuls rettete das Esslinger Obussystem in eine neue Zeit.
" Angesichts der Debatte über den Klimaschutz ist man heute aber froh, dass man die Leitungen nicht gekappt hat", schrieb die Esslinger Zeitung erst vor wenigen Monaten. Inzwischen schaue sogar manches Stadtoberhaupt neidisch nach Esslingen.
Weltweit gibt es heute etwa 300 Städte, in denen das Obussystem überlebt hat, die meisten davon in Osteuropa und Asien. Allein in Russland sind es 85. Trolleybusse älterer Bauart rollen auch durch Osnabrücks Partnerstadt Twer. Über die größten Oberleitungsbusnetze in Westeuropa verfügen Athen und Salzburg.
Verkehrsexperten wie Uwe Kloppe sehen im Oberleitungsbus das ideale Verkehrsmittel für viele Städte, die auf Elektromobilität, aber nicht auf die teure Straßenbahn setzen. In der saudi-arabischen Hauptstadt Riad entsteht eine elf Kilometer lange Obusstrecke
auf dem neuen Medizin-Campus der König-Saud-Universität. Das weitläufige Areal ist autofrei und soll mit den Trolleybussen im Dreiminutentakt erschlossen werden.
Zwölf hochmoderne niederflurige Oberleitungsgelenkbusse mit Heißlandklimaanlagen haben die Saudis beim deutschen Hersteller Viseon bezogen: zehn für den Betrieb, ein Ersatzfahrzeug und ein Exemplar mit Luxusausstattung für die königliche Familie. Eine Besonderheit der Riad-Flotte ist übrigens das separate Damenabteil im Heck.
Eigentlich sollte die neue Campus-Linie schon vor einem Jahr in Betrieb gehen. Aber die zwölf Obusse stehen ungenutzt im Depot. Warum das so ist, erklärt Viseon-Pressesprecher Andreas Lubitz: " Leider verzögern sich die Bauarbeiten an den Universitätsgebäuden, sodass der Uni-Betrieb noch nicht aufgenommen wurde. Daher gibt es auch noch keine Erfahrungen mit den modernen Trolleybussen."

Bildtext:
Salzburg hat das zweitgrößte Obussystem in Westeuropa und Fahrzeuge der neuesten Generation.

Oberleitungsbusse gibt es weltweit in etwa 300 Städten. Eine davon ist São Paulo in Brasilien.

Sieht aus wie eine Straßenbahn auf Rädern: ein moderner Trolleybus des belgischen Herstellers Vanhool.

Zwölf Trolleybusse hat der deutsche Hersteller Viseon nach Saudi-Arabien geliefert. Sie verfügen jeweils über ein separates Damenabteil im Heck.

Fotos:
Obussalzburg/ Ronaldo dos Santos/ Vanhool/ Viseon (Montage)
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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