User Online: 2 | Timeout: 11:35Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Neuer Obus soll den Nahverkehr sexy machen
Zwischenüberschrift:
20 Prozent mehr Fahrgäste sind das Ziel: Gutachter schlagen Systemwechsel vor
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Stadtbus der Zukunft fährt elektrisch. Eine Machbarkeitsstudie des Gutachterbüros Lindschulte & Kloppe rät zum Abschied vom Dieselmotor. Empfohlen werden Oberleitungsbusse, die in der Innenstadt auf Batteriebetrieb umschalten können. Den Nahverkehrsstrategen geht es um mehr als die Antriebsart. Sie planen einen umfassenden Systemwechsel und geben die Idee von der Straßenbahn damit auf.

Großräumige E-Busse sollen die Hauptlinien bedienen, für die Erschließung der Stadtteile stehen kleinere Fahrzeuge an den Endhaltestellen bereit. So stellen sich die Planer den öffentlichen Nahverkehr der nächsten zwei oder drei Jahrzehnte vor. In Auftrag gegeben wurde die Machbarkeitsstudie des Düsseldorfer Ingenieurbüros Lindschulte & Kloppe von der Stadt Osnabrück und der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos). Aufgeführt werden Fakten und Vergleiche, zwischen den Zeilen schwingen Emotionen mit.

" Es muss Spaß machen, in die Stadt zu kommen, sagt Planos-Geschäftsführer Stephan Rolfes, der den modernen Obus schon seit Jahren favorisiert. Das Nahverkehrssystem der Zukunft müsse attraktiv, bezahlbar und umweltgerecht sein. Von der Systemumstellung verspricht er sich einen Zuwachs an Fahrgästen: " Wir wollen 20 Prozent mehr, ich bin mir sicher, da geht was."

Dieses Ziel halten die Gutachter für erreichbar. Auch wenn klar ist, dass kein Autofahrer in den Bus steigt, nur weil statt der Kolben Elektromagnete die Antriebsarbeit verrichten. Gutachter Uwe Kloppe setzt auf die Kraft des Neuanfangs, auf Ampelvorrangschaltungen und Busspuren auch zulasten des Autoverkehrs. Alles Schritte, die sich im laufenden Betrieb nicht so einfach durchsetzen lassen wie bei einem Systemwechsel.

Busfahren soll sexy sein, in schicken Großraumfahrzeugen, leise und komfortabel. Das ist die Vision: Im Zehnminutentakt geht es auf den Hauptachsen nach Belm, Voxtrup oder Hellern. Perfekt abgestimmte Umsteigeverbindungen erwarten die Fahrgäste, ihre Anschlussinformationen können sie in Echtzeit auf dem Smartphone oder im Display nachlesen. Und wer nicht ohne sein Auto auskommt, kann es auf dem Park+ Ride-Platz an der Endstation abstellen.

Solche Annehmlichkeiten würden auch mit dem Dieselbus funktionieren. Die Machbarkeitsstudie lässt ihn aber ziemlich alt aussehen, weil er laut ist, die Abgasstandards nur mit Mühe erreicht, dabei aber mehr Sprit schluckt und tendenziell immer höhere Betriebskosten verursacht.

Beim Obus schlägt der Preis für den Systemwechsel mit 94 Millionen Euro zwar viel stärker zu Buche, die Nahverkehrsplaner hoffen jedoch auf die großzügige Förderung aus Bundes- und Landesmitteln für die Elektromobilität. Nach dem Gutachten des Düsseldorfer Ingenieurbüros Lindschulte & Kloppe sind die Betriebskosten für den Obus deutlich günstiger als für den Dieselbus, weil der Strom trotz der aktuellen Aufwärtsentwicklung immer noch deutlich billiger sei als der Sprit.

Davon profitiert auch Kandidatin Nr. 3, die Straßenbahn. In der Machbarkeitsstudie aus Düsseldorf wird ihr zugestanden, dass sie mehr Fahrgäste auf den Geschmack des öffentlichen Nahverkehrs bringt als jeder Bus. Aber dieser Vorzug hat seinen Preis: 320 bis 380 Millionen Euro würde es nach Einschätzung der Gutachter kosten, ein Straßenbahnsystem in Osnabrück zu installieren. Allerdings mit einem Netz, das nur 20 oder 25 Kilometer lang wäre was nicht einmal der Hälfte des angepeilten Obusnetzes entspräche.

Für die Straßenbahn sehen die Gutachter in Osnabrück zu viele Hindernisse. Einem großzügigen Netzausbau stehen Eisenbahnbrücken im Weg, die nur mit extrem hohen Kosten auf die erforderliche Durchfahrtshöhe gebracht werden könnten. Ein weiteres Handicap ist die Steigung der Bremer Straße, die nur mit teurer Zusatzausstattung zu meistern wäre. Generell, so rechnen Kloppe und Kollegen vor, sei die Straßenbahn für die meisten Linien in Osnabrück überdimensioniert.

Mit dem Gutachten wird sich jetzt der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt befassen. Die Weichen für das Nahverkehrssystem der Zukunft stellt der Rat.

Bildtext:
Busfahren soll Spaß machen: Schickes Design, leise Motoren und viel Komfort versprechen moderne Oberleitungsbusse.

Foto:
Viseon

Kommentar:
52 Kilometer Oberleitung, aber im Batteriebetrieb durch die Innenstadt

Ein moderner Obus kann im Batteriebetrieb auch fünf oder sechs Kilometer ohne Oberleitung fahren.

Darauf setzt die Planos, die zusammen mit der Stadt Osnabrück die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben hat. In der Innenstadt sollen keine Oberleitungen verlegt werden, der Ausbau würde erst jenseits des Wallrings beginnen. An einigen Stellen wie der Bremer Straße erscheint es den Planern sinnvoll, die Leitungen erst jenseits der Eisenbahnbrücken zu installieren. Die Gutachter des Ingenieurbüros Lindschulte & Kloppe schlagen vor, in Osnabrück ein Netz von elf Hauptlinien mit 52 km Oberleitung aufzubauen.

Für die gesamte Systemumstellung einschließlich der 38 Busse werden 94 Millionen Euro veranschlagt. Eine Förderung in Höhe von 70 Prozent oder mehr durch Bund und Land sei realistisch, sagt Martin Meyer-Luu von der Planos. Wenn jetzt die Weichen für das Obussystem gestellt würden, könne 2016 mit dem Bau begonnen werden. Jetzt muss die Politik entscheiden.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste