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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Bald wird alles endgültig zerstört
Zwischenüberschrift:
Archäologen räumen das Grabungsgelände am Carolinum – Morgen Besuchertag
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Acht Monate hatten die Archäologen die Gelegenheit, auf dem Gelände des Carolinums ein Fenster in die Entwicklungsgeschichte Osnabrücks zu öffnen. Zwischen dem Altbau der Schule und dem Hellingsturm nahe der Hase wurden über 200 Funde mit siedlungsgeschichtlicher Bedeutung gemacht. Nach dem " Tag der offenen Grabung" am morgigen Sonntag wird sich das Fenster wieder schließen.
Bis vor einiger Zeit hat sich an der Stelle des heutigen Grabungsfeldes die alte Sporthalle des Gymnasiums befunden. Zum großen Glück für die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisarchäologie war das Gebäude bei der Erbauung auf eine Bodenplatte aus Beton gestellt worden, wodurch alle darunterliegenden Bodenschichten nahezu unversehrt blieben.
" Das hat uns in die Lage versetzt, uns in die Geschichte dieses Geländes graben zu können", sagte Ellinor Fischer, eine der beiden Leiterinnen der im September vergangenen Jahres begonnenen Grabung. Auf dem etwa 1000 Quadratmeter messenden Areal haben die Wissenschaftler viele Erkenntnisse aus der Zeit zwischen dem 13. bis zum 17. Jahrhundert sammeln können.
Dieser Zeitraum ist von besonderer Bedeutung, zog sich doch damals der Osnabrücker Bischof aus diesem Teil der Stadt zurück und nahm Wohnung auf dem Martinshof in der Neustadt. Das Gelände zwischen dem heutigen Dom und der Hase wurde in Parzellen aufgeteilt und an Privatleute verkauft, der bischöfliche Stuhl hielt sich aber ein Rückkaufsrecht vor.
Angefangen vom Altbau des Carolinums haben sich die Archäologen in Richtung Hase vorgegraben. Zutage kam unter anderem ein mit Sandsteinplatten abgedeckter Kanal, der vermutlich Abwasser aus der Küche des im ausgehenden 17. Jahrhundert von den Jesuiten geleiteten Gymnasiums abführte. Freigelegt wurde auch die Einfassung eines kleinen Brunnens am Hellingsturm. An diesem Teil der Stadtmauer hatte sich die Turmbesatzung mit frischem Wasser versorgen können.
Gefunden wurden ebenso mehrere Kloaken, aus denen Funde wie Tonkrüge, Butzenglasscheiben und andere Artikel des täglichen Gebrauchs jener Zeit geborgen werden konnten. Kugeltöpfe des Frühmittelalters oder Ofenkacheln aus der Renaissance die Vielfalt ist enorm. Diese Funde werden in einer Nachbereitung der Grabung ausgewertet, datiert und katalogisiert werden.
Die meisten der Befunde werden für die Nachwelt nur als Fotos, Skizzen oder in einer Beschreibung erhalten. Anfang Mai werden die Bagger anrücken und den Neubau der Sporthalle beginnen. Diese wird anders als ihre Vorgängerin unterkellert, wobei dann vieles im Boden unwiederbringlich zerstört werden wird. So auch die Holzeinfassungen der Kloaken, die Jahrhunderte überdauert haben, weil der feuchte Boden sie konserviert hatte.
Rätselhaft war für die Archäologen eine Reihe unregelmäßig runder Veränderungen im Boden, manchmal bis zu 50 Zentimeter im Durchmesser. " Der Boden war anders gefärbt und seine Struktur völlig anders", beschrieb Sara Snowadsky, die andere Grabungsleiterin. Erst nach einigen Untersuchungen kam heraus, dass dies Zeugnisse aus der jüngeren Geschichte waren. " Es waren die Auswirkungen von Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg, die Häuserdächer durchschlugen und noch fast zwei Meter tief in den Boden eindrangen, wo sie das Erdreich zu Schotter zusammenschmolzen."
Am morgigen Sonntag wird die Ausgrabung noch einmal von 10 bis 17 Uhr für jedermann geöffnet sein, stündlich werden dann Führungen angeboten.

Bildtext:
So viele Befunde bringt eine Ausgrabung nur selten zutage: Die beiden Projektleiterinnen Sara Snowadsky (links) und Ellinor Fischer sind zufrieden mit den archäologischen Forschungen am Carolinum in Osnabrück.

Fotos:
Gert Westdörp
Autor:
iza


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