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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schlummern in früherer Amtsstube
Zwischenüberschrift:
Hotel Westermann an der Ecke Sutthauser/Koksche Straße besteht seit 137 Jahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " 100 Jahre Westermann / zeig mir den, der′s länger kann / versucht haben′s viele ohne Frage / doch meistens gab′s ne Niederlage." So reimte ein Jubiläumsgast 1975. Seitdem sind 37 Jahre vergangen, und die Inhaber haben es weiterhin verstanden, das Haus ohne Niederlage durch stürmische Zeiten zu führen.

Heinrich Heinrich Wolfgang Thorsten, so lautet die Abfolge der Vornamen der männlichen Namensträger in der Hoteliersfamilie Westermann über vier Generationen. Heinrich der Erste eröffnete 1875 an der Ecke von Kokscher und Sutthauser Straße eine Gastwirtschaft mit Logis nebst " Colonialwaarenhandlung" und Ausspann für 25 Pferde. Urenkel Thorsten und seine Frau Monika sind heute die Herrscher über 110 Betten in 52 Zimmern.

Pferdeställe gibt es nicht mehr, wohl aber einen angesichts des eng bebauten Quartiers erstaunlich großen Hotel-Parkplatz, auf dem drei große Reisebusse gleichzeitig Platz finden. Irgendwie müssen die Gäste ja herangeschafft werden. Die Zeiten, als der Hoteldiener mit Gepäckkarren die avisierten Gäste vom Bahnhof abholte, sind schließlich vorbei.

Die Ansichtskarte aus dem Jahr 1904 zeigt einen stattlichen Eckbau im Stil des Historismus, der den Rosenplatz nach Südwesten hin abschließt und gleichzeitig das Entrée in die Sutthauser Straße beherrscht, die im weiteren Verlauf die Fotografie zeigt es mit eher schlichten Vorstadthäusern bebaut ist. Jahrzehntelang spielte sich der Rosenplatz-Wochenmarkt direkt vor den Türen der Gaststätte ab. Auch Händler und Gewerbetreibende von außerhalb beschickten ihn. Sie fanden bei Heinrich Westermann und Ehefrau Friederike, geborene Hauswörmann, das passende Logis direkt am Geschehen.

Beim Blättern im historischen Album weist Thorsten Westermann auf ein Foto, das eine Reihe von dreifach bespannten Langholz-Fuhrwerken vor der Gaststätte geparkt zeigt. " Das sind die Holzfäller, die die Stämme aus dem Teutoburger Wald zu den Sägewerken in der Stadt brachten. Die mussten nach der anstrengenden Fahrt hier erst mal Pause machen." Das weiß der 50-Jährige aus den Erzählungen seiner Großmutter Clara, die ihren Ehemann um 36 Jahre überlebte und noch viel aus den alten Zeiten zu berichten wusste, bevor sie 1973 starb. Von ihr erfuhr er auch, dass der Urgroßvater eigens einen Pferdemeister eingestellt hatte, der sich um die bis zu 25 Pferde in den Boxen auf dem Stallhof kümmern musste.

Palmsonntag 1945 ging das Eckhaus im Bombenhagel unter. Thorstens Vater Wolfgang und Mutter Auguste bauten gleich nebenan, auf der Fläche des ehemaligen Stallhofs Koksche Straße 3, ein neues Hotelgebäude mit 30 Betten. Um die Belegung brauchten sie sich nicht zu sorgen, Betten waren in der noch kriegsgeschwächten Osnabrücker Hotellerie Mangelware. Gleichwohl blieben die Westermanns bei ihrer über Generationen bewährten kaufmännischen Vorsicht und entschieden sich 1959, als eine Neubebauung der alten Hotelfläche auf dem Eckgrundstück anstand, zunächst für die konstantere Einnahmequelle eines Bürohauses. Das Niedersächsische Kulturamt, später Amt für Agrarstruktur, belegte die 1400 Quadratmeter an neu geschaffenen Büroflächen.

1994 ging diese Phase zu Ende, weil das Amt in landeseigene Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen General-Martini-Kaserne umzog. Thorsten und seine Ehefrau Monika, als gelernte Sparkassenkauffrau die Finanzchefin des Unternehmens, wagten zusammen mit Mutter Auguste den großen Wurf, nahmen zwei Millionen D-Mark in die Hand und bauten das Bürogebäude zu einem Hotel mit 31 Zimmern um. Wo zuvor Landesbeamte Verkoppelungen und Flurbereinigungen auf den Weg gebracht hatten, schlummerten nun bis zu 60 Hotelgäste. Damit nicht genug: Kaum war das Eckgebäude fertig, begann der zweite Bauabschnitt mit der Renovierung des Gebäudes an der Kokschen Straße. Ein neuer Restaurantbereich und zeitgemäße Tagungsräume runden seitdem das Angebot des Hotels Westermann ab, das mit seinen insgesamt 110 Betten zu den sechs größten in Osnabrück gehört.

Und wie bekommt man Nacht für Nacht die Betten voll? " Sehr wichtig sind für uns Osnabrücker Großunternehmen, die hier am Firmensitz ihre Mitarbeiter aus allen Gegenden Deutschlands zu Schulungen zusammenziehen", sagt Thorsten Westermann. Genauso gehören Handelsreisende zu den Stammkunden: " Als der VfL noch in der 2. Liga spielte, konnten wir immer genau erkennen, wie die Vertreter ihre Touren so legten, dass sie die Auswärtsspiele ihrer Mannschaft hier in Osnabrück mitbekamen. Die stürmten dann in Schlips und Kragen auf ihr Zimmer und kamen fünf Minuten später mit Fan-Schal und Tröte wieder herunter." Auch aktive Sportler steigen regelmäßig bei Westermann ab. Sind es Basketballer, dann wissen die Zimmermädchen schon, dass am nächsten Morgen alle Matratzen auf dem Fußboden liegen, erzählt Thorsten Westermann: " Bei deren Körperlänge treten sie sonst die Bettgestelle auseinander."

Bildtexte:
Das Hotel Westermann im Jahr 1904 vom Rosenplatz aus blickt man links in die Sutthauser Straße. Rechts mündet die Koksche Straße ein.

Als größtes Hotel der Südstadt hat Westermann sich heute entlang beider Straßen ausgedehnt.

Foto:
Joachim Dierks/ Ansichtskarte des Verlags B. Fickers (Sammlung Helmuth Riecken)
Autor:
Joachim Dierks


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