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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Markige Worte zur Jahrhundertfeier
Zwischenüberschrift:
Im März 1913 gedachten die Osnabrücker der Befreiungskriege gegen Napoleon
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Prall gefüllt waren die beiden großen Säle der Stadthalle am Kollegienwall, als die Osnabrücker Kriegervereine zur " Jahrhundertfeier″ am 10. März 1913 einluden. Die Spitzen der Behörden und des Militärs wohnten dem " fast zu reichhaltigen Programm″ der Gedenkfeier bei, die zu einer pompösen nationalen Kundgebung am Jahrestag der " Erhebung Preußens″, des Beginns der Befreiungskriege gegen die französische Besetzung, hochstilisiert wurde.

Die Vereinigten Kriegergesangvereine und die Turner des OTV boten ihr Bestes, wie das Osnabrücker Tageblatt schrieb, und als Solisten " erfreuten und entzückten″ Oberleutnant Schwartze und Fräulein Bornholt mit ihren gesanglichen Gaben. Frau Luise Thorade trug das Gedicht " Das Volk ist erwacht″ vor. Darin wurde voll tiefer Trauer die Schmach und Erniedrigung des Volkes geschildert, sodann voll Jubel sein Erwachen und seine Befreiung vom französischen Joch verkündet. Zum Schluss hieß es, dass auch unsere Zeit ihren Mann stehen werde, wenn wieder wie damals das Vaterland rufe. Da habe der Beifall in der Stadthalle kein Ende nehmen wollen. Geheimrat Kromschröder ergriff anschließend das Wort, gedachte " mit Verehrung und Dankbarkeit″ des obersten Kriegsherrn und stimmte ein dreifaches Kaiser-Hoch an. Oberlehrer Dr. Kunsemüller hielt " in markigen Worten und hohem Redeschwunge″ die Festrede, in der er die " unvergleichlichen Ereignisse der großen Zeit von 1813″ aufzählte, als eine freie Nation " todesmutig für Herd und Heimat″ gerungen habe.

Am Vormittag hatte Oberst Freiherr von Hanstein im Namen der Garnison einen Lorbeerkranz am Waterloo-Tor niedergelegt. Ein weiterer Kranz der Kriegersanitätskolonne und militärisch präzise ausgeführte Girlanden schmückten das Tor, die neu vergoldeten Lettern der Widmungs-Inschrift glänzten in der Sonne. Ein Doppelposten blieb bis zum Abend am Tor aufgezogen. Alle öffentlichen und zahlreichen Privatgebäude trugen Flaggenschmuck. Auf dem Domhof fand eine große Militärparade des Infanterie-Regiments 78 und des Artillerie-Regiments 62 statt. Von der Artilleriekaserne auf dem Westerberg donnerten 101 Kanonenschüsse herüber.

Durchhaltewille

Passend zur Hundertjahrfeier gab das Stadttheater das Schauspiel " Colberg″ von Paul Heyse. Darin wird der Durchhaltewille der pommerschen Verteidiger bei krasser Unterzahl gegen die französischen Belagerer verherrlicht. " Gespielt wurde im Allgemeinen recht flott″, schreibt der Rezensent des Tageblattes. Er bemängelt allerdings, dass der Schauspieler Ernst Promoli (Major von Gneisenau) zu wenig akzentuiert gesprochen habe, sodass den Zuhörern sehr viel vom Text verloren ging. Von Nachteil sei auch gewesen, dass Hedda Schramm (Maria) nicht gut bei Stimme war. In Momenten höchster Leidenschaft versagte das Organ seinen Dienst, " wodurch der Eindruck ihres Spiels mehrfach Einbuße erlitt.″ Ein weiterer Jahrestag mit zwei Nullen am Ende fällt in den März 1913: Dreihundert Jahre zuvor legte der Große Stadtbrand weite Teile Osnabrücks in Schutt und Asche. In einem Gedenkgottesdienst in St. Marien erinnerte Pastor Bodensieck an den 11. März 1613, einen Sonntag, als um elf Uhr vormittags am Hegertor dicht hinter dem Stadtwall eine Feuersäule emporstieg. Vom Weststurm gepeitscht, breitete sich der Brand rasend schnell über die Altstadt aus. 900 Häuser brannten nieder, und fast ebenso viele Familien waren mit einem Schlage bettelarm und obdachlos.

Der Geheime Regierungsrat Carl Diercke ist in Wilmersdorf gestorben. Das ist auch für den Lokalteil der Zeitung eine längere Meldung wert, weil der Pädagoge und Kartograf von 1885 bis 1899 in Osnabrück lebte und Direktor des Evangelischen Lehrerseminars war. Er habe hier eine große Zahl tüchtiger Volksschullehrer herangebildet, die " mit innigster Liebe und Dankbarkeit an ihm hängen″, schreibt das Osnabrücker Tageblatt. Der Herausgeber von Diercke′s Schulatlas sei damals nur sehr ungern von Osnabrück weggegangen. Seit 1984 erinnert der Dierckeweg im Stadtteil Schölerberg an die Osnabrücker Schaffenszeit des 70 Jahre alt gewordenen Regierungs- und Schulrats.

Vor hundert Jahren kam das März-Wetter wohl noch unfreundlicher daher als heute. Unter der Überschrift " Frühlingsstürme″ werden die Folgen des orkanartigen kalten Windes beschrieben: An der Ecke Große Straße/ Hamkenstraße drückte der Sturm eine große Schaufensterscheibe entzwei, die klirrend auf dem Fußsteig zerschellte. Auch mehrere Fensterscheiben der Katharinenkirche fielen dem Unwetter zum Opfer.

Aufgebote

Bei den standesamtlichen Nachrichten trifft man häufig auf heute nicht mehr gängige Berufsbezeichnungen. Das Aufgebot bestellten etwa der Rangierer Ernst Beckmann in Schinkel, der Hausierer Wilhelm Schmelzer aus Münster oder der Büchsenmacher Edmund Beyer. Hoteldiener Karl Stock, hier, beabsichtigt, Luise Müller aus Uchte zu heiraten, Steinbruchsarbeiter Joseph Masbaum aus Powe die Dienstmagd Anna Wellmann aus Hollage.

Ein seltenes Missgeschick widerfuhr einem Müller in der Landgemeinde Ibbenbüren. Er wählte für die Aufbewahrung seiner nicht unbedeutenden Tageskasse einen ungeeigneten Ort, nämlich einen Getreidesack. Versehentlich schüttete er Münzgeld und Getreide in den Mahlgang, der dadurch bald zum Stillstand kam. Da war es aber schon um die Münzen geschehen. Sie wurden so stark beschädigt, dass sie keinen Wert mehr hatten.

Bildtext:
Mit einer nationalen Gedenkfeier vor dem Heger Tor wurde vor 100 Jahren an den 10. März 1813 erinnert, der in Preußen zum Tag der Kriegswende in den Befreiungskriegen gegen Napoleon erklärt wurde.

Foto:
Archiv Lichtenberg
Autor:
Joachim Dierks


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