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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Elefanten kommen nicht nach Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Tests weisen Tuberkulose-Antikörper in Emmener Tieren nach
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Das ist ein Schlag ins Kontor: Tiermedizinische Untersuchungen haben bei zwei der Asiatischen Elefanten, die eigentlich in diesen Tagen aus Emmen nach Osnabrück reisen sollten, Tuberkulose-Antikörper festgestellt. Im Klartext heißt das: Die Tiere waren oder sind mit der ansteckenden Krankheit infiziert. Genaueres müssen weitere Tests zeigen. Nur eines ist klar die Dickhäuter bleiben, wo sie sind.

" Die Tiere sind putzmunter, sehr agil und kerngesund." Zoodirektor Michael Boer beschreibt das Sichtbare und weiß gleichzeitig um die Gefahren des Unsichtbaren. Betroffen seien die Anführerin der Elefantenfamilie, Htoo Yin Aye, und ihr fünf Jahre alter Sohn. Nur die beiden seien bislang positiv gestestet worden. Die Tests der anderen zwei für Osnabrück vorgesehen Tiere seien negativ. Ob nun tatsächlich eine Tuberkuloseerkrankung vorliegt, können nur weiter gehende, sehr aufwendige und vor allem langwierige Tests zeigen.

" Wir gehen auf Nummer sicher und holen die Tiere nicht hierher", sagt Boer. Man wolle kein Risiko eingehen. Zwar sei die Krankheit, wenn sie denn ausbrechen sollte, behandelbar, der Aufwand aber erheblich. Erkrankte Tiere müssten separiert und Schutzvorkehrungen getroffen werden. Die Kosten für eine Tuberkulosebehandlung bei Elefanten schätzt Boer auf 100 000 Euro pro Tier.

Aus medizinischer Sicht stellt sich die Situation laut Boer so dar: Die nachgewiesenen Antikörper deuten auf inaktive Tuberkel im Körper der Tiere hin. Ein gesunder Organismus kann sich damit ein Leben lang ohne einen Ausbruch der Krankheit auseinandersetzen. Bekommt das Immunsystem aber zum Beispiel durch eine Erkältung oder eine andere Krankheit einen Knacks, kann die Tuberkulose ausbrechen. Eine Rüsselspülung, bei der den Elefanten Sekret entnommen wird, kann Klarheit darüber liefern, ob die Tiere tatsächlich Träger von Tuberkulosebakterien sind. Aus dem Sekret werden Kulturen angelegt, die zwei bis drei Monate wachsen müssen. Erst dann ist der Nachweis über eine Erkrankung bzw. Nichterkrankung geführt. " Es ist durchaus möglich, dass die Tiere sich schon unbemerkt mit einer Tuberkulose auseinandergesetzt und die Infektion überstanden haben", erläutert Boer. Aber in keinem Fall wolle man auf dem Schölerberg ein Risiko eingehen.

Wie geht es denn nun weiter? Zumindest einen Elefanten wird es in Osnabrück immer geben. Zunächst ist das noch Tutume. Der Bulle hat zwar schon ein Ticket für Kanada, bleibt aber so lange in Osnabrück bis Luka, ein asiatischer Bulle, der zurzeit noch im spanischen Benidorm seinen Wohnsitz hat, untersucht, für gesund befunden und startklar für die Reise ist. Und noch eines ist unumstößlich: Der Zoo Osnabrück wird Aufzuchtstation für Asiatische Elefanten. Martin van Wees, EEP-Zuchtbuchkoordinator für Asiatische Elefanten aus dem Zoo Rotterdam: " Wir stehen mit allen Zoos, die Asiatische Elefanten halten, in Kontakt. Sobald eine passende Kuh ein neues Zuhause sucht, ist Osnabrück an erster Stelle. Bis dahin können wir sehr gut einigen Jungbullen hier ein Zuhause bieten, denn für diese suchen wir regelmäßig neue Unterkünfte, wenn sie von ihrer Familie wegmüssen." Das kann laut Boer, der eng mit der EEP, Veterinärmedizinern, Amtstierärzten und den hauseigenen Gremien zusammenarbeitet, sehr schnell gehen.

Boer liegt viel an den Asiatischen Elefanten, die mit nur noch etwa 30 000 in freier Wildbahn lebenden Tieren und immer weiter schrumpfendem Lebensraum wesentlich gefährdeter sind als die Afrikanischen (etwa 600 000 Tiere in freier Wildbahn). Um eine genetisch eigenständige Population in Europa zu etablieren, braucht die EEP noch zwei Zuchtstationen. Eine davon wird in Osnabrück sein.

Bildtext:
Acht Asiatische Elefanten leben im Zoo Emmen. Sie müssen nun alle auf Tuberkulose untersucht werden.

Foto:
Zoo Emmen

Kommentar
Keine Wahl

Zoobesucher müssen noch ein wenig auf eine neue Elefantenherde warten. Das ist bitter, aber nicht zu ändern. Die Verantwortlichen auf dem Schölerberg tun gut daran, jedes Risiko zu vermeiden. Auch im Sinne der Tiere.

Das eigentliche Problem haben die Verantwortlichen in Emmen, die sich nun Sorgen um ihre Elefantenherde machen müssen. Ihnen bleibt zu wünschen, dass die Tests ergeben, dass ihre Tiere gesund sind. In Osnabrück hatte man jedenfalls keine andere Wahl, als die Übernahme der Tiere abzulehnen.
Autor:
Dietmar Kröger


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