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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Saubermänner trotzen dem Regen
Zwischenüberschrift:
2. Osnabrücker Stadtputztag mit mehr als 1000 Freiwilligen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der 2. Osnabrücker Stadtputztag war am Samstag trotz Dauerregens ein voller Erfolg. Weit mehr als 1000 Freiwillige beteiligten sich am Frühjahrsputz. Dabei waren Bürgervereine, Nachbarschaftsinitiativen, Moscheegemeinden und die freiwillige Feuerwehr. Sie lasen allerlei Unrat von der Straße auf: von Flaschen über Scheibenwischer und Autoreifen bis zu Fahrrädern.

Den größten Erfolg hat beim Großreinemachen am Samstagmorgen wohl der Bürgerverein Schinkel. Mehr als ein Dutzend Freiwillige versammeln sich um 10 Uhr am Haseuferweg. Neben den Abfallsäcken und den gelben Handschuhen, die der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) zur Verfügung stellt, bringen sie Bollerwagen mit. Diese werden sie auch dringend brauchen. Auf dem eineinhalb Kilometer langen Abschnitt von der Schellenbergbrücke bis zum Dibag-Bürogebäude machen sie fette Beute. Am Regenrückhaltebecken an der alten Hase zieht der Vorsitzende des Bürgervereins, Carsten Friderici, einen verrosteten Stuhl heraus. An einem Auenwäldchen finden sie einen Autoreifen, mehrere Säcke mit Kleidung und ein gut erhaltenes Damenfahrrad samt Rückspiegel. " So viel Müll in so einem geschützten Biotop zu finden, das ist einfach sehr ärgerlich", schimpft der 48-jährige Friderici. " Auch die Hänge hinter den Studentenwohnungen am Klushügel waren total vermüllt", ergänzt Heinrich Grofer, der sich zusammen mit Friderici den Vorsitz des Bürgervereins teilt. Die Freiwilligen teilen sich in zwei Gruppen auf. Jede Gruppe hat einen Bollerwagen. " Jede Gruppe hat ihren Bollerwagen mindestens viermal prall gefüllt hier abgeliefert", berichtet Grofer mittags. Mit dem OSB haben sie vereinbart, dass der Müll am Nachmittag an der Hasebrücke an der Rosenburg abgeholt wird. Nach zwei Stunden des intensiven Sammelns hat sich dort ein beachtlicher Berg mit Dutzenden blauen Säcken und sonstigem Unrat angehäuft. Dass es dabei unentwegt regnet, macht ihnen nichts aus. " Beim Arbeiten sind wir ja warm geworden", sagt Grofer und lacht.

Die Osnabrücker Moscheegemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat ist bis zum Mittag zwar weniger erfolgreich, hat aber mindestens genauso viel Spaß bei der Sache. Mehr als 30 Muslime suchen die Nette nach Müll ab. Nach einer Stunde treffen sie sich für ein Zwischenergebnis an der Müll-Abholstelle am Parkplatz bei Knollmeyers Mühle in Wallenhorst. " Wir haben etwa zehn halb volle blaue Säcke. Bisher haben wir nur Papier und ein paar Flaschen gefunden. Das ist weniger, als wir erhofft haben", sagt der Beauftragte für den interreligiösen Dialog, Jahanzeb Shaker. " Das liegt daran, dass dieses Naherholungsgebiet entlang der Nette eher etwas für Rentner und Insider ist", erklärt der 30-Jährige. Beim ersten Osnabrücker Stadtputztag im vergangenen Jahr hätten sie am Rubbenbruchsee viel mehr Müll eingesammelt. Shaker kennt auch den Hintergrund: " Dort gehen generationenübergreifend viel mehr Leute spazieren."

Shaker trägt wie die anderen Mitstreiter von zehn bis 59 Jahren eine traditionelle Kopfbedeckung. Sie stammt aus dem Norden Pakistans. Von dort stammen viele Muslime der 190 Mitglieder zählenden Gemeinde, weil sie aus politisch-religiösen Gründen flüchten mussten. " Das machen wir aus Respekt vor Gott", betont er. Der Stadtputztag passe sehr gut zu ihrem Glauben. " Wir achten sehr auf Sauberkeit und Hygiene. Wir waschen uns fünfmal am Tag vor dem Gebet. Und was für uns gilt, das gilt auch für unsere Umgebung. Wir mögen es sauber."

Die Teilnahme am Frühjahrsputz sei aber auch ein Zeichen der Integration. Das haben sie schon gesetzt, bevor es den Stadtputztag gab. Seit mehr als einem Jahrzehnt treffen sie sich am Neujahrsmorgen und befreien die Straßen vom Dreck der Silvesternacht. 40 bis 50 Muslime hätten die Altstadt in diesem und in den vergangenen Jahren sogar gemeinsam mit Mitarbeitern der Stadtwerke vom Silvester-Müll befreit. Einige abgebrannte Silvesterknaller findet der Bürgerverein Katharinenviertel selbst am Samstagmorgen noch am Gustav-Heinemann-Platz.

Sieben Mitglieder im Alter von 14 bis 67 Jahren suchen das Karree rund um den Spielplatz im Herzen des Katharinenviertels nach Unrat ab und finden dabei neben den Böllerresten Scherben zerbrochener Flaschen, Papier und eine Jeansjacke. " Man merkt, dass es regnet. Heute liegt verhältnismäßig wenig Müll. Im Sommer wäre hier viel mehr einzusammeln. Aber das nennt sich schließlich auch Frühjahrsputz", resümiert der 55-jährige Uwe Sobottka.

Thomas Kiffmeyer hofft auf den Erziehungseffekt des Stadtputztages: " Wenn es sauber ist, dann nehmen die Leute ihren Dreck wieder mit. Wenn es dreckig ist, dann lassen die Leute ihren Dreck liegen."

Auf diesen pädagogischen Effekt hofft auch die Freiwillige Feuerwehr Haste. Mit 18 Kameraden sammeln sie kilometerweit um ihr Feuerwehrhaus am Östringer Weg Müll ein und nutzen dabei sogar einen Feuerwehrwagen. Sie wollen mit gutem Beispiel vorangehen: " Wir fühlen uns dazu verpflichtet. Die Feuerwehr steht ja auch für die Umwelt", erklärt Ortsbrandmeister Matthias Kienel. Bis zum Ende der Aktion um 13 Uhr finden sie überwiegend Papier und Flaschen, aber auch Scheibenwischblätter. " Am meisten Müll haben wir am Nettebad und im Hone gefunden", konstatiert der 38-Jährige. " Das hängt damit zusammen, dass die Autofahrer dort, wo wenig Bebauung ist, einfach die Scheibe aufmachen und ihren Müll rausschmeißen." Kienel fordert sie daher auf, den Müll im Mülleimer und nicht auf der Straße zu entsorgen.

Unter den Hunderten von Saubermännern sind auch 50 Mitarbeiter der Stadtwerke, die mit neun Bussen 400 Haltestellen säubern. " Dieses Mal haben wir leider nicht wie 2012 alle 550 Haltestellen geschafft. Das lag an den Ausfällen durch die Grippewelle", erklärte der Leiter der Betriebssteuerung, Stephan Kanzler. Besonders gefreut habe er sich aber über die Gewinnerin der Tombola, die am Nachmittag unter den Teilnehmern des Stadtputztages auf dem Marktplatz stattfindet: " Ein Elektrofahrrad als Hauptpreis hat Karin Retzlaff gewonnen, die schon letztes Jahr freiwillig mit uns Haltestellen geputzt hat", freut sich Kanzler. Das gönne er ihr von Herzen.

Der größte Gewinn für alle Teilnehmer ist nach dem Großreinemachen aber, dass ihre Stadt wieder sauber ist. Der Vorsitzende des Bürgervereins Schinkel, Heinrich Grofer, fasst nach der schweißtreibenden Arbeit zusammen: " Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, dann kann die Freiluft-Saison endlich losgehen."

Bildtexte:
Sieben Mitglieder des Bürgervereins Katharinenviertel bezeichnen eine Jeansjacke als ihre " größte Trophäe" des Stadtputztages.

Button für die Stadtputzer

Die Osnabrücker Moscheegemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat suchte mit mehr als 30 Mitgliedern die Nette nach Müll ab.

Die Freiwillige Feuerwehr Haste sammelte mit 18 Aktiven kilometerweit um ihr Feuerwehrhaus am Östringer Weg Müll ein und nutzte dabei auch einen Feuerwehrwagen.

Fotos:
Jean-Charles Fays
Autor:
Jean-Charles Fays


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