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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Energiewende kostet drei Billionen Euro
Zwischenüberschrift:
Wind, Sonne, Wasser – Was ist in Zukunft möglich?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Als ab Juni 2011 nur noch vier der 17 Atommeiler in Betrieb waren, ging das Licht nicht aus, im folgenden Winter wurde sogar Strom exportiert. Die Stromversorgung ohne nukleare Kraftwerke ist möglich. Lassen sich jedoch auch Kohle-, Öl-, Gaskraftwerke ersetzen, und kann der gesamte Stromverbrauch, eine mittlere Leistung von 60 Gigawatt (GW), vollständig von Wind- und Solar-Anlagen geliefert werden?
An Sommertagen mit steifer Brise und zugleich praller Sonne ist dies bereits heute möglich, nicht dagegen im Jahresmittel. Dafür müsste ein Vielfaches der heute montierten Windräder und Solar-Paneele installiert und die Über- und Unterschüsse der schwankenden Produktion gepuffert werden. Die Herstellung von Wasserstoff, umgewandelt zu Methan, ist eine Möglichkeit. Dieses künstliche Erdgas kann gespeichert, über bestehende Erdgasleitungen verteilt und bei Strommangel rückverstromt werden. Wegen unvermeidlicher Energieverluste muss dann jedoch eine vielfach höhere mittlere Ausgangsleistung statt der heute installierten 60 GW mindestens 250 GW installiert werden. Dies entspricht einer Spitzenleistung von 1000 GW.
Der Landschaftsverbrauch betrüge 25 000 Quadratkilometer. Hälftig aufgeteilt in Wind- und Solaranlagen, so wie sie heute bestehen, würden Windräder etwa vier Prozent der land- und forstwirtschaftlichen Fläche des Landes (sie ist zu 95 Prozent weiterhin als solche nutzbar) und Solar-Paneele etwa die Hälfte der ohnehin versiegelten Siedlungs- und Verkehrsflächen beanspruchen. Nicht schön, aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Dafür sind mindestens drei Billionen Euro zu investieren, das Doppelte dessen, was für die Deutsche Einheit geschultert wurde.
Der gesamte Endenergieverbrauch Deutschlands, die Kraft- und Brennstoffe eingeschlossen, ist fünfmal größer als der elektrische. Dessen Deckung ausschließlich aus erneuerbaren Quellen ist nur im internationalen Rahmen zu realisieren. Die naheliegende Nutzung der gewaltigen Sonneneinstrahlung in die Wüstengürtel der Erde, für Europa das Desertec-Projekt, stößt an sehr enge Grenzen der mentalen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen und weniger an solche, welche Naturwissenschaft, Technik und Wirtschaft vorgeben. Dass die Firma Siemens ihr noch frisches Engagement in Solar-Thermo-Elektrik jetzt beendet, bezeugt die Unübersichtlichkeit der Lage.
Die Lagerstätten fossiler Brennstoffe sind begrenzt, der weltweite Energieverbrauch steigt rasant. Diese Energieträger werden knapp und teurer, ihre Verfügbarkeit unsicherer. Sich wenigstens teilweise davon unabhängig zu machen ist kein Ausdruck von " German Angst", sondern ein vernünftiges, mittelfristig wirtschaftliches Ziel.
Beim 5. Osnabrücker Wissensforum haben 32 Professorinnen und Professoren auf Einladung unserer Zeitung und der Uni Leserfragen beantwortet. Wir drucken die Beiträge der Wissenschaftler in einer Serie ab.

Bildtext:
Wolfgang Junge ist Professor für Biophysik an der Uni Osnabrück.

Foto:
Elvira Parton
Autor:
Wolfgang Junge


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