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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
So kann Winter auch sein.
Zwischenüberschrift:
Der Hase-Stau an der Pernickelmühle im kalten Jahr 1954
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vielleicht ist es besser so, dass Osnabrück keine Eiswette kennt. Eine Wette, die sich mit dem Aggregatzustand des Hasewassers oberhalb der Pernickelmühle am Dreikönigstag befasst, wäre nicht besonders spannend. Denn meistens fließt die Hase auch im tiefsten Winter flüssig dahin, sie " steiht" nicht, sondern sie " geiht", wie die Wett-Frage am Bremer Osterdeich seit 184 Jahren mit Bezug auf die Weser lautet.

Im Winter 1954 war das anders. Die Hase war zugefroren. Schüler des Carolinums und Schülerinnen der Ursulaschule brauchten keinen Umweg über die Brücken zu nehmen, um auf ihrem Nachhauseweg mittags das andere Ufer zu erreichen. Gern legte man Schultornister und Turnbeutel im Ufergras ab, um das seltene Erlebnis auszukosten. Ob das Eis wohl auch am Rand der offenen Stelle am Ufer noch trägt? Ein Schäferhund will erst überredet werden, bevor er sich auf die ungewohnte Fläche begibt. Vielleicht wird ihm gerade die waagerecht in den Fluss hineingewachsene Weide als Rettungsanker angeboten.

Nicht nur in Osnabrück war der Winter 1954 besonders kalt. Der Rhein war von Mainz bis Oberwesel zugefroren, Eisschollen bedrohten die Brücken im Kölner Raum. Der Maschsee in Hannover durfte offiziell betreten werden. Das österreichische Land Vorarlberg erlebte einen Katastrophen-Januar mit 125 Lawinen-Toten und mehr als 600 zerstörten Gebäuden.

Der aufgestaute und daher etwas breitere Haseabschnitt oberhalb des Wehrs an der Pernickelmühle hat auch zu wärmeren Jahreszeiten schon zu Freizeitaktivitäten angeregt. 1980 legte die Stadt einen kleinen " Hafen" für fünf Tret- und zwei Ruderboote zu Füßen des Gymnasiums Carolinum an. Der Verleih lief anfangs ganz gut, doch dann gab es zunehmend Ärger wegen Sachbeschädigungen und wilder Bootnutzungen außerhalb der Öffnungszeiten. Als dann auch noch Beschwerden aus der Nachbarschaft kamen, weil Freizeitkapitäne auf Privatgrundstücken verbotswidrig an Land gingen, stülpte man zunächst einen großen Eisenkäfig über die Boote am Anleger, bis dann schließlich der Betrieb ganz eingestellt wurde.

Auf dem aktuellen Bild ist eine orangefarbene Riesenwurst zu erkennen. Dieser sogenannte Mobildeich dient der Sanierung des 1891 errichteten Stauwehrs an der Pernickelmühle. Er lenkt das Wasser jeweils durch die Durchlässe, die gerade nicht bearbeitet werden, und hält die anderen trocken. Seit Oktober 2012 ist auch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke über das Wehr gesperrt. Der Brückenboden wird erneuert. Neuartige Kunststoffelemente sollen länger halten als die alten Holzbohlen. Das neue Geländer bekommt einen Handlauf aus Holz mit integrierten LED-Leuchten.

Beim Wehr selbst werden die Sandstein-Pfeiler mit Dampfstrahl gereinigt, die Sohlen neu betoniert und die als " Wehrtafeln" bezeichneten Schieber mitsamt ihren Führungsschienen erneuert. Die früher vorhandenen Eisbrecher aus Eichenholz werden rekonstruiert. Es könnte ja mal wieder Eis kommen.

Zur Ehrenrettung des Osnabrücker Hasewinters sei übrigens noch gesagt, dass auch bei der berühmten Bremer Eiswette bislang nur ein einziges Mal nach 1945 die Weser trockenen Fußes überquert werden konnte. Der Dümmer hat es da leichter zuzufrieren.

Bei der seit 2001 am Dümmer veranstalteten Eiswette hieß das Ergebnis in drei aufeinanderfolgenden Jahren von 2009 bis 2011: " He steiht!"

Bildtexte:
" Lebendige Hase" auch im Winter: 1954 herrschten wochenlang arktische Temperaturen, sodass die aufgestaute Hase am Wehr der Pernickelmühle tragfähiges Eis bilden konnte. Ein großer Spaß für die Schülerinnen und Schüler des Carolinums und der Ursulaschule.

Der bislang milde Winter 2012/ 2013 erlaubt den Fortgang der Sanierungsarbeiten am Stauwehr. Ein orangefarbener " Mobildeich" lenkt das Wasser durch die beiden Durchlässe, die derzeit noch nicht bearbeitet werden.

Fotos:
Kurt Löckmann, aus: Wido Spratte, Osnabrück 1945–1955, Verlag Wenner, Osnabrück, 2005/ Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks.


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