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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit bravem Seitenscheitel und klarem Blick
Zwischenüberschrift:
Wer war Friedrich Vordemberge-Gildewart? (1): Osnabrücker Altstadt und "Holz Holz Holz"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Seine Zeit in Osnabrück arbeitet er mit einem Stakkato der Stichwörter ab. " Jugendzeit, Kinderzeit, Handwerkerhaushalt": So beginnt Friedrich Vordemberge-Gildewart sein " Fragment einer Autobiografie". Die Aufzählung klingt trocken so wie der Hinweis auf einen ganz konventionellen Start ins Leben. Dass der Junge, der am 17. November 1899 in der Großen Gildewart 27, also im Herzen der Osnabrücker Altstadt, zur Welt kommt, später einmal ein international gefragter Künstler sein wird, kann anfangs niemand ahnen.
Friedrich Vordemberge, so schlicht hieß der junge Osnabrücker zu Beginn, wird sich das selbst noch nicht ausgemalt haben. Denn der Sohn eines Tischlermeisters war ganz darauf eingestellt, später einmal die Werkstatt des Vaters zu übernehmen. " Holz Holz Holz", skandiert Vordemberge in seiner kleinen Autobiografie, und der Wörterstau fühlt sich so robust wie ein Kantholz an. " Die Erziehung ging darauf hinaus, dass ich das Geschäft übernehmen sollte", heißt es lapidar.
Schlecht kann dieses Geschäft nicht gegangen sein. Vater Vordemberge war in Osnabrück bestens eingeführt. Er schreinerte für gehobene Bürgerhaushalte, erhielt öffentliche Aufträge. Die Familie verbrachte die Ferien auf der Nordseeinsel Norderney zu jener Zeit wahrlich kein Massenvergnügen. Und Vordemberge junior? Auf einem Foto der Geschwister von 1916 präsentiert er sich mit bravem Seitenscheitel, aber selbstbewusst verschränkten Armen und klarem Blick. Der junge Mann zeigt sich folgsam und macht seinen Gesellenbrief des Tischlerhandwerks mit besten Noten.
Aber er hat auch seinen eigenen Kopf. Davon zeugt schon das mächtige Gesellenstück, das sich der junge Vordemberge vornimmt. Er baut einen Kleiderschrank aus Kirschholz, ein Stück von ausladenden Maßen. Und ein Zeugnis eines sich entwickelnden Geschmacks, da der junge Handwerker den Schrank nicht nur mit kostbaren Einlegearbeiten versieht, sondern die ganze Front auch mit verspieltem Jugendstil-Dekor überzieht.
Die Tugenden des Handwerkers wird Vordemberge mit in seine Karriere als Künstler nehmen. Auch als Künstler des Konstruktivismus, als Typograf und Raumgestalter bewahrt er sich den Sinn für Qualität von Entwürfen, Eigenschaften des Materials, saubere Ausführung. Der Künstler arbeitet klar und exakt wie ein Handwerker und dies bei allem intellektuellen Anspruch.
Nach Hannover geht der Handwerksgeselle, um sich an der Kunstgewerbeschule in der Gestaltung von Innenräumen weiterzubilden. Ob er schon an die Möglichkeiten gedacht hat, die Hannover als Zentrum der Avantgarde bieten würde? Der Abschied von Osnabrück geschieht 1919. Er wird endgültig sein.
In einer Woche: Die Zwanzigerjahre . Alle Texte zu Friedrich Vordemberge-Gildewart unter www.noz.de/ vg
Bildtext:
Geburtshaus des Künstlers: das Vordemberge-Gildewart-Haus in Osnabrück.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Stefan Lüddemann


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