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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mehr Fragen als Antworten: Alltag der Gefangenen
Zwischenüberschrift:
Im Offizierslager Eversheide konnten die Juden einigermaßen unbehelligt ihre Gottesdienste veranstalten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es gibt Ereignisse, die sich ihrem historischen Zusammenhang zu entziehen scheinen. Solche Fragen wirft das Gefangenenlager Eversheide in Osnabrück auf, in dem etwa 5000 jugoslawische Offiziere während des Zweiten Weltkriegs festgehalten waren.
Die jüdische Minderheit im Lager konnte einigermaßen unbehelligt ihre Gottesdienste veranstalten zu einem Zeitpunkt, als die jüdischen Zivilisten in Deutschland längst in die Vernichtungslager deportiert waren.
Was zu diesem augenscheinlichen Anachronismus geführt hat, wurde jetzt auf einer Tagung internationaler Historiker in der Osnabrücker Universität erörtert.
Im Lager Eversheide, von den Nazis Oflag VIc genannt, waren Offiziere untergebracht, die zuvor in der königlichen Armee gedient hatten. Nach 1945 wollten oder konnten viele von ihnen nicht in Titos sozialistisches Jugoslawien zurückkehren. Viele blieben in Osnabrück und gründeten die serbisch-orthodoxe Gemeinde, deren Mittelpunkt die Kirche an der Wersener Landstraße ist.
Einblicke in den Lageralltag gibt das Buch " Wir sind Zeugen", in dem der Militärrabbiner Hermann Helfgott seine Tagebuchaufzeichnungen veröffentlicht hat. Unter den 400 jüdischen Lagerinsassen war er offensichtlich eine charismatische Figur. Nach dem Krieg kämpfte er in Palästina, später arbeitete er unter dem Namen Zvi Asaria als Kölner Gemeinderabbiner und als niedersächsischer Landesrabbiner.
Hier ein Auszug aus seinem Tagebuch von 1942. Asaria schreibt von sich selbst in der dritten Person:
Nach dem Fasttag am 9. Aw . . . erreichte uns Gefangene die Nachricht, Leutnant Neumann, der sich im Krankenhaus außerhalb des Lagers befand, sei gestorben. Fünf Tage nach dem Tode wurde die Leiche ins Lager überführt.
Die " Chewra Kadischa" nahm die rituelle Waschung vor. Die deutsche Kommandantur gestattete die Zeremonie, und 30 Mann, 18 jüdische und 12 nichtjüdische Offiziere, begaben sich in die Stadt Osnabrück. Die Teilnehmer des Begräbnisses blickten sich in der Stadt um. Die Ruinen wiesen deutlich darauf hin, was sich außerhalb des Gefangenenlagers abspielte. Ein Lastauto voller Frauen fuhr vorbei. Wohin werden sie geführt?
Nach drei Stunden erreichten die Gefangenen den jüdischen Friedhof. Zahlreiche Frauen und Kinder waren dort versammelt. Gibt es auch Juden darunter? Die Gefangenen traten an den Sarg beim Grab heran. Das Quartett Blam, Scher, Feldbauer und Reiss begann mit " Joschew Besseter". Blam komponierte eine besondere Melodie für die Begräbniszeremonie. Es wurden Psalmen verlesen, und der Rabbi nahm Abschied von dem Kameraden. Nach der Beisetzung erblickten die Gefangenen in der Ferne einen Mann mit gelbem Stern und der Aufschrift " Jude". Der Rabbi rief ihn insgeheim herbei und fragte: " Wie viel Juden gibt es in Osnabrück?" Die Antwort: " 10 bis 12."
" Familien?"
" Nein, Seelen."
" Wo sind denn die Juden?"
" Die arbeiten, und es geht ihnen gut", antwortete der Mann lächelnd.

Bildtext:
Rabbi im Gefangenenlager: Hermann Helfgott.

Foto:
Archiv
Autor:
rll


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