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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als die Bremer SA das jüdische Altenheim überfiel
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten nahmen Hermann Löwenberg erst das Zuhause und schließlich das Leben
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Sein Lebensabend wurde zum Albtraum. Hermann Löwenberg war bereits 70 Jahre alt, als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen. Zwei Jahre später zwangen sie ihn, in ein jüdisches Altenheim in Bremen einzuziehen. Doch fand er auch dort keine Ruhe vor dem Hass auf Juden. 1942 verschleppten Nationalsozialisten Hermann Löwenberg nach Theresienstadt und ermordeten ihn dort im Alter von 79 Jahren.
Über Hermann Löwenberg ist nur wenig bekannt. Er wurde in Lengerich geboren und arbeitete als Viehhändler. Sein letztes Zuhause in Osnabrück befand sich an der Uhlandstraße 21. Dort lebte er mit seiner Schwester zusammen: Clara Löwenberg hatte als Haushälterin gearbeitet. 1935 starb sie, und ihr Bruder war offenbar auf sich alleine gestellt.
Christine Grewe vom Friedensbüro vermutet, dass Hermann Löwenberg pflegebedürftig war, aber als Jude keine Aufnahme in einem Osnabrücker Altenheim fand. Nationalsozialisten wiesen ihn in ein jüdisches Altenheim in Bremen ein. Die Adresse des Entwurzelten lautete: Gröpelinger Heerstraße.
Nationalsozialisten suchten nach Gelegenheiten, den Bewohnern das Leben schwer zu machen. Als das Regime in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Anschläge auf Synagogen beging, überfielen Mitglieder der Bremer SA auch das jüdische Altenheim in Bremen-Gröpelingen. Sie zerschlugen Möbel und misshandelten die wehrlosen Bewohner, trieben zumindest einige von ihnen aus dem Haus und verschleppten sie in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Wie es Hermann Löwenberg in dieser Nacht erging, ist nicht bekannt.
Bis 1942 gehörte das Altenheim offiziell der jüdischen Gemeinde. Doch die Nationalsozialisten hatten es zu einem Getto umfunktioniert und dort Juden aus Bremen und dem Umland auf engstem Raum eingesperrt, um sie gezielt deportieren zu können. In der Zwischenzeit hatte das NS-Regime mit den Massenmorden in Konzentrationslagern begonnen.
Am 23. Juli 1942 war Hermann Löwenberg einer von etwa 160 Juden, die aus dem Haus in Bremen-Gröpelingen nach Theresienstadt verschleppt wurden. Dort kam er im Oktober ums Leben. Beinahe ein Jahrzehnt lang war er Opfer von Willkür und Hass gewesen. Und dann nahmen Nationalsozialisten ihm das Leben. Jetzt erinnert ein Stolperstein an das Schicksal des einsamen Mannes vor seinem ehemaligen Zuhause in der Osnabrücker Uhlandstraße 21.

Bildtext:
Uhlandstraße 21: Hier lebte Hermann Löwenberg. Nationalsozialisten ermordeten ihn in Theresienstadt.

Foto:
Elvira Parton

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen, Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer Erkrankung oder Behinderung verfolgt wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich europaweit mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben. Paten des Stolpersteins für Hermann Löwenberg sind Livia Novi und Harald Hoffmann. Bei der Verlegung wurde Gunter Demnig von Schülern des Berufsschulzentrums am Westerberg unterstützt: Manuel Hellermann, Sven-Uwe Kerckhoff, Marcel Nordhoff und Timo Rosenbusch. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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