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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nur Peter Alexanders kleine Kneipe fehlt
Zwischenüberschrift:
Der Stadtteil Haste bietet alles "von der Wiege bis zur Bahre″
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. " Hier ist für alles gesorgt von der Wiege bis zur Bahre.″ Klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas sarkastisch. Auf den zweiten Blick ist es aber die reine Wahrheit und Erhard Fricke vom Bürgerverein Haste muss es wissen. Der Mann lebt seit 1969 in dem Stadtteil Osnabrücks, den man getrost auch als " grüne Lunge″ bezeichnen darf.

Erhard Fricke gibt aber auch zu, " dass es durchaus Zeiten gab, die etwas unruhig waren″. Und in der Tat, es ist schon bitter: Menschen, die nicht in Haste leben, aber etwas über den Stadtteil berichten sollen, erwähnen oft eine Familientragödie, die am 5. Januar 1994 ganz Deutschland erschütterte. In einer Wohnung an der Güstrower Straße tötete ein Mann seine fünf kleinen Kinder
im Alter zwischen vier und
13 Jahren. Anschließend
legte er ein Feuer, in dem er umkam. Die Mutter war nicht daheim. Sie hatte sich am Tag zuvor von ihrem Mann getrennt und bei einer Freundin Zuflucht gesucht. Ganz frisch ist noch ein zweiter Fall: Im Juli wurde in einem Wohnhaus an der Clemensstraße ein 38-Jähriger kaltblütig erschossen vermutlich eine Tat im Drogenmilieu.

Nun soll aber Schluss sein mit den schwarzen Momenten. Denn Haste steht nicht für Mord, Totschlag und Kriminalität. Nein, Haste ist ein blühender Stadtteil. Freundlich obendrein. Beispiel gefällig? Der Verfasser dieser Zeilen fährt fast täglich, von Rulle kommend, quer durch den Nordosten Osnabrücks. Dabei begegnet er immer wieder einer älteren Fußgängerin am Straßenrand, die winkt und am Zebrastreifen meistens den Autos und Bussen die Vorfahrt lässt. " Das ist unsere Agnes″, weiß Erhard Fricke. Stadtteilbekannt. Und es ist schon komisch: Tage, an denen Agnes nicht zu sehen ist, sorgen schon dafür, dass man zumindest darüber nachdenkt, wo sie denn stecken könnte.

Doch kommen wir zurück zu der Haster Vollversorgung, von der auch Erhard Fricke so schwärmt. Wem hier das Benzin ausgeht, dem dürfte nicht mehr zu helfen sein. Denn wussten Sie, dass die Haster aktuell über drei Tankstellen verfügen? Bis vor einigen Jahren waren es sogar noch mehr. Heute finden wir Aral und Shell direkt am Puls des Haupt-Verkehrsgeschehens (Bramscher Straße) und eine Score-Tanke im Haster Herzen an der Hardinghausstraße. " Das ist auch unsere Poststelle″, sagt Erhard Fricke.

Mönkedieck schließt

Ein Stadtteil ohne die einst von Peter Alexander besungene " kleine Kneipe in unserer Straße″? Für manche verzichtbar, aber so eine Kneipe hat doch etwas Gemütliches. Die älteren Haster denken noch mit Freude an die gute alte Zeit mit " Sandmanns Agnes″ (nicht die Agnes von vorhin) an der Oldenburger Landstraße zurück dort, wo jetzt die Hochschule Osnabrück einen, zugegeben, ansehnlichen Bau hingesetzt hat. " Aber ein Sonntag bei Agnes mit Kaffee und Kuchen das war für viele Haster ganz entscheidend. Das war eine typische Gartenwirtschaft″, spricht Erhard Fricke den alten Haster Hasen aus den Herzen.

Nun, und heute? Wir wollen natürlich nicht verschweigen, dass das Hotel Obermeyer auch eine Gaststätte hat. Aber eben nicht die typische kleine Kneipe, die Peter Alexander meint. Die steht eher an der Bram straße im Dunstkreis der Berufsbildenden Schulen, der Angelaschule und der Thomas-Morus-Schule. Mancher stimmt sofort das Alexander-Lied an, wenn er die beleuchtete Gaststätte von Dorothee Mönkedieck sieht. Im Eingangsbereich hängt noch ein Kasten aus alten Osnabrücker Bergquell-Pilsener-Zeiten, auf der Speisen- und Getränkekarte wird nicht viel, aber das typische Eckkneipen-Angebot angepriesen. Pils und Korn sowieso, und wenn der Hunger ruft, vielleicht auch noch eine Fleischbrühe. Aber: " Ich schließe zum Ende des Jahres 2012, meine Stammgäste wissen das″, sagt die Wirtin, " die Kneipe ist wirtschaftlich nicht mehr tragbar.″ Schade. Ende einer fast 50-jährigen Tradition.

Dennoch: Auch ohne die typische kleine Kneipe wird das Vereinsleben in Haste noch richtig ausgelebt. " Wir haben unsere beiden Sportvereine, den TuS und die Spielvereinigung″, berichtet der Vorsitzende des Bürgervereins. Sämtliche Fusionsbemühungen sind bislang gescheitert. " Aber es ist gar nicht so entscheidend, ob die beiden fusionieren″, meint Erhard Fricke.

Karnevalshochburg

Wer über Haste schreibt, darf in keinem Fall die Narren vergessen. Schon gar nicht im November. Also: Haste ist eine Hochburg die Abteilung im TuS Haste, der Club of Tüddelkopp oder der MGV Liederkranz stehen für Narrenunterhaltung.

Was sonst? Die eingangs erwähnte " grüne Lunge″. Wer in Haste wohnt, muss für einen Ausflug in die Natur nicht lange fahren. Der Haster Berg und das Nettetal sind zum Greifen nah, rund um das Nettebad (das zum Stadtteil Sonnenhügel gehört) ist Naherholung angesagt mit tollen Wanderwegen. Es gibt noch so viele Aspekte Hyde Park, Nackte Mühle, die Kirchen, der Eberleplatz und, und und . . . Doch irgendwann muss auch dieser Text ein Ende haben.

Nur eines will der Autor den Hastern und den Verkehrsverantwortlichen noch mit auf den Weg geben: An der Hardinghausstraße hängt schon seit einigen Jahren ein Geschwindigkeitsdisplay, das den Verkehrsteilnehmern entweder " Danke″ oder " Langsam″ anzeigt. Die Wirkung ist längst verpufft, der Gewöhnungseffekt eingetreten. Entweder wird das Display von vielen gar nicht mehr beachtet oder kurz dahinter wieder aufs Gas gedrückt. Wechselnde Standorte dürften sinnvoller sein.



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