User Online: 1 | Timeout: 18:02Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Utopie wird zur Realität
Zwischenüberschrift:
Einmal um den Pudding: Am Glogauer Weg entsteht das erste Osnabrücker Öko-Dorf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Was wie eine Utopie klingt, ist für 25 Menschen Realität. Im Glogauer Weg am Sonnehügel errichten sie in ehemaligen Wohnhäusern von britischen Armeeangehörigen ein Öko-Dorf. Die Einwohner eint ein Ziel: Gemeinschaftlich leben mit ökologischem Anspruch.

Vieles sieht in der Siedlung am Glogauer Weg noch nach Baustelle aus. Das Haus von Rolf Brinkmann (72) hat zwar schon einen Lehmofen, der muckelige Wärme verbreitet. Aber bewohnbar ist es noch nicht. Auf der größten freien Fläche der Siedlung soll das Gemeinschaftshaus errichtet werden, das allen Bewohnern des Öko-Dorfs offen steht und Platz für gemeinsame Aktivitäten bieten wird.

In vielen Häusern ist schon eine Wärmedämmung eingebaut worden. " So spart man Energie", sagt Angela Kutz (49). Das Regenwasser wird gesammelt und genutzt. Über Fotovoltaik-Anlagen wird nachgedacht. " Das ist eine Frage des Geldes", sagt Maria Pöling (53). Der nachhaltige und umweltschonende Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten wächst langsam am Glogauer Weg.

Neben der ökologischen Bauweise steht in der Siedlung die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Sie, so sagt Rolf Brinkmann, helfe auch dabei, nicht zu vereinsamen. Basisdemokratisch wird entschieden, wie zum Beispiel Flächen, Garagen oder das Gemeinschaftshaus gestaltet werden. Alle vier Wochen trifft sich ein Plenum, wo alles besprochen wird. " Das ist durchaus intensiv", sagt Rolf Brinkmann. Die beiden Damen nicken stumm. Vielleicht erinnern sie sich an die Debatten, die sie vor Gründung des Dorfs geführt haben. Das sei manchmal sehr anstrengend gewesen, sagt das Trio.

Am Ende der Diskussionen stand ein zehnseitiger Vertrag, der dem Verein ecovillage e. V. zugrunde liegt. Er wurde von den Bewohnern des Glogauer Wegs ins Leben gerufen. In der Vereinssatzung ist zum Beispiel verbrieft, dass das Öko-Dorf den Umweltschutz und die Gemeinschaft unter anderem durch die Unterstützung und den Betrieb besonderer Modelleinrichtungen fördern will. Der Einsatz von Rohstoffen und Energien soll möglichst ressourcenschonend und kreislauforientiert ablaufen.

Die Idee der Öko-Dörfer ist nicht neu. In Dänemark wurde in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts das sogenannte Cohousing entwickelt. Das funktioniert wie eine Wohngemeinschaft, die sich über eine ganze Siedlung erstreckt. Quasi als Nebenprodukt entstanden dabei wirtschaftliche und umweltschonende Vorteile. Was Vorbild für das Osnabrücker Öko-Dorf war, soll nun auch Vorbild für andere werden. Die Bewohner des Öko-Dorfs haben sich in der Vereinssatzung dazu verpflichtet, Seminare und Vorträge über ihre Wohn-Gemeinschaft zu halten und die Idee des Öko-Dorfs zu verbreiten.

Rolf Brinkmann hat schon in den Neunzigerjahren versucht, die Idee des Cohousing nach Osnabrück zu importieren. Damals ist es gescheitert. Heute wird diese Idee Realität. " Die Ressourcen sind endlich", sagt der 72-jährige Architekt ernst. " Wir wollen im Kleinen anfangen", ergänzt Altenpflegerin Angela Kutz. Dennoch kursieren schon Gedanken, dass die Öko-Dörfler selbst Bio-Gemüse anbauen und Hühner halten wollen, wie Sucht-Therapeutin Maria Pöling sagt. Der Ertrag würde mit der Gemeinschaft geteilt werden.

Ja, geben Pöling, Kutz und Brinkmann zu, die Bewohner des Öko-Dorfs seien " angegrünt". Die Schattierungen reichen zwar bis ins sozialdemokratische Rot. " Nicht jeder denkt ökologisch", sagt Maria Pöling, aber schwarze Flecken gebe es nicht. Jeder Bewohner sei ein Individualist, meint das Trio. Wer möchte, könne sich ausleben. Einen Zwang gebe es nicht.

Das Modell des ökologischen Zusammenlebens sei einzigartig vom Ruhrpott bis nach Bremen, meint Rolf Brinkmann. Zwar sind einige Häuser noch nicht fertig, aber seit dem 1. Mai 2011 wohnen schon Menschen in dem Öko-Dorf.

Auf die Frage, ob die Verwirklichung der Idee mit Stolz betrachtet wird, nicken die Frauen wieder stumm. Brinkmann windet sich: " Stolz ist so eine Sache." " Ach, komm schon, Rolf", locken ihn Angela Kutz und Maria Pöling aus der Reserve. Brinkmann lacht, sein Widerstand ist schnell gebrochen: " Ja, es ist aufreg end."

Bildtext:

Im Grünen fühlen sich Rolf Brinkmann, Angela Kutz und Maria Pöling wohl. Sie errichten mit 22 anderen Bewohnern ein Öko-Dorf am Glogauer Weg.

Foto:

Egmont Seiler
Autor:
Thomas Wübker


Anfang der Liste Ende der Liste