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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Diebeskomödie und entfesselte Raufbolde
Zwischenüberschrift:
Oktober 1912: Theater am Domhof bringt den "Biberpelz" als Osnabrücker Erstaufführung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 150 Jahren wurde der Dramatiker Gerhart Hauptmann geboren. Das Theater am Domhof gedenkt seiner mit einer Neuinszenierung des Stücks " Die Ratten". Vor hundert Jahren: Hauptmann beging sein " fünfzigstes Wiegenfest". Damals ehrten ihn die Städtischen Bühnen mit der Osnabrücker Erstaufführung seines Stücks " Biberpelz".

Diese " Diebeskomödie in vier Akten" gehöre zu den seltener gegebenen Stücken des " knorrigen schlesischen Charakterpoeten", schreibt das " Osnabrücker Tageblatt" im Oktober 1912. Möglicherweise, weil die Karikatur des preußischen Amtsvorstehers hier und da den Bühnenleitern Bedenken einflöße, mutmaßt der Kulturredakteur mit dem Kürzel J. O. Das ganze Stück aber stehe und falle mit der Rolle der Waschfrau Mutter Wolfen. In Osnabrück wurde sie " auf das Treffsicherste" von Juliane Bohlmann verkörpert. " Der Beifall des recht ansehnlichen Publikums steigerte sich nach dem zweiten Akte zu mehrmaligem Hervorruf." Willy Schubert-Fock habe als Amtsvorsteher von Wehrhahn wohl des Guten ein wenig zu viel getan, aber doch " den feudalen Bureaukraten im Sinne des Dichters mit voller Wirkung" dargestellt.

Der Osnabrücker Turnerbund (OTB) beging sein 36. Stiftungsfest zunächst mit einem Schauturnen in der vereinseigenen Turnhalle am Schnatgang. Um einer Überfüllung der Turnhalle vorzubeugen, bat man in der Vorankündigung, keine Kinder unter 14 Jahren mitzubringen. Der Vorsitzende Goesmann legte vor dem Publikum darunter Vertreter des Offizierskorps und der Lehrerschaft das Gelöbnis ab, dass man auch das nationale Empfinden der Turner weiterhin stärken wolle. Dann turnte zunächst die Frauenabteilung (etwa 30 Damen) mit C. Lehker als Vorturnerin. Es folgte die rund 50 Mann starke Männerabteilung unter Turnwart H. Beckkötter. Gezeigt wurden Freiübungen, Geräteturnen und zum Schluss eine gemeinsame Pyramide. " Die Übungen wickelten sich mit Ruhe und Exaktheit ab, sodass mit Beifall nicht gekargt wurde."

Ab " 6 1/ 2 Uhr" folgte eine Saalfestlichkeit im Klushügel-Restaurant. Gesangsvorträge und ein Theaterstück bildeten das Programm. Anschließend der große Turnerball. Dabei habe sich wieder einmal gezeigt, dass im OTB neben der Förderung des Turnwesens auch die Geselligkeit eine Heimstatt habe.

Gute Fortschritte macht der Bau des Abfertigungsgebäudes am Güterbahnhof im Fledder, das quer vor den " Schuppen und Umladebühnen" angeordnet ist und die gesamten Kassen- und Abfertigungsräume aufnehmen soll. Nur die Dachdecker- und Klempnerarbeiten fehlen noch. Auch die Gleisanlagen davor nehmen Gestalt an. " Die ganze Anlage dürfte elektrische Beleuchtung erhalten", prophezeit das Blatt.

In den Wagen der ersten, zweiten und dritten Klasse von D- und Eilzügen soll es schöner werden. Die Abteile sollen " Bilderschmuck" erhalten, der den Liebreiz deutscher Städte und Landschaften vor Augen führen möge. Die Bahnverwaltungen haben sich bereit erklärt, die Rahmen zu stellen, und der Bund Deutscher Verkehrsvereine will künstlerisch geeignete Fotos besorgen. Osnabrück hat eine Ansicht des Doms, vom Herrenteichswall aus gesehen, beigesteuert.

Im Wartesaal der dritten und vierten Klasse im Hauptbahnhof entwickelte sich eine Schlägerei. Zwei Schausteller, die an den Tagen zuvor auf dem Klushügel im Varieté aufgetreten waren, griffen Bahnbeamte an, die ihnen Weisungen erteilen wollten. Dabei zerschlugen " die Raufbolde" alles, was nicht niet- und nagelfest war. Es gelang Polizeibeamten, sie " trotz aller Entfesselungskünste, die sie kürzlich gezeigt hatten", zu arretieren und in Obhut zu bringen.

Die Frauengruppe des Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke eröffnete die zweite alkoholfreie Speisehalle neben der Eisenbahnunterführung Sutthauser Straße. Die erste Halle war so gut angenommen worden, dass eine zweite hermusste. Die 250 Quadratmeter große Halle bot im Hauptraum 160 Speiseplätze für Männer. Daneben gab es einen kleineren Raum nur für Frauen. Senator Schemmann beglückwünschte die Frauen zu diesem Akt " sozialer Hülfstätigkeit". Wer wie er 50 Jahre lang mit angesehen habe, welches Unheil oft der Alkohol in den Hüttenwerken und Fabriken anrichte, der müsse sich freuen, wenn der Kampf dagegen nun mit aller Entschiedenheit geführt werde.

Die Halle sei mitten in die Wohnviertel der Arbeiter gesetzt worden, die im kommenden Winter infolge der Teuerung wohl schwer zu leiden haben würden. Mit der Darreichung guter, billiger Nahrung werde die Not der armen Klassen stark gelindert. Er dankte der Hammersen A.G., der Georgsmarienhütte und der Firma Weymann, die ansehnliche Beträge für die Halle überwiesen hätten. Die " schlichte Einweihungsfeier" schloss mit dem ersten Erzeugnis aus der neuen Küche, einer Tasse " vorzüglicher Bouillon".

Unter " Vermischtes" ist eine Geschichte abgedruckt, die sich angeblich tatsächlich so zugetragen hat. Eine Gutsfrau ist in der Abenddämmerung allein mit ihrem Kutscher unterwegs zu einem benachbarten Gut. Es wird diesig, und der Kutscher verliert den Weg. Da sieht die Frau in einiger Entfernung einen Wegweiser, der durch seine vielen Arme Hoffnung macht, den gewünschten Weg zu finden. Der alte Kutscher erhält den Auftrag, hinzugehen und sich zu orientieren. Er kommt und kommt nicht zurück. Die Gutsfrau will schon absteigen und selbst hingehen, da schließlich schleppt sich der Bedienstete heran, den Wegweiser auf der Schulter, und japst entschuldigend: " Tja, ick künn ja nich liäsen!"

Bildtext:
Der Osnabrücker Turnerbund (OTB) beging sein 36. Stiftungsfest im Oktober 1912 in der Gaststätte Klushügel. Gesangsvorträge und ein Theaterstück bildeten das Programm.

Foto:
Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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