User Online: 2 | Timeout: 17:11Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ohne Ökostrom-Befreiung "nicht wettbewerbsfähig"
Zwischenüberschrift:
Neun Unternehmen in Stadt und Landkreis sind von der EEG-Abgabe befreit – Nicht alle wollen sich äußern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Neun Unternehmen aus Stadt und Landkreis Osnabrück müssen die Ökostrom-Umlage nicht zahlen, über die in der Politik so heftig gestritten wird. Das geht aus einer Aufstellung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hervor. Darunter sind die Papierfabriken Schoel ler und Ahlstrom, die Georgsmarienhütte GmbH und die Argelith Bodenkeramik in Bad Essen.
Steigende Strompreise haben die Diskussion um das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) entfacht. Privathaushalte und Kleingewerbe werden mit der Umlage belastet, aus der das Geld für die Wind- und Solarförderung fließt. Große Stromverbraucher können sich hingegen von der Umlage befreien lassen.
Bundesweit listet die Bafa mehr als 2000 Betriebe auf, die kein Geld in den EEG-Topf einzahlen müssen. Maßgeblich für die Befreiung sei das Verhältnis vom Stromverbrauch zum Umsatz, teilte ein Sprecher des Bundesamts mit. Welchen Firmen eine Befreiung erteilt werde, entscheide aber nicht die Bafa, sondern die Bundesregierung.
Neun Unternehmen aus Stadt und Landkreis Osnabrück sind mit dem Segen aus Berlin von der Ökostromabgabe befreit. Sie verweisen überwiegend auf ihre Konkurrenzfähigkeit im Ausland. Aber nicht alle, die von der Befreiung profitieren, sind auf internationalen Märkten tätig. Wir haben alle neun Unternehmen um eine Stellungnahme gebeten. Allerdings waren nicht alle bereit, zu antworten. Hier die wichtigsten Aussagen:
Schoeller Technocell, Osnabrück: " Wir sind eine energieintensive Branche", sagt Unternehmenssprecherin Friederike Texter. Für eine Papierfabrik gehöre die Energie zu den größten Kostenfaktoren. Ohne die Befreiung von der EEG-Umlage würden die Kosten auf ein Maß steigen, das die Konkurrenzfähigkeit auf Auslandsmärkten gefährden würde.
Ahlstrom, Osnabrück: Ohne die Befreiung von der EEG-Abgabe ergäbe sich eine " extreme Benachteiligung" im Wettbewerb, erklärt Personalleiter Bastian Thiebach. Der Grund: " 80 Prozent unseres Umsatzes mit technischen Spezialpapieren machen wir in Europa." Deshalb habe die Ausnahmeklausel für den Papierhersteller eine sehr hohe Bedeutung.
Georgsmarienhütte GmbH: Mehrkosten von 20 Millionen Euro im Jahr hätte das Stahlwerk, wenn es nicht von der EEG-Abgabe befreit wäre, schätzt Henning Schliephake, der technische Geschäftsführer. Sein Kommentar: " Wenn wir das weiterreichen an den Endkunden, dann kauft der den Stahl in China."
Agro Steel Wire GmbH, Bad Essen: " Wir wären nicht wettbewerbsfähig." Auf diese Formel bringt Eigentümer Wolfgang Grothaus seine Haltung zur Befreiung von der EEG-Umlage. Das Unternehmen, das Eisen- und Stahldrähte, etwa für Bettfedern, produziert, müsse gegen Konkurrenten aus der Türkei, aus Polen und Tschechien antreten. In Polen müsse er für den Strom " höchstens 30 Prozent" des deutschen Marktpreises zahlen, sagt Grothaus.
Argelith Bodenkeramik, Bad Essen: " Aufgrund des weltweiten Wettbewerbs sind wir auf konkurrenzfähige Rahmenbedingungen, insbesondere im Energiebereich, angewiesen", heißt es im Statement von Geschäftsführer Markus Reineke und dem Energiemanagementbeauftragten Christian Brüggemann. Energie sei in Deutschland mit hohen Abgaben belastet. Die CO 2 - Zertifikate und die EEG-Abgabe hätten den Strompreis deutlich steigen lassen.
Deutsches Milchkontor GmbH, Georgsmarienhütte: Molkereien seien gesetzlich verpflichtet, die Rohmilch zu erhitzen, macht Pressesprecher Hermann Cordes geltend. Dafür müsse viel Energie aufgewendet werden. Die Ausgleichsregelung des EEG trage dazu bei, " ein angemessenes Preisniveau" zu halten.
Essex Germany GmbH, Bramsche: Von einer " Härtefallregelung" spricht Prokurist Wilfried Von der Heide. Das Unternehmen, das Kupferdrähte verarbeitet und lackiert, müsse 25 Prozent der Bruttowertschöpfung für Energie aufwenden. Die Konkurrenz in Frankreich, Schweden und Spanien bekomme den Strom erheblich billiger. Ohne die Befreiung von der EEG-Abgabe müsste Essex in Deutschland die Produktion herunterfahren, sagt Von der Heide.
Nexans Deutschland GmbH, Bramsche: Das Schwesterunternehmen von Essex Germany stellt das Vorprodukt aus Kupfer her. Bis Redaktionsschluss lag uns kein Statement vor.
Kurt Fülling Tierprodukte GmbH, Dissen: Von dem Futtermittelhersteller war keine Stellungnahme zu bekommen.
Die Grünen kritisieren die nach ihrer Ansicht zu großzügige Praxis bei der Befreiung von der EEG-Umlage. " Ohne die Befreiungen für energieintensive Unternehmen müsste die Umlage für Ökostrom im kommenden Jahr nicht auf 5, 3 Cent, sondern nur auf 3, 9 pro Kilowattstunde steigen", erklärt Volker Bajus, der die Grünen im Rat der Stadt Osnabrück vertritt und für den Landtag kandidiert. Für Unternehmen, die wie die Osnabrücker Papierhersteller im internationalen Wettbewerb stünden, könne die Befreiung sinnvoll sein. Die Bundesregierung gestatte jedoch immer mehr Ausnahmen. Das sei unfair. Denn deren heimische Mitbewerber zahlten nach wie vor den Preis, den alle Stromkunden zahlen müssten. Bajus weist darauf hin, dass das Ökostrom-Angebot den Preis an der Leipziger Strombörse drücke. Davon profitierten ausgerechnet die Großverbraucher. Die Preisdämpfung mache im Schnitt 0, 5 Cent pro Kilowattstunde aus. Zumindest diese 0, 5 Cent sollten alle bezahlen.

Bildtext:
Ihr Stromverbrauch ist riesig: eine moderne Papiermaschine zur Herstellung von Spezialpapier bei Ahlstrom in Osnabrück.

Foto:
Archiv


Anfang der Liste Ende der Liste