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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Umweltpapst verschont den Stromfresser
Zwischenüberschrift:
Trittin im Stahlwerk GMHütte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Georgsmarienhütte. Im Stromverbrauch kann es der Elektroofen im Stahlwerk Georgsmarienhütte mit der Stadt Osnabrück aufnehmen. Da müsste es einen Politiker wie Jürgen Trittin doch jucken, den Stecker zu ziehen. Aber nein, bei seinem Besuch im Stahlwerk fand der grüne Promi ausgesprochen wohlwollende Worte. Und er verteidigte sogar die Befreiung von der EEG-Abgabe.

Der Ofen war aus, als Trittin am Dienstag das Stahlwerk besichtigte. Nicht aus Angst vor grünem Aktionismus, sondern wegen Inventurarbeiten. Zum Bedauern der Journalisten kam es auch nicht zum großen Schlagabtausch zwischen Trittin und Jürgen Großmann, dem Inhaber der Georgsmarienhütte. Die beiden hatten sich schon vorab zu einem " Gedankenaustausch" getroffen, wie es in einer Pressemitteilung vermerkt war. Alles, was Trittin dazu verlauten ließ, klang sogar recht harmonisch.

Dass die Hütte zu den größten Stromfressern im Osnabrücker Land gehört und von der Umlage zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) befreit ist, entlockte dem ehemaligen Umweltminister nicht einmal eine hämische Spitze. Nein, versicherte er, die Grünen seien zwar für eine Stärkung der regenerativen Energien, sie hätten aber zugleich den Ausnahmetatbestand erfunden, der die stromhungrige Industrie entlasten und wettbewerbsfähig machen solle.

" Ich stehe dazu", bekräftigte Trittin und ließ durchblicken, dass er der Georgsmarienhütte seit den 90er-Jahren gewogen ist, als er Europaminister im Landeskabinett von Gerhard Schröder war: " Da hängt fast eine ganze Stadt dran!" Von Zeit zu Zeit lasse er sich gerne in solchen Betrieben mit einer " guten Industrietradition" blicken. Etwa, um sich davon zu überzeugen, dass Mitbestimmung keine sozialromantische Floskel ist, sondern auch betriebswirtschaftlich von Vorteil sei.

Beim Rundgang durch den Betrieb ließ sich der grüne Spitzenpolitiker erläutern, wie das Unternehmen seine Energieeffizienz verbessern will und wo sich Synergieeffekte ausreizen ließen. Dass die Hütte einen Überschuss an Dampf erzeugt, veranlasste ihn zu der Bemerkung: " Eigentlich brauchen Sie ein Unternehmen, das Ihnen den Dampf abnimmt." Auf die Idee war Henning Schliephake, der technische Geschäftsführer, auch schon gekommen. Bislang aber ohne Ergebnis.

Der verständnisvolle Ton, den der von manchen gefürchtete Umweltpolitiker anschlug, fand in den Äußerungen seiner Gesprächspartner ein freundliches Echo. Er wehre sich nicht gegen Umweltauflagen aus der Politik, vermerkte Peter van Hüllen, der Vorsitzende Geschäftsführer der Georgsmarienhütte Holding: " Wenn Herr Trittin als Umweltpapst Nein sagt, dann heißt das auch nein." Alles, was er von der Politik erwarte, sei eine langfristige Verlässlichkeit, erklärte van Hüllen.

Bildtext:
Ausgesprochen freundlich wurde Jürgen Trittin (2. von links) im Stahlwerk Georgsmarienhütte empfangen. Das Foto zeigt ihn mit Geschäftsführer Peter van Hüllen, dem technischen Geschäftsführer Henning Schliephake, der Bundestagsabgeordneten Dorothea Steiner und der Grünen-Landesvorsitzenden Anja Piel.

Foto:
Klaus Lindemann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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