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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auf und mit dem Berg leben
 
Stadt und Land liegen zu Füßen
Zwischenüberschrift:
Der Stadtteil Pye: Industrie, Naherholung und dörfliches Miteinander
 
Mein Lieblingsplatz: Die neue Aussichtsplattform
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Pye. Ortsfremde tun sich zuweilen schwer mit dem Ypsilon im Namen. Wird es eher Püe gesprochen? Oder doch Peie? Der Osnabrücker lächelt wissend. Auch weil mit dem Piesberg zum kleinen Stadtteil im Nordwesten eine der großen Attraktionen der Stadt gehört. Die Pyer mögen das Leben vor allem wegen der reizvollen Kombination mit städtischen Vorzügen und dörflichen Strukturen samt Naherholung direkt vor der Haustür.

Es gibt genügend Menschen, die halten Pye weniger für einen Teil einer Stadt als für ein Dorf im Osnabrücker Land. Letztlich ist wohl beides richtig. Mit etwas mehr als 3100 Einwohnern gehört Pye zu den kleinen, übersichtlichen Stadtteilen. Vielleicht auch durch den vergleichsweise großen Abstand zur Osnabrücker City ist der Dorfcharakter erhalten geblieben. Das ist für viele Pyer kein Mangel, sondern ein Pluspunkt. Es gibt keine anonymen Wohnblocks, sondern vorwiegend Einfamilienhäuser in den gewachsenen Siedlungen.

Die Pyer leben auf, an und mit dem Berg. Der Piesberg war und ist irgendwie immer präsent. Die Vorfahren vieler Familien schufteten im Kohlebergbau oder brachen Steine aus dem Berg. Die meisten älteren Gebäude sind aus Piesberger Stein gebaut, Straßen und Plätze sind nach früheren Bergwerksmeistern benannt.

Und der Berg verändert sich ständig. Das Kapitel Steinkohle ist geschlossen, ebenso wie hoffentlich das Thema Mülldeponie. Die wird gerade mit einer dicken Folie und einer Erdschicht abgedeckt: Unvorstellbar große Mengen Boden werden dafür bewegt. Nicht zuletzt sorgt auch der Steinabbau weiter für Veränderungen. Etwa 25 Jahre soll es damit weitergehen. Anschließend dürfte der Piesberg zur Ruhe kommen, sich die Natur verlorenes Terrain zurückholen und der Kultur- und Landschaftspark noch stärker Naherholungsgebiet sein.

Zu den Großveranstaltungen wie dem Dampflokfest strömen Zehntausende Be sucher. Das Museum für Industriekultur ist Anziehungspunkt, ebenso wie die vielen Angebote insbesondere für Kinder –, den Berg zu erleben.

In das eher dörfliche Bild des Stadtteils Pye passen die aktiven Vereine: Sportler, Schützen, Wanderer, Sänger und Herold-Musikanten sind rührig. Beispiel Piesberger Sportverein: Mit einer seit Jahren stabilen Mitgliederzahl von rund 1000 ist rechnerisch fast jeder Dritte Pyer SV-Mitglied.

Michael Bornhausen ist Sprecher des Vereinsvorstandes. Nach der Ära Josef Meyerrose, der über Jahrzehnte die Geschicke des Vereins leitete, rückte ein Team nach. " Wir haben Arbeit und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt und sind ganz glücklich mit dem Modell."

Dass die Mitgliederzahl konstant ist, schreibt der Vereinssprecher dem enormen Engagement der Übungsleiter zu. So könnten Defizite durch die fehlende Sporthalle aufgefangen werden. Die Sporthalle an der Grundschule sei in Ordnung für Turn- und Gymnastikangebote, aber zu klein für Basket-, Volley- und Handball.

Zu den traditionsreichen Vereinen der Region gehören die Piesberger Schützen. Seit 1858 sind Flintenbrüder und - schwestern im Verein organisiert. Das Schützenfest hat einen festen Platz im Veranstaltungskalender. Das Gesellige flankiert aber nur den Schießsport, der mit großer Ernsthaftigkeit betrieben wird. Trotz allem klagt auch der Vorsitzende des Piesberger Schützenvereins über sinkende Mitgliederzahlen. " Das trifft ja auf fast alle Vereine der Region zu", weiß Hubert Wagner, der den eigenen Schießstand (" Ein bisschen versteckt hinter dem Sportplatz, aber doch mittendrin und schön gelegen") als Pluspunkt sieht.

Straße, Schiene, Kanal: Objektiv gesehen, verfügt Pye über eine brillante Verkehrsanbindung. Genauer betrachtet, ist die Fahrt Richtung Stadt für viele Stadtteilbewohner beschwerlich. Denn der Autoverkehr rollt nahezu komplett über den Fürste nauer Weg. Die Fahrt ist in vielen Abschnitten nervig, weil es rumpelt und rappelt. Dann nehmen seltsame Ampelschaltungen den Schwung. Man kann das beklagen oder wohlwollend formulieren: Da gibt es noch Verbesserungspotenzial.

Luft nach oben gibt es auch in anderen Bereichen. So müssen die Pyer zum Einkaufen in die Nachbarschaft, nach Lechtingen, Hollage oder Eversburg ausweichen. Die Supermarktbetreiber machen einen Bogen um den Stadtteil zu klein, heißt die immer gleiche Erklärung.

Mit Siebenbürgen und Ballmann haben zwei ehemalige Traditionsgaststätten schon vor Jahren dichtgemacht. Nachfolger gibt es nicht. So hat die Gaststätte Riepe ein Alleinstellungsmerkmal im Stadtteil. Zuletzt hat dann auch das Pyer Hofcafé seine Pforten geschlossen.

1972 verlor Pye im Zuge der Gebietsreform seine Eigenständigkeit, die Stadt Osnabrück verschob ihre Grenze Richtung Nordwesten. Ein seinerzeit diskutiertes Alternativ-Modell war ein Zusammenschluss mit Wallenhorst.

Und auch vierzig Jahre später sind immer noch Stimmen zu vernehmen, die das für den besseren Weg gehalten hätten. Die heimliche Sehnsucht nach Wallenhorst ist häufig zu spüren. Ebenso viele treten vor und betonen vehement die Vorteile der Stadtzugehörigkeit.

So oder so: Es gibt viele Verbindungen in die Nachbargemeinde; etliche Mitglieder des Musikkorps Herold und des Schützenvereins stammen aus Hollage, Lechtingen und Wallenhorst. Und es gibt noch eine spezielle Verbundenheit: So müssen viele Pyer Haushalte für Telefongespräche mit anderen Osnabrückern die 05 41 vorwählen. Sie gehören mit 0 54 07 zum Vorwahlbereich Wallenhorst.
Bildtext:
Pyes Berg: So ist es richtig herum, Naherholung, Bergbau, Mülldeponie: Der Berg verändert sich fortlaufend.
Die Massen strömen zu den Festen am Piesberg.
Generationen vereint das Musikkorps Herold Pye.
Der Kanal bietet viele Freizeitmöglichkeiten.
Fußballerinnen des Piesberger SV sorgen für Furore.
Tango-Fans der Region tanzen im Gesellschaftshaus.
Baustelle: Die Steinbrecheranlage wird restauriert.
Foto:
Gert Westdörp

Osnabrück. Der Aufwand lohnt sich allemal. Oben angekommen, sind das leichte Ziehen in den Oberschenkeln und der Schweiß auf der Stirn schnell vergessen. Mit der Aussichtsplattform am Stumpf eines ausgedienten Windrades hat Osnabrück eine neue, außergewöhnliche Attraktion.
Der Stadtteil Pye hat ex trem viele Facetten, herausragend schöne Plätze gibt es viele. Das ist nicht nur eine höfliche Floskel: Die Wahl eines Lieblingsplatzes fiel mir wirklich schwer. Aber nach dem ersten anstrengenden Aufstieg war klar, das hier übertrifft alles.
Der Blick ist phänomenal. Bei schönem Wetter reicht die Sicht über die ganze Stadt und weit ins Osnabrücker Umland und weiter. Im Nordosten sind die zahlreichen Windräder im Moor vor Hunteburg auszumachen. Im Westen wirkt das Lingener Kraftwerk mit einem Mal nah. Bei jedem Aufstieg ist der Ausblick anders, je nach Wetterlage und Tageszeit. Das Lichtspiel bei Sonnenschein fasziniert ebenso wie der Zug der Wolken über das Land.
Als Wallenhorster muss ich natürlich betonen, dass etwa ein Drittel des Piesberges zu Lechtingen gehört. Die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde sind von da oben allesamt gut zu erkennen: die Ruller Wallfahrtskirche, St. Alexander in Wallenhorst, die Lechtinger Mühle. In der Geschichte der vier Ortsteile spielte der Piesberg von jeher eine große Rolle. So sind beide Wallenhorster Kirchen aus Piesberger Stein gebaut.
Wie erwähnt, der Aufstieg ist nicht ohne. Ein Weg führt vom Museum Industriekultur entlang der Feldbahnschienen über den Südstieg und seine imposante Treppenanlage (knapp 300 Stufen!). Alternativ geht es vom Parkplatz Grubenweg in Lechtingen über einen steilen Anstieg.
Bildtext:
Es geht aufwärts: Unser Redakteur Erhard Böhmer hat zwar anschließend schwere Beine, genießt aber vor allem den Blick von der Aussichtsplattform.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Erhard Böhmer


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