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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eine Oase in der Wüste.
Zwischenüberschrift:
Der Pappelsee dient der Entwässerung und der Naherholung zugleich.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Stadtteil Wüste heißt nicht umsonst so. Über Jahrhunderte war das südwestliche Vorland der ummauerten Hasestadt kaum nutzbar. Allerdings nicht wegen Hitze und Trockenheit, wie man es von anderen Wüsten her kennt, sondern im Gegenteil wegen seines Wasserreichtums. Der großflächige " Quellsumpf″ in der Tallage zwischen Kalkhügel und Westerberg fiel niemals trocken, solange der Mensch nicht eingriff.

Effektiv geschah das erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Ausbau des Pappelgrabens und der Anlage weiterer Entwässerungsgräben wurde das Land nach und nach " baureif″ gemacht. Aber das Wasser blieb den Siedlern auf den Fersen. " Nach jedem mittleren Regen hatten wir den Keller unter Wasser″, berichtet etwa Lore Müller, die seit 1982 an der Overbeckstraße wohnt.

Das wurde besser, nachdem die Stadt Regenrückhaltebecken angelegt hatte. Zuerst in den Jahren 1975/ 76 den " Wüstensee″ an der Schreberstraße, dann 1984/ 86 in Nachbarschaft des Pappelgrabens den " Pappelsee″. Letzterer hat ein Fassungsvermögen von 30 000 Kubikmetern. Er ist rund 250 Meter lang und 50 Meter breit, der Weg einmal drum herum misst 600 Meter. Dieser Rundweg trägt den Namen Dr.-Karl-Heinz-Müller-Weg. Und das natürlich nicht ohne Grund. Lore Müllers 1991 verstorbener Ehemann hatte immer wieder Druck bei der Stadt gemacht, das wasserwirtschaftlich dringend notwendige Becken endlich fertigzustellen.

Denn die Arbeiten schleppten sich mühsam dahin. Der Tiefbauunternehmer, der das Ausbaggern gratis angeboten hatte, weil er sich ausreichende Erträge aus dem Verkauf des anfallenden Sandes versprochen hatte, verlor 1985 die Lust an dem Auftrag. Er wurde den Sand nicht los und stellte
die Arbeiten daraufhin auf halbem Wege ein. Statt
eines Pappelsees türmten sich unförmige Sandhaufen in der Landschaft auf,
" Pappelberge″, wie die Bewohner der Wüste spotteten. Die Stadt musste neu ausschreiben und empfindliche Mehrkosten hinnehmen. Im Juni 1986 war der Tiefbau endlich abgeschlossen. Botanik-Professor Müller engagierte sich unermüdlich weiter für den See. Er sorgte für eine naturnahe, artenreiche Einfassung. Wie das aktuelle Vergleichsbild zeigt, ist auch das gründlich gelungen.

Die Aktivitäten rund um den Pappelsee sind eng mit dem Bürgerverein Wüste verbunden, dessen Gründungsvater und Vorsitzender Karl-Heinz Müller bis zu seinem Tode war. Müller und seine Mitstreiter retteten die Kopfweiden, die dem Wasserbau weichen mussten, und pflanzten sie am neuen Ufer an, sie setzten Seerosen ein, sie schufen ökologische Nischen für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Schon bald hatten sich Stockenten und Teichhühner in den Schilfzonen häuslich eingerichtet. Der Charakter eines Zweckbauwerks ist heute kaum mehr zu erkennen. Für die Bewohner des Stadtteils ist der Pappelsee mit dem sich schlängelnden Rundweg zu einem beliebten Naherholungsflecken, zu einer echten Oase in der Wüste geworden.

Bildtexte:
Pappelgraben noch ohne See: Blick aus dem Hochhaus am Jostesweg stadteinwärts im Jahr 1975. Der Pappelgraben läuft exakt auf den Turm der Katharinenkirche zu.

Die Wüste lebt und wächst langsam zu. Dichter Baumbestand umkränzt heute den Pappelsee.

Fotos:
Archiv Lore Müller/ Robert A. Fromm
Autor:
Joachim Dierks


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