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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Puppenstube und Sorgenkind zugleich
 
Eine gute Ecke für Stammkundschaft
Zwischenüberschrift:
Die Innenstadt: Zwischen Rosenplatz und Heger Tor spielt die Musik
 
Lieblingsplatz: Karl Fiedler verkauft am Domhof die Straßenzeitung "Abseits!?"
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nur der Stadtteil Gartlage ist kleiner als die Innenstadt. Dafür darf sich die Innenstadt aber damit rühmen, der wichtigste Stadtteil zu sein. Denn hier ist die Keimzelle Osnabrücks, hier spielt die Musik, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne.

Um das Jahr 780 ließ Karl der Große in Osnabrück eine Kirche zu Ehren des heiligen Petrus errichten. Die Stadt an der Hasefurt mit Handelswegen in alle Himmelsrichtungen war geboren. Dort, wo die erste Kirche stand, wurde im Jahr 1100 mit dem Bau des heutigen Domes begonnen. Auch die Marienkirche, an der über drei Jahrhunderte gebaut wurde, hatte schon Vorgänger.

Bahn zieht die Grenze

Die Altstadt entwickelte sich um beide Gotteshäuser, während die 1292 eingeweihte Johanniskirche zum Mittelpunkt der Neustadt wurde. Anfang des 14. Jahrhundertes schlossen sich Alt- und Neustadt bereits zusammen. 40 Jahre später gaben sie sich eine gemeinsame Verfassung, auch wenn sie noch lange Zeit eigenständig blieben.

Osnabrücks Alt- und Neustadt entsprechen fast genau der heutigen Innenstadt mit den Wällen als Grenzen. Der Rosenplatz stellt einen südlichen Ausreißer dar. Auch die Bewohner der Sutthauser Straße bis zur Bahn gelten noch als Innenstadtbewohner. Östlich begrenzt die Bahnstrecke die Innenstadt. Die erste Eisenbahnlinie führte übrigens 1855 durch die Stadt.

Vier Kirchen prägen das Bild der City, der Dom, die Marienkirche, St. Johann und mit 103 Meter Höhe als größte die Katharinenkirche. Der Marktplatz mit dem Ensemble Rathaus, Marienkirche, die im Zuge der Reformation evangelisch wurde, und der Stadtwaage zeugt vom bürgerlichen Selbstbewusstsein der Stadt. Im Rathaus wurde Politik gemacht. In der Stadtwaage mussten alle Waren gewogen werden, die auf Osnabrücker Märkten verkauft wurden. In St. Marien wurden Mitglieder vornehmer Familien zur letzten Ruhe gebettet.

Gekrönte Häupter

Das heutige Rathaus zeugt vor allem von der Zeit des Westfälischen Friedens. Als Ort der Verhandlungen zur Beendigung des 30-jährigen Krieges und der Verkündung des Friedens erlangte die Stadt europäische Bedeutung. Das wurde spätestens im Jahr 1998 auch den letzten Geschichtsmuffeln klar: Zum Jubiläum 350 Jahre Westfälischer Frieden gab es ein Stelldichein der gekrönten Häupter aus all den am Frieden beteiligten Ländern.

In diesem Jahr wird das 500-jährige Bestehen des Rathauses gefeiert. Feiern, Musik, Jubel und Trubel ist der Marktplatz gewohnt. Dort begann die Erfolgsgeschichte der Maiwoche. Noch immer wird auf dem Rathausmarkt mit dem Fassanstich durch den Oberbürgermeister das große Open-Air-Fest eröffnet. Der Weihnachtsmarkt, Wein- und Gourmetveranstaltungen gehören in Osnabrücks gute Stube wie das Begegnungsfest während der Wochen der Kulturen.

Ein Gang durch das Heger-Tor-Viertel ist für Gäste ein Muss. Nicht nur die restaurierten Fassaden ziehen Gäste an, auch der Mix von Kultur und Handel. Bewohner, Geschäftsleute und Künstler haben sich zur Interessengemeinschaft Heger-Tor-Viertel zusammengeschlossen (www.altstadt-osnabrueck.de), um das Viertel noch attraktiver zu machen.

Über die Große Straße, in Niedersachsen auf Platz zwei der Shoppingmeilen, führt der Weg in Richtung Neustadt. Von der Puppenstube geht es direkt zum Sorgenkind: dem Neumarkt mit der angrenzenden Johannisstraße. Leerstände bei vielen Geschäften bereiten dem Rat Kopfzerbrechen. Da sind sich alle einig. Welcher Weg aber am besten aus der derzeitigen Situation führt, ist umstritten. Ein Shoppingcenter soll die Gegend aufwerten.

Soziales Zentrum

Rund um die Johanniskirche ist ein soziales Zentrum entstanden. Da ist das Haus der Sozialen Dienste mit Caritas und Kindermahlzeit. Zwei Häuser weiter richtet sich " Jonathans und Annas Laden" (nicht nur) an Bedürftige. Unter all den katholischen Einrichtungen bleibt die Arbeiterwohlfahrt im Neustädter Rathaus ein konfessionsfreies Angebot.

Von dort fällt der Blick auf den größten Neubau der vergangenen Jahre: das Christliche Kinderhospital. Das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin im Herzen Osnabrücks hat einen weiten Einzugsbereich.

Bildtext:
Blick über die Innenstadt von der Katharinenkirche vorne zu St. Marien. Gut zu sehen sind Rathaus, Stadtwaage und Marienkirche, die zusammen vom bürgerlichen Selbstbewusstsein der Osnabrücker künden.

Archivfoto:
Gert Westdörp

Osnabrück. Domhof, Ecke Markt bei Esch: Das ist der Stamm- und Lieblingsplatz von Karl Fiedler. Eher zufällig stellte er sich vor 16 Jahren dorthin. " Ich bezog Sozialhilfe, und , Abseits!?′ verkaufte ich damals zum ersten Mal." Die Straßenzeitung der Osnabrücker Wohnungslosenhilfe ging weg wie geschnitten Brot, und er fühlte sich wie ein König, erinnert sich Fiedler.
Seitdem ist das sein Platz geworden, wirkt die Ecke ohne ihn fast wie eine Leerstelle. " Das ist das Besondere an diesem Ort: Die Leute haben sich an mich gewöhnt, merken, dass ich da bin." Das bringt die Stammkundschaft, die auch für den Verkauf einer Straßenzeitung sehr wichtig ist.
Von seinen sechs Arbeitstagen in der Woche steht Fiedler von montags bis mittwochs auf seinem Stammplatz. Und samstags noch mal vom sehr frühen Morgen bis weit in die Mittagszeit. " Dann bin ich auch froh, dass Feierabend ist und ich zu Hause die Beine hochlegen kann."
Viele Menschen grüßen, bleiben stehen und halten einen kleinen Plausch. Man hört so manches, sagt er: " Die älteren Leute erzählen viel von dem, was sie bedrückt." Fiedler gibt ihnen zuweilen auch Tipps und Ratschläge. Sie danken es ihm mit Kaffee, einer Bratwurst oder zum Weihnachtsmarkt schon mal mit einem Kinderpunsch.
Seine Rente und Grundsicherung von 750 Euro bessert er mit dem Verkauf von " Abseits!?" auf. Manche geben noch einen kleinen " Druckkostenzuschuss" dazu. Andere kaufen sogar bis zu fünf Exemplare. " Sie wollen mir wahrscheinlich das Geld nicht direkt geben, um mich nicht zu beschämen", vermutet Fiedler.
Der Mann mit den leuchtend blauen Augen zuckt die Achseln, wenn man ihn fragt, wie lange er noch auf seinem Platz zwischen Dom und Rathaus stehen wird. " So lang es Gott will", antwortet der 69-Jährige knapp und lächelt.

Bildtext:
Ohne Karl Fiedler, der hier regelmäßig " Abseits!?" verkauft, wirkt die Ecke fast leer.

Foto:
Stefan Buchholz

Name

Die Innenstadt, das heutige Herz des vor mehr als 1200 Jahren gegründeten Marktfleckens, ist von Stadtmauern, dem Fluss Hase und Steinwällen umringt. Rathaus, Dom und Marienkirche sowie das ehemalige fürstbischöfliche Schloss sind die seit Jahrhunderten die Silhouette beherrschenden Bauwerke.

Zahlen

In der Innenstadt leben heute 8342 Einwohner, damit nimmt sie den 8. Platz in der Statistik der 23 Osnabrücker Stadtteile ein. Alterszusammensetzung: unter 7 Jahren: 228, 7 bis 14 Jahre: 152, 14 bis 18 Jahre: 99, 18 bis 40 Jahre: 3919, 40 bis 65 Jahre: 1696, 65 Jahre und älter 1197. Um die Menschen kümmern sich 50 Arzt- und ärztliche Gemeinschaftspraxen, darunter 21 für Zahnheilkunde.

Die Fläche der Innenstadt beträgt 162, 99 Hektar (Stadt gesamt: 11 980), davon sind 3, 03 ha Wohnbaufläche, 99, 16 ha gemischte Baufläche (mit Gewerbe), 4, 15 ha Sonderbaufläche (Einrichtungen des Bundes, Hochschulen, GVZ, großflächiger Einzelhandel), 26, 07 ha für Gemeinbedarf, 16, 01 ha Verkehrsfläche (davon 14, 24 Straßen, 1, 77 ha Bahnanlagen), 2, 84 ha Parkanlagen, 0, 20 ha Sportplätze, 8, 02 ha sonstige Grünflächen, 3, 48 ha Wasserflächen.

Besonderes

Die Innenstadt ist Anziehungspunkt touristischer Gäste, die an allen Ecken den kulturellen und historischen, den politischen und religiösen Puls der Stadt spüren. Sie hat wegen der Fußgängerzone und ihrer Einkaufspassagen zentrale Bedeutung für die Wirtschaft. Des Weiteren ist hier eine hohe Dichte von Betrieben der Gastronomie und der Hotellerie zu finden, ebenso öffentliche Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen.

Vor Ort

Am heutigen Dienstag
die die NOZ-Redaktion vor Ort. Von 14.30 bis 16.30 Uhr bittet Till auf dem Wochenmarkt vor der Johanniskirche zum Gespräch.
Autor:
Ulrike Schmidt, steb


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