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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Selbstbedienung für Pfandsammler
 
Einen Versuch wert
Zwischenüberschrift:
Stadt plant Probelauf an öffentlichen Abfalleimern in der Innenstadt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt plant einen Versuch, um Pfandsammlern das Leben zu erleichtern. Dazu soll ein rechteckiger Kasten an die Abfalleimern geschraubt werden, in dem die Pfandflaschen abgestellt werden können. Zuvor soll sich aber noch der Sozialausschuss mit dem Thema befassen.

Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeigt sich am Abfalleimer: Vielen Menschen sind 8, 15 oder 25 Cent zu wenig, um die geleerte Flasche oder Dose mitzunehmen. Das Pfandgut landet im Müll, aus dem es sich diejenigen fischen, für die die Centbeträge wertvoll sind.

Um den Pfandsammlern das menschenunwürdige und manchmal gefährliche Stochern im Müll zu ersparen, wurde die Kampagne " Pfand gehört daneben" (www.pfand-gehoert-daneben.de) ins Leben gerufen. Mit Verweis darauf hatte der Rat auf Antrag der SPD den Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) beauftragt, mögliche Sammelsysteme und die Kosten dafür zu ermitteln.

Das Ergebnis wurde im Betriebsausschuss OSB vorgestellt: Kurt Santjer vom Stadtservice erläuterte, dass viele in der Kampagne vorgeschlagene Sammelmethoden nach seiner Ansicht problematisch seien: Auf den Boden gestellte Flaschen könnten umkippen und auf die Straße rollen. Kisten könnten zu " Spielbällen von Jugendlichen" werden oder Kleinkinder und Hunde anziehen. Vorgeschlagen wird deshalb eine Osnabrücker Lösung der angeschraubte Kasten.

Der etwa 60 mal 40 Zentimeter große Kasten werde fest am Abfalleimer installiert, stelle keine Behinderung bei der Leerung dar, sei sofort erkennbar, stabil, pflegeleicht, austauschbar, wirtschaftlich vertretbar und " ästhetisch hinnehmbar".

Dennoch blieben offene Fragen, denen sich auch die Ausschussmitglieder anschlossen. So sei möglich, dass Schüler und Jugendliche beim offenen Sammelsystem zugreifen, sodass die eigentlichen Pfandsammler nicht richtig zum Zuge kommen. Wie teuer ist die Reinigung? Werden die leicht zugänglichen Flaschen mutwillig zerstört? Antworten darauf soll eine Probephase am Bahnhofsvorplatz und in der Großen Straße bringen.

Vorerst skeptisch

Die Ausschussmitglieder zeigten sich aufgeschlossen für den Versuch, obwohl sie vorerst skeptisch sind. Ein Mitnahmeeffekt könnte nicht ausgeschlossen werden, meinte Josef Thöle (CDU). Sein Parteikollege Björn Meyer ist bis zum Beweis des Gegenteils überzeugt, dass der Sammelkasten auch für anderen Müll genutzt wird. Und Thomas Klein (Grüne) fragt sich, " ob wir damit den Pfandsammlern wirklich helfen?". Eine Entscheidung soll erst nach der Diskussion im Sozialausschuss fallen, der Ende September tagt.

Bildtexte:
In Hamburg sind an vielen Laternenpfählen solche Pfandkisten angebracht.
Auf der Internetseite von " Pfand-gehört-daneben" sind Beispiele für Sammelbehälter aufgeführt.

Kommentar
Einen Versuch wert

Man sieht es beim Bummel durch die Stadt immer wieder: Die ausgetrunkene Flasche landet im Papierkorb. Andere Passanten dagegen stochern im Müll, um mit dem Pfand ihr karges Einkommen aufzubessern. Deshalb ist es eine gute Idee, den vielen Pfandsammlern die unwürdige Müllwühlerei zu ersparen.

Die Bedenken sind aber auch nachvollziehbar: Da können Schüler mit einem schnellen Griff in den Flaschenbehälter ihr Taschengeld aufbessern. Oder der Alkoholiker kann in Kleinarbeit seine nächste Flasche Schnaps zusammenbekommen. Der klassische Flaschensammler, der sogar seinen Lebensunterhalt vom Pfand bestreitet, könnte der Verlierer sein.

Das sind aber nur Vermutungen. Deshalb meinen auch die Bedenkenträger: Einen Versuch ist die Sache wert.
Autor:
Ulrike Schmidt


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